Der Frankenstein-Mythos als Punk-Story mit Bildern, die es so noch nie gab: Das hat Maggie Gyllenhaal uns über "The Bride!" verraten
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Mit „The Bride! - Es lebe die Braut“ will Maggie Gyllenhaal eine laute, aber auch zutiefst persönliche Neuinterpretation des Frankenstein-Mythos schaffen. Anlässlich der Premiere des neuen Trailers hat sie uns dabei einiges über ihren Film erzählt.

Mit „The Bride! - Es lebe die Braut“ stellt Maggie Gyllenhaal erstmals konsequent die titelgebende Braut von Frankensteins Monster als Figur mit eigener Stimme, Wut und Sehnsucht ins Zentrum eines Films. Das ist nicht die einzige Besonderheit ihrer Neuinterpretation des Horror-Klassikers „Frankensteins Braut“. Vor der Premiere des seit dem 15. Januar 2026 verfügbaren Trailers konnten wir im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz von Gyllenhaal persönlich erfahren, was ihren Film so besonders macht.

Bevor wir euch verraten, was den Film laut der Macherin so „heiß“ macht, warum er „Punk“ ist und man für Christian Bales Monster beim Schädel-Einschlagen Verständnis haben soll, gibt es erst noch ein paar Worte zum Inhalt des Films, der am 5. März 2026 in die deutschen Kinos kommt.

The Bride! - Es lebe die Braut
The Bride! - Es lebe die Braut
Starttermin 5. März 2026 | 2 Std. 07 Min.
Von Maggie Gyllenhaal
Mit Jessie Buckley, Christian Bale, Jake Gyllenhaal
User-Wertung
3,1
Filmstarts
3,5
Vorführungen (187)

In den 1930er-Jahren sucht Frankensteins einsames Monster (Christian Bale) nach einer Begleiterin – und lässt schließlich eine junge Frau (Jessie Buckley) ohne Erinnerung an ihr vorheriges Leben von den Toten zurückholen. Das ungewöhnliche Paar eckt in der Gesellschaft aber natürlich an. Bald werden die Outlaws von der Polizei gejagt. Schnell fängt die Braut zudem an, ihre Rolle an der Seite des Monsters zu hinterfragen und sich auf die Suche nach ihrer eigenen Identität zu begeben.

Vom leisen Debüt zum "großen, heißen" Film

Lange war Maggie Gyllenhaal vor allem als Schauspielerin aus Titeln wie „Crazy Heart“, „The Dark Knight“ und „Secretary“ bekannt. Doch in kürzester Zeit hat sie sich zu einer der interessantesten Regisseurinnen Hollywoods entwickelt. Nach dem intimen und dreifach oscarnominieren Drama „Frau im Dunkeln“ wollte sie jetzt aber bewusst in eine andere Richtung gehen.

Ihr vorheriger Film habe bereits einen Nerv getroffen. Es sei aber, weil es ein kleiner Film war, auch ein etwas kleinerer Nerv gewesen, führte Gyllenhaal so im Gespräch ihre Gedankengänge vor dem neuen Projekt aus. Daher habe sie interessiert, wie sich das ändert, wenn sie erneut eine „Wahrheit“ nehme, die einen Nerv trifft, das aber dieses Mal auf „große, populäre Weise“ – also mit einem teuren, großen Kinofilm.

Ihr Thema dabei: die monströsen Seiten im Menschen, die verdrängt, kontrolliert oder romantisiert werden. „Was wäre, wenn wir das wirklich auf den Punkt bringen und die Wahrheit darüber erzählen würden – aber auf eine Art und Weise, die groß und heiß ist?“, beschreibt Gyllenhaal ihren Ansatz.

Mit einem Tattoo fing das Projekt an

Die Initialzündung für das Projekt „The Bride!“ kam überraschend beiläufig. Gyllenhaal seien immer die verschiedenste Projekte als Regisseurin angeboten worden, auch für bekannte Franchises. Doch nichts habe sie so wirklich gereizt. Dann habe sie auf einer Party einen Mann gesehen, der über den kompletten Unterarm ein Tattoo der Titelfigur aus dem Horrorklassiker „Frankensteins Braut“ hatte. Laut eigener Aussage realisierte die Filmemacherin bei diesem Anblick direkt, dass diese ikonische Figur im Originalfilm kaum eine Stimme hat: „Sie wacht nur auf und sagt Nein!“

So kam die Idee, mit einem eigenen Film genau dort anzusetzen. Was passiert, wenn diese Figur zurückkehrt – aber nicht mehr ein reines Anhängsel ist, sondern eigene Bedürfnisse, Ängste und eine Agenda hat? Für Gyllenhaal ist dies der Kern ihres neuen Films. Sie beschreibt ihre Protagonistin als jemand, der im ersten Leben „nicht in der Lage war, sich auszudrücken“ und nun mit „einer Menge zu sagen“ zurückkehrt.

Regisseurin Maggie Gyllenhaal mit ihren Stars beim Dreh zu Warner Bros.
Regisseurin Maggie Gyllenhaal mit ihren Stars beim Dreh zu "The Bride!" für eine Szene, die aus gutem Grund in einem Kino spielt.

