Neuer "Frankenstein"-Film zu brutal fürs Publikum: Darum wurden einige besonders heftige Szenen vor dem Kinostart entschärft!
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

„The Bride!“ floppt aktuell an den Kinokassen. Das liegt auch daran, dass er es niemandem recht macht: für den Mainstream zu ambitioniert, für das Arthouse zu heftig! Und eigentlich hätte „The Bride!“ sogar noch brutaler werden sollen …

Die Verrisse zu „The Bride! - Es lebe die Braut“ sind besonders harsch. Auch wir stimmen zu, dass sich Maggie Gyllenhaal bei ihrem Monster-Mash-up, bei dem eine feministische Wutrede mit 130 Jahren Hollywood-Filmgeschichte zusammengerührt wird, letztendlich übernommen hat. Aber lieber etwas Großes versuchen und das nicht (ganz) erreichen, als den nächsten 08/15-Blockbuster abzuliefern (» zur ausführlichen FILMSTARTS-Kritik). Das hat sich für das „The Bride!“-Studio Warner Bros. bereits im vergangenen Jahr ausgezahlt, als der epische Historien-Vampir-Horror „Blood & Sinners“ erst mehr als 350 Millionen Dollar eingespielt und dann die Rekordzahl von 16 Oscarnominierungen eingefahren hat.

Ähnliches wird der 80-Millionen-Dollar-Produktion „The Bride!“ allerdings kaum gelingen. Stattdessen spricht aktuell alles für einen gewaltigen Kinoflop samt anschließendem Verschwinden in der Versenkung (wo „The Bride!“ dann in 50 Jahren als Kultfilm wiederentdeckt wird oder auch nicht).

Dass der Film dermaßen an den Kassen abschmiert, liegt allerdings nicht nur an den teils hämisch-vernichtenden Kritiken, sondern auch daran, dass sich die Autorin und Regisseurin Maggie Gyllenhaal – womöglich sogar mit Absicht – zwischen alle Stühle setzt. So dürfte Blockbuster-Fans bereits in der ersten Szene klarwerden, dass sie offenbar im falschen Film gelandet sind: In einer surrealen Schwarz-Weiß-Sequenz sehen wir die „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley in einer Art Limbo, wo sie ein theatralisches Zwiegespräch mit ihrem eigenen Gehirntumor führt.

So schon ziemlich heftig

Aber auch ein Arthouse-Publikum, das sich auf so etwas womöglich noch eher einlassen würde, wird immer wieder vor den Kopf gestoßen, wenn „The Bride!“ mit plötzlichen Gewaltausbrüchen schockt – u. a. in einer Szene, in der Christian Bale als Frankenstein die verstörende Bordstein-Szene aus „American History X“ nachspielt. Da mag man kaum glauben, dass der Film eigentlich sogar noch heftiger werden sollte – aber genau das ist der Fall, wie Maggie Gyllenhaal selbst in einem Interview mit der New York Times zu Protokoll gegeben hat:

„Es gibt sexualisierte Gewalt. Es gibt Gewalt. Da es ein großer Studiofilm ist, haben wir ihn immer und immer wieder getestet. Wir hatten große Screenings in Einkaufszentren, zu denen die Leute kamen, um ihn zu sehen – etwas, an dem ich zuvor weder als Schauspielerin noch als Regisseurin jemals teilgenommen hatte. So faszinierend. Und einer der Punkte, die sie ansprachen, war die Gewalt: Ist er zu gewalttätig? Ich sprach darüber mit einer Freundin von mir, die sagte – und sie meinte das nicht abwertend: ‚Ich frage mich, ob du die gleiche Reaktion erhalten hättest, wenn du ein Mann gewesen wärst, der diesen Film gemacht hat.‘“

Wie hätte der Film eigentlich aussehen sollen?

Auf Bitten der Studiobosse wurde die Gewalt dann stellenweise zurückgefahren. Auch eine Stelle, in der Frankenstein „schwarze Kotze“ vom Nacken der Braut (Jessie Buckley) abschlecken sollte, kommt so nicht mehr im Film vor. Trotzdem war es der Regisseurin weiter wichtig, nichts zu verharmlosen – und dafür hat sie auch eine einleuchtende Erklärung:

„Aber ich möchte über die sexualisierte Gewalt sprechen, selbst wenn das ein weiterer Punkt ist, für den ich in den Test-Screenings hart kritisiert wurde. Ein paar Frauen sagten zu mir: ‚Ich möchte nicht sehen, wie eine Frau geschändet wird.‘ Und ich denke mir, ich möchte das auch nicht sehen. Und doch ist das eine wesentliche Realität in der Kultur, in der wir leben – allein in der Zeit, in der ich diesen Film geschnitten habe, gab es so viel verstörend brutale Gewalt gegen Frauen auf der Welt.

Wenn wir es also zeigen, dann müssen wir es auf eine Weise zeigen, die sehr schwer zu ertragen ist, weil es eben schrecklich ist. Und wenn man irgendetwas über mich weiß, wenn man sich meine Arbeit ansieht, angefangen bei ‚Secretary‘, als ich 22 war, dann ist das etwas, über das ich viel nachgedacht habe. Ich bin mir sicher, dass ich mir über dieses spezielle Thema sehr tiefe Gedanken gemacht habe, und dennoch wird es schwer anzusehen sein. Ich denke, wir halten das aus.“

Lohnt sich "The Bride!" nun oder nicht?

„The Bride!“ spaltet das Publikum wie lange kein Film. Anschauen also definitiv auf eigene Gefahr – aber ein wenig risikofreudig sollte man beim Kinobesuch ruhig schon auch sein, sonst beschwert man sich am Ende nur, dass Hollywood immer nur dieselben Storys liefert. Ich jedenfalls komme trotz klarer Kritikpunkte am Ende eher zu dem Ergebnis, dass man „The Bride!“ eine Chance geben sollte:

Und meine Kollegin Bea von Moviepilot ist sogar noch mal eine ganze Ecke begeisterter – schaut also auch hier unbedingt noch mal rein, wenn ihr gerade noch überlegt, ob ihr das „The Bride!“-Wagnis eingehen solltet oder nicht:

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