Lange Zeit schien es so, dass Streamingdienst Netflix den Hollywood-Traditionskonzern Warner übernehmen wird. Doch nachdem Konkurrent Paramount mehrfach das eigene Angebot erhöhte, stieg Netflix aus (und lässt sich das mit einer Milliardensumme versüßen, die man aufgrund der eigentlich erteilen Zusage erhält). Vorbehaltlich aller rechtlichen Genehmigungen werden in Zukunft also zwei der größten Hollywood-Studios zu einer Firma. Diese Nachricht sorgte vergangene Woche für eine gewaltige Erschütterung in Hollywood.
Viel wurde bereits über verschiedenste Auswirkungen berichtet: Zahlreiche Menschen werden ihre Jobs verlieren, da Abteilungen zusammengelegt werden. Paramount-Boss David Ellison und sein Strategie-Chef Andy Gordon kündigten bereits ein massives Gesundschrumpfen mit Einsparungen von 6 (!) Milliarden Dollar an. Sie bestehen allerdings darauf, dass der Großteil dieser Summe nicht durch die Reduzierung von Arbeitskraft erreicht werden soll.
Beim gegenüber dem aktuellen US-Präsidenten kritischen, legendären Nachrichtensender CNN dürften große Veränderungen ins Haus stehen, da die neuen Eigentümer sehr gute Verbindungen zu Donald Trump haben. Auch hier wird es wohl viele Entlassungen und wohl auch neue Inhalte geben. Und daneben gibt es auch Spekulationen, was Paramount dann mit zwei riesigen Studio-Geländen macht. Wird eines der legendären Lots bald abgerissen, um Luxus-Appartements Platz zu machen? Da wäre schon mal ein Teil der Kaufsumme drin – auch wenn hier die Paramount-Verantwortlichen ebenfalls noch bestreiten, dass sie Verkäufe planen.
Doch was ändert sich für jene Millionen Menschen, die primär Serien und Filme schauen? Was ändert sich für uns? Dazu gibt es jetzt zwei sehr konkrete Ansagen und sonst auch eine Menge Spekulationen.
Paramount+ und HBO Max werden ein Streamingdienst
Während Netflix beabsichtigte, HBO Max als eigenen Streamingdienst weiterlaufen zu lassen und vergünstigte Paketpreise für beide Abos anzubieten, wird Paramount einen anderen Weg gehen. Bei einem Investorencall am heutigen Montag, den 2. März 2026, bestätigte Paramount-CEO und Eigentümer David Ellison frühere Äußerungen: Man werde Paramount+ und HBO Max zu einem Streamingdienst zusammenfassen, der dann über 200 Millionen Kundinnen und Kunden weltweit hat. Auf diesem neuen Dienst werden dann Inhalte wie alle „Game Of Thrones“-Serien, die kommende „Harry Potter“-Serie und auch alle Inhalte aus dem „Yellowstone“-Universum laufen.
Wer also aktuell sowohl Paramount+ als auch HBO Max hat, braucht in Zukunft – alles unter der Voraussetzung der Deal geht durch – nur noch einen Streamingdienst. Wer nur eines der beiden Abos hat, bekommt deutlich mehr Inhalte als aktuell. Wer bislang auf beide Angebote verzichtete, hat eine jetzt vom Umfang des Inhalts deutlich attraktivere Option.
Keine Auskunft machte Ellison zum neuen Namen und vor allem zu Preismodellen. Man darf aber davon ausgehen, dass wenn nicht sofort dann doch relativ zeitnah der neue gemeinsame Dienst etwas teurer sein wird als aktuell jeder der separaten Dienste für sich. Paramount+ kostet in Deutschland momentan je nach Abo-Modell 5,99 €, 9,99 € oder 12,99 €. Für HBO Max werden aktuell 5,99 €, 11,99 oder 16,99 € verlangt und für den 1. Januar 2027 ist schon eine Preiserhöhung um 1 € für jedes Modell angekündigt. Dazu gibt es noch ein optionales Sport-Add-on für 3 €.