Angesiedelt hat sie die Geschichte in der Entstehungszeit des originalen Films: den 1930er-Jahren. Aber sie spielt dabei mit einer bewusst verfremdeten Version. Es sei ein Bild jene Ära, das eher aus ihrer Vorstellung als aus historischer Exaktheit entstanden: „Es sind die 30er im Stil des Downtown-New-Yorks 1981 und von heute.“

Diese Ästhetik erlaubt es ihr laut eigener Aussage, mit Fantasie, Kino-Mythen und Realität zu spielen. Die zeitliche Verordnung in den 1930er-Jahren sorge zudem für eine weitere Ebene: Frankensteins Monster selbst ist in ihrem Werk ein zutiefst einsamer Charakter, dessen Beziehung zur Welt lange über Filme und Projektionen läuft. Da passe es, den Film bewusst in einer Zeit anzusiedeln, die eng mit der Entstehungszeit des populären Hollywood-Kinos verknüpft ist.

Ein IMAX-Experiment, das es so bisher nicht gab

Eng verbunden ist dies mit der Bildsprache, wobei Gyllenhaal und „Joker“-Kameramann Lawrence Sher IMAX-Kameras einsetzen. Offen gab sie in der Pressekonferenz zu, wie ungewöhnlich ihre Herangehensweise war. Anders als IMAX-Fans wie Christopher Nolan und „Dune“-Macher Denis Villeneuve kam sie nicht mit einem festen technischen Konzept zum Format. Vorher habe sie fast gar keine Berührungspunkte mit dieser Technologie gehabt: „Ich glaube, ich hatte davor erst einen einzigen Film in IMAX gesehen - und das war bei einem Schulausflug im Naturkundemuseum.“

Wie sie in der Pressekonferenz erklärte, war es ihr wichtig, die größeren IMAX-Bilder nicht als bloßes Spektakel, sondern als erzählerisches Werkzeug zu nutzen. So wollte sie einen emotionalen Grund dafür finden, dass das Bild in einzelnen Szenen plötzlich größer ist. In „The Bride!“ geschehe das jetzt immer dann, wenn der Film in innere Räume eintaucht: in Träume, Gedanken, Fantasien – oder in die Magie selbst, die das Wiedererwecken der Toten erst möglich macht.

Warner Bros.
"The Bride!" setzt auf gewaltige IMAX-Bilder!

Während Nolan und Villeneuve wollen, dass das Publikum den Bildformatwechsel gar nicht direkt bemerkt, fuhr Gyllenhaal hier einen anderen Ansatz: Das Bild wachse sichtbar. Die Filmemacherin ließ die Bildöffnungen animieren – ein Effekt, den es in dieser Form laut IMAX so bislang noch nie gab. Dass sie sich dem Format ohne Vorwissen näherte, wurde dabei zum Vorteil: „Was für mich das Coole daran ist: Dadurch, dass ich als echte Anfängerin an die Sache herangegangen bin, wurde meine Vorstellung davon, was IMAX bieten könnte, letztlich zu etwas, das noch nie zuvor gemacht wurde.“

Jessie Buckley und Christian Bale als emotionales Zentrum

In der Titelrolle sah Gyllenhaal laut ihrer Aussage in der Pressekonferenz von Anfang an nur eine Schauspielerin: Jessie Buckley. Sie beschreibt sie als Darstellerin, die Gegensätze nicht auflöst, sondern gleichzeitig zulässt: Stärke und Verletzlichkeit, Rationalität und Chaos, Erotik und Hässlichkeit. „All das zusammen macht eine Person“, erklärt Gyllenhaal – und genau das brauche diese Figur.

An Buckleys Seite spielt Maggie Gyllenhaals „The Dark Knight“-Co-Star Christian Bale ein Wesen, das nicht nur Monster, sondern auch verletzlicher Mensch ist. Gyllenhaal betont, sie habe jemanden gesucht, der die Figur so spielen könne, dass das Publikum auch schreckliche Taten aushält – und vielleicht sogar in sich selbst wiedererkennt: „Dieses Monster macht einige Dinge, die wirklich fucked up sind. Daher brauchte ich jemanden, der dieses Monströse so darstellt, dass wir es uns ansehen und sagen: ‚Ja, okay, ich schlage anderen Leuten zwar nicht persönlich den Schädel ein, aber es gibt Teile in mir, die haben diese Wut.‘“

Mit Punk und Liebe mehr als ein Monsterfilm

Immer wieder bezeichnet Gyllenhaal ihren Film während der Pressekonferenz als „punk“. Es gehe dabei nicht einfach um ein Stilzitat, sondern um eine allgemeine Haltung. Punk bedeute, etwas ins Zentrum zu stellen, das sich nicht bequem einordnen lässt – schon allein, weil der Film konsequent die Braut und nicht Frankensteins Monster erzählt. Dabei sei es im Kern trotz all des Horrors und der Action eine „tiefe, tiefe Liebesgeschichte und eine unperfekte Verbindung“. Liebe sei etwas, das Ekstase und Dunkelheit untrennbar miteinander verbindet.

„The Bride!“ versteht die Regisseurin daher nicht als bloße Neuauflage eines Klassikers, sondern als emotionale, visuelle und thematische Grenzüberschreitung. Gyllenhaal wollte den alten und legendären Mythos radikal auf neue Weise interpretieren, um so über Identität, Begehren und Selbstbestimmung zu sprechen – und das auch laut, stilisiert und kompromisslos subjektiv. Ob ihr das gelungen ist, erfahren wir in Kürze im Kino.

„The Bride! - Es lebe die Braut“ startet am 5. März 2026. Nachfolgend haben wir den Trailer noch einmal in der englischen Originalfassung für euch:

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