Fleißige Leser*innen der Buchvorlage und auch alle, die sich ein wenig mit der Netflix-Serie „Bridgerton“ beschäftigen, wussten es schon längst: Die Ehe von Francesca (Hannah Dodd) und John Stirling (Victor Alli) wird nur von kurzer Dauer sein, denn John stirbt an der Ruptur eines Gehirnaneurysmas. Nach dieser Liebesheirat wird Francesca aber noch ein zweites Glück erleben, das dann auch im Zentrum ihrer eigenen Staffel stehen wird – nämlich mit Johns Cousine Michaela (Masali Baduza), die in der Romanvorlage der männliche Cousin Michael ist. Das Geschlecht der Figur wurde für die Serie geändert.
Doch selbst wenn man von diesem Todesfall wusste, kam er für viele Fans zu diesem frühen Zeitpunkt dann doch überraschend – denn in den Buchvorlagen von Julia Quinn stirbt der Earl of Kilmartin erst in Band 6, „Ein hinreißend verruchter Gentleman“. Es ist auch der Band, der dann der Liebesgeschichte von Francesca und Michael gewidmet ist, Johns Tod ereignet sich am Anfang – und nimmt so nicht den Fokus von einem anderen Bridgerton-Liebespaar, wie es nun in der Netflix-Serie geschehen ist.
Der Vorwurf: Johns Tod lenkt von Benedict und Sophie ab
Denn mit dem Tod von John am Ende von Folge 6 in Staffel 4 und der Beerdigung und Trauerfeier in Folge 7 nehmen der Schock um das plötzliche Dahinscheiden des Earls sowie Francescas Trauer einen sehr großen Teil der Handlung ein. Die eigentlichen Hauptfiguren Benedict (Luke Thompson) und Sophie (Yerin Ha) rücken in diesen Momenten in den Hintergrund. Aber für die Entscheidung, Johns Tod schon in der vierten „Bridgerton“-Staffel zu zeigen, habe es gute Gründe gegeben, so Showrunnerin Jess Brownell im Interview mit People.
„Natürlich verschiebt Folge 7 den Fokus ein bisschen auf Francesca, aber ich glaube, dass Johns Tod eine wichtige Rolle in der Geschichte von Benedict und Sophie spielt. Weil es zwischen Benedict und Sophie diese riesige Hürde gibt, nämlich den Klassenunterschied, haben wir uns überlegt, dass dieser tragische Verlust genau das sein könnte, was es vor allem Violet und Benedict erlaubt, ihre Perspektive zu ändern.“
Die Erklärung: Der Schicksalsschlag lässt alle erkennen, was wirklich zählt
Denn vor dem Hintergrund eines solchen Schicksalsschlags sehe man alles andere relativ. So würden Johns Tod und Francescas Trauer sowohl Matriarchin Violet (Ruth Gemmell) als auch Benedict selbst dazu bringen, „Benedicts Situation mit Sophie ein wenig anders zu sehen, etwas verständnisvoller“, so Brownell. „Denn wenn man einen Verlust wie diesen erlebt, realisiert man, dass das Leben kurz ist und Liebe die allerwichtigste Sache.“
Netflix
Die Entscheidung, Johns Tod bereits in Staffel 4 einzubauen, sei schon früh gefallen, führte die „Bridgerton“-Macherin weiter aus. Als Hannah Dodd (als Ersatz für die ausgestiegene Francesca-Darstellerin Ruby Stokes) und Victor Alli für Staffel 3 an Bord geholt wurden, habe man dies bereits gewusst – und es sei Jess Brownell besonders wichtig gewesen, Victor Alli den Zeitplan für seine Figur John auch gleich mitzuteilen: „Er sollte nicht damit überrascht werden, dass er stirbt.“
Genug Zeit fürs Kennenlernen, genug Zeit für Trauer
Mit der Eheschließung der beiden in Staffel 3 und Johns Tod in der zweiten Hälfte von Staffel 4, also nicht erst, wenn Francescas zweite Liebesgeschichte in Staffel 5 oder 6 in den Mittelpunkt rückt, habe man der Geschichte von John und Francesca genug Zeit gegeben. „Es hat sich für uns nach dem richtigen Zeitplan angefühlt, um Francesca und John als Pärchen wirklich kennenlernen zu können, aber auch, um uns selbst genug Zeit zu geben, John angemessen zu betrauern“, so Brownell.
Natürlich haben Benedict und Sophie in Staffel 4 aber trotzdem auch noch genügend Gelegenheit, um zu glänzen. Warum aber ausgerechnet die Hochzeit des zentralen „Bridgertons“-Pärchens in den Abspann verschoben wurde, erfahrt ihr in diesem Artikel:
"Bridgerton" Staffel 4: Darum wurde die Hochzeit in der Abspannszene versteckt