Darüber, mit welchