Die Titel französischer Filme werden gerne mal „eingekitscht“. Allein 2024 gab es mit der sinnlichen Koch-Romanze „Geliebte Köchin“ (Originaltitel: „La Passion de Dodin Bouffant“) und „À plein temps“ (zu deutsch: in Vollzeit), der hierzulande als „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ in die Kinos kam, gleich zwei solcher Fälle.
Die deutschen Übersetzungen versprechen große Emotionen – erinnern dabei aber auch an typische TV-Schmonzetten, was insbesondere „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ überhaupt nicht gerecht wird. Der Film ist ein kraftvoller Wutschrei aller Alleinerziehenden, der die Unmöglichkeit anprangert, Arbeits- und Familienleben in ein ausbalanciertes Gleichgewicht zu bringen. Der Film ist purer Stress, der schon beim Zusehen Schweißausbrüche und Herzrasen verursachen kann – aber gerade deshalb wahnsinnig sehenswert ist.
Wer sich jetzt selbst ein Bild machen möchte, kann sich am heutigen 7. März 2026 ins Abendprogramm von 3sat schalten, denn hier wird „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ um 23.30 Uhr ausgestrahlt. Wem das zu spät ist, der kann den Film auch gegen eine Gebühr bei Online-Anbietern wie Amazon Prime Video streamen:
Darum geht es in "Julie – Eine Frau gibt nicht auf"
Die Ehe von Julie (Laure Calamy) ist zerbrochen. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern kann sie sich das Leben im teuren Paris nicht mehr leisten, also zieht die kleine Familie in einen Vorort. Dort wirkt der Alltag zwar auf den ersten Blick ruhiger, doch für Julie bleibt er ein ständiger Kraftakt: Jeden Tag pendelt sie in die Hauptstadt zur Arbeit und muss ihrem Ex-Partner wegen des Unterhalts hinterherlaufen.
Nichts scheint sich wirklich einzuspielen. Selbst die Hoffnung auf eine besser bezahlte Stelle zerschlägt sich, als sie aufgrund eines Streiks im öffentlichen Dienst nicht rechtzeitig zum Vorstellungsgespräch gelangt. Schlimmer noch, denn plötzlich steht auch ihr alter Job als Reinigungskraft in einem Hotel auf dem Spiel. Wie lange hält Julie diesem permanenten Druck noch stand?
"Julie – Eine Frau gibt nicht auf": ein echter Hochgeschwindigkeits-Thriller
Druck – immer nur Druck. Druck auf Arbeit und im Familienleben sowieso. Regisseur Eric Gravel schafft es in „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ wunderbar, diesen Stress auf das Publikum zu übertragen. Der Kampf zwischen Arbeits- und Familienleben wird für Julie – intensiv gespielt von Laure Calamy – zur stetigen Belastungsprobe, die mit jeder weiteren Szene seinen Tribut fordert. Irgendwann ist es gar nicht mehr die Frage, ob Julie an dieser Situation zerbrechen wird – sondern wann.
Konsequenterweise ist der Film eher Hochgeschwindigkeits-Thriller als tiefgründiges Charakterdrama. Ein elektronischer Score und kurz gehaltene Szenen peitschen die Zuschauer*innen von einem Szenario in das nächste. Gelegenheit, wirklich einmal durchzuschnaufen, gibt es nicht. Jedes weitere Problem droht zu jenem Tropfen zu werden, der das Fass endgültig zum Überlaufen bringt.
Anspannung pur - mit einem versöhnlichen Ende
Regisseur Eric Gravel hat mit „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ einen echten Stress-Film inszeniert, der sich vor ähnlich intensiven Werken wie „Der schwarze Diamant“ oder „Whiplash“ nicht verstecken muss. Dass hier wie in „Heldin“ oder „Das Lehrerzimmer“ ein Szenario skizziert wird, das mitten aus dem Leben gegriffen ist, verleiht dem Drama dabei zusätzliche Relevanz. Denn die Frage, wie alleinerziehende Eltern im Berufsleben und der Kindererziehung gleichermaßen funktionieren sollen und warum sie das überhaupt in dieser Form müssen - ist durchaus berechtigt.
Dass die rasante Hatz dabei auf einer regelrecht versöhnlichen Note endet, ist fast schon die größte Schwäche des Films, denn diese untergräbt beinahe die eigentlich niederschmetternde Darstellung sozialer Ungerechtigkeit. Denn dass sich harte Arbeit und Selbstaufopferung immer auszahlen muss, ist letztlich doch nicht viel mehr als eine kapitalistische Nebelkerze. Aber vielleicht brauchen wir genau diesen Funken Hoffnung und den Glauben an Besserung, um der alltäglichen Überforderung doch irgendwie standzuhalten.
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