HBO soll eine eigene Qualitätsmarke bleiben
Keine andere Marke aus den USA steht so für Qualitätsserien wie HBO. Meisterwerke wie „Oz“, „The Wire“ und „Die Sopranos“ oder zuletzt Hits wie „A Knight Of The Seven Kingdoms“, „Succession“ und „The White Lotus“ entstanden dort. Wenn der berühmte Vorspann erscheint, erweckt das automatisch die Erwartung und/oder Hoffnung jetzt etwas richtig Gutes zu sehen. Viele Fans befürchteten, dass dies mit einem neuen Eigentümer Geschichte sein könnte. Doch das soll auch in Zukunft so bleiben.
Laut Ellison werde der aktuelle HBO-Chef Casey Bloys nicht nur im Amt bleiben, sondern auch Sonderrechte im Unternehmen bekommen. Er werde unabhängig von Einflüssen und Kontrolle der Paramount-Führung bleiben und weiter das machen, was er am besten kann. Er solle weiter herausragende Serien produzieren.
Das klingt auf dem Papier gut und dürfte HBO-Fans erst mal beruhigen. Wie es in der Umsetzung klappt, wird sich zeigen. Schließlich hat Ellison erst m Sommer 2025 seine Vertraute Cindy Holland zur Streaming-Chefin des Unternehmens gemacht. Sie überwacht seitdem alle Streaminginhalte und wenn Bloys parallel zu ihr läuft, könnte das für Reibereien sorgen. Wer entscheidet zum Beispiel, was passiert, wenn beide an einem Projekt für ihren Bereich interessiert sind? Oder bekommen dann Kreative zwei Konkurrenzangebote vom selben Unternehmen?
Das war übrigens auch eine offene Frage beim Netflix-Deal. Denn auch dort sollte HBO eigenständig und ja sogar ein eigener Anbieter bleiben. Da erklärte Netflix-Chef Ted Sarandos sogar, dass es für ihn völlig okay wäre, wenn sich dann beide Unternehmensteile ein teures Wettbieten liefern würden, um sich eine Serienidee zu sichern – was bei vielen Branchen-Expert*innen für Stirnrunzeln sorgte.
Weniger Kino? Bislang dementiert David Ellison das noch
Ein großes Fragezeichen können wir derweil nicht auflösen. Der Autor dieser Zeilen befürchtet, dass in Zukunft deutlich weniger Filme in die Kinos kommen werden. Aktuell machen sich Warner und Paramount regelmäßig Konkurrenz an den Kinokassen. Dass ein Unternehmen zwei Filme für eine ähnliche Zielgruppe an einem Wochenende startet, dürfte allerdings nicht passieren. Selbst Starts mit nur einer Woche Unterschied ergeben nur Sinn, wenn sich das anvisierte Publikum deutlich unterscheidet und es auch nicht beides Blockbuster-Produktionen sind.
Offiziell bestreitet David Ellison das noch. Auch im heutigen Investoren-Call erklärte er laut dem Hollywood Reporter, dass man den Produktionsumfang weder bei Filmen noch im TV zurückfahren wird. Er sprach sogar davon, dass man mindestens 30 (!) Filme pro Jahr in den Kinos veröffentlichen will. Doch es scheint kaum denkbar, dass die neue Firma so viele (oder sogar noch mehr) Filme in die Kinos bringt wie bislang Paramount und Warner zusammen und weit mehr als jeder andere Hollywood-Konzern dieser Größe. Die Befürchtung vieler Kreativer in Hollywood ist dabei, dass es vor allem riskante Projekte trifft, der Fokus noch mehr auf bekannten Marken liegt. Oder um es etwas polemisch zu sagen: Ein „Superman“ wird weiterhin erscheinen, aber auch ein „Blood & Sinners“?
Schließlich kann sich das neue Paramount nach der Übernahme keine Flops leisten. Im Investorencall wurde auch bestätigt, dass die Firma nach Abschluss rund 79 Milliarden Dollar Schulden haben wird, die abzutragen sind. Der ganze Übernahmeprozess bleibt also spannend – auch für uns Endverbraucher*innen.
Eine neue Serie für „Yellowstone“-Fans ist übrigens heute gestartet. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:
Ab heute gibt's endlich neuen "Yellowstone"-Nachschub: Ein Fanliebling sitzt wieder im Sattel!