Der einflussreiche Regisseur Anthony Mann schuf prägende Epen wie „El Cid“, stilsichere Film noirs wie „Flucht ohne Ausweg“ und thematisch ausgeklügelte Western wie „Winchester ’73“. Und dennoch wird seine Vita im deutschen Heimkino recht lieblos behandelt. So staunten wir von FILMSTARTS nicht schlecht, als wir in keiner unserer Datenbanken eine offizielle, deutsche Heimkino-Veröffentlichung von „Cimarron“ fanden.
Dabei handelt es sich bei diesem Westernepos um Manns mit enormem Aufwand gedrehtes Remake des mit einem Oscar für den besten Film prämierten Klassikers „Pioniere des wilden Westens“! Sollten wir also wirklich keine Kassette, Laserdisc oder DVD übersehen haben, ereignete sich kürzlich eine kleine Sensation für Western-Fans. Denn diese Woche ist „Cimarron“ in Deutschland auf Blu-ray erschienen!
Darum geht es in "Cimarron"
Oklahoma im späten 19. Jahrhundert: Die letzten noch verbliebenen Reservate der indigenen Völker Nordamerikas werden durch die Regierung der Vereinigten Staaten zur Besiedelung freigegeben. So kommt es zu einem regelrechten Ansturm auf die vermeintlich freien Flecken Land. Auch die eigennützige Sabra Cravat (Maria Schell) und ihr Ehemann, der Anwalt Yancey Cravat (Glenn Ford), wollen in Oklahoma einen Neuanfang wagen. Doch als Yancey erkennt, was mit der indigenen Bevölkerung angestellt wird, meldet sich sein Gerechtigkeitssinn zu Wort – sehr zum Unmut seines Umfelds...
Massiver Aufwand, spaltendes Ergebnis
Mann wollte bei „Cimarron“ ursprünglich komplett auf Aufnahmen an Originalschauplätzen setzen, um authentisch einzufangen, wie aus der gewaltigen Ödnis in den USA mit verschiedensten Formen an Gewalt und Dreistigkeit bebende Städte entstanden. Zu diesem Zweck wurden über 1.000 Statist*innen angeheuert, die in lebhaften Massenszenen gemeinsam mit 700 Pferden und 500 Kutschen sowie Planwagen den Oklahoma Land Rush imitierten.
Doch der Dreh im Nirgendwo von Arizona erwies sich als überaus strapaziös: Die Produktion wurde wiederholt von Sandstürmen geplagt, weshalb Produzent Edmund Grainger forderte, den Handlungsort Osage auf dem MGM-Gelände zu errichten. Drei Studiogebäude wurden dafür in Beschlag genommen, was in Summe 4,45 Hektar entsprach und einen neuen Rekord für die größte MGM-Westernkulisse bedeutete.
Obwohl (oder weil) man gewillt war, weder Kosten noch Mühen zu scheuen, stritten sich Mann und die MGM-Bosse während der Arbeit an „Cimarron“ unentwegt. Das Drehbuch von Arnold Schulman („A Chorus Line“) wurde auf Wunsch verschiedener Beteiligter unzählige Male überarbeitet – so sehr, dass er selbst sagte, er habe die mit einem Pulitzerpreis prämierte Vorlage von Edna Ferber „zerstört“ (via Berkeley).
Mann hatte letztlich einen Burnout und wurde von MGM gefeuert. Die Aufgabe, „Cimarron“ zu vollenden, wurde daraufhin „Die oberen Zehntausend“-Regisseur Charles Walters zugetragen. Die Kritiken für den fertigen Film fielen gespalten aus, jedoch herrschte und herrscht gemeinhin Einigkeit, dass die monumentalen CinemaScope-Bilder Eindruck schinden und „Cimarron“ verdient für den Ton und das Szenenbild eine Oscar-Nominierung erhalten hat.
Ohne Oscar-Nominierungen steht dagegen der Western dar, den wir euch im folgenden Artikel näher vorstellen. Allerdings hat auch er eine strapaziöse Entstehungsgeschichte vorzuweisen – sowie John Wayne in einer seiner strategischer agierenden Rollen:
Für diesen oft vergessenen Western hat John Wayne schwer gelitten: Jetzt erscheint er erstmals auf Blu-ray*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.