Mit den ebenso anspruchsvollen wie schmerzhaften Horrorfilmen „Hereditary“ und „Midsommar“ stieg Ari Aster zu einem Regisseur auf, dessen Arbeit vom cinephilen Publikum gebannt verfolgt wird. Doch dann reichte er „Beau Is Afraid“ nach, einen ambitionierten Genre-Mischmasch aus Satire, rabenschwarz-süffisanter Komödie, Paranoia-Wahnsinn und der metaphorisch überhöhten Odyssee eines nervlichen Wracks mit massig Komplexen. Das sorgte teils für Begeisterung für Asters Schneid, teils für pikiert hochgezogene Augenbrauen.
Während viele andere Filmschaffende nach solch einem Spalter auf Nummer sicher und einen Konsensfilm angehen, ließ sich Aster nicht ins Bockshorn jagen: „Eddington“ ist eine provokante Mischung aus Neo-Western, Satire-Thriller und Drama über den blanken Horror unserer Zeit – unbeliebte nervende Themen wie COVID, Social-Media-Dauerüberwachung und performative Empörung inklusive.
Das Ergebnis ist ein „Lieb es oder hass es!“-Film mit schillernder Starbesetzung, der nach seiner vergleichsweise wenig beachteten Kinoauswertung den nächsten Schritt tätigt: Ab dem 6. März 2026 ist „Eddington“ auf DVD und Blu-ray im Heimkino erhältlich.
Als Bonusmaterial enthalten die DVD-Version und die Blu-ray-Edition jeweils rund 20 Minuten an Featurettes und Interviews. „Eddington“ ist obendrein für alle, die auf Extras und den physischen Aspekt verzichten können, unter anderem bei Amazon Prime Video* als VOD verfügbar.
Darum geht es in "Eddington"
2020: Kleinstadt-Sheriff Joe (Joaquin Phoenix) hätte gern das alleinige Sagen über das neu-mexikanische Eddington, aber so einfach ist das nicht! Während Joe lockere Umgangsformen mit Lockdowns, Social Distancing und Maskenpflicht hegen will, pocht der kurz vor der Wiederwahl stehende Bürgermeister Ted Garcia (Pedro Pascal) auf strenge Regeln. Daher geraten die beiden Sturköpfe aneinander – bis Joe die Schnauze voll hat und kurzerhand beschließt, sich als Gegenkandidat aufzustellen.
Das lässt die Gefühle in Eddington überkochen, zumal Joe eine aggressive Kampagne fährt und Ted die altbekannte Rührseligkeitsnummer abzieht. Daheim plagt sich Joe wiederum mit seiner von Verschwörungstheorien besessenen Schwiegermutter Dawn (Deirdre O'Connell) und seiner depressiven Ehefrau Louise (Emma Stone) herum. Auf der Straße hingegen rufen die primär weißen Kids von Eddington zu Black-Lives-Matter-Protesten auf. Und am Ortstrand passieren gar wunderliche Dinge, die mehr und mehr Funken in Richtung dieses Pulverfasses schießen...
Ein Film, der frustrieren will
Es klingt nahezu unmöglich, doch dieser satirische Neo-Western-Thriller, dessen garstig-brutalem Finale viele Filmbegeisterte sogar einen Horror-Einschlag attestieren, sollte eigentlich Asters Regiedebüt werden. Aber seine Vision eines die Entzweiung (nicht nur) der US-Gesellschaft beäugenden, zeitgenössischen Westerns war so opulent, dass er als Novize nicht an das nötige Geld herankam.
Daher nutzte er erst Jahre später sein nunmehr erlangtes Prestige, um ein Budget von 25 Millionen Dollar einzuheimsen. Hinzu kam eine namhafte Besetzung, zu der neben den oben genannten Größen (in kleinen Rollen) „Elvis“-Star Austin Butler, „Yellowstone“-Mime Luke Grimes sowie der aus „Westworld“ bekannte Clifton Collins Jr. zählen. Darüber hinaus hat Aster seinen ursprünglichen Kleinstadt-Konflikt in eine hitzige Phase der Covid-Pandemie verlegt und mit Seitenhieben auf seither noch dringlicher gewordene Brandherde versehen – etwa Energie saugende Rechenzentren und eine neue Flut an rechter Gewalt, die dem linken Politspektrum in die Schuhe geschoben wird.
Als wäre all das nicht schon kontroverser Zündstoff genug, teilt Aster (mit variierender Grimmigkeit) in alle Richtungen aus, statt sich in eine im oft binären Filmdiskurs sichere „Also, meine Seite macht alles super!“-Ecke zurückzuziehen. Zu guter Letzt ist „Eddington“ eine formale Provokation: Mit einer schwer zu schluckenden Laufzeit von 149 Minuten, einem betont ungleichförmigen Erzählfluss und tonalen Purzelbäumen lullt Aster sein Publikum ein, rüttelt es auf, lullt es wieder ein und führt es in die Irre – nur, um ihm dann vor den Kopf zu stoßen. Etwa, indem Empathie für Unsympathen eingefordert wird, sich ideologisch wohlmeinende Figuren wie die Axt im Walde aufführen und nach einem brachial-unterhaltsamen Kapitel das Erzähltempo nahezu gen Null sinkt.
Das erwischt einen entweder auf der richtigen Wellenlänge und wird als konsequent-boshafter Diskussionsanstoß aufgenommen oder frustriert vollkommen. Aber eins ist klar: „Eddington“ bleibt im Gedächtnis. Wenn ihr vertiefende Gedanken zu „Eddington“ haben möchtet: Ari Aster hat mit FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler gesprochen und im folgenden Interview unter anderem verraten, was er von sozialen Netzwerken und KI hält!
"Es fühlt sich an, als wären wir auf einem schlechten Weg": "Eddington"-Regisseur Ari Aster über den Wahnsinn der Covid-Jahre und die Gefahren von KI*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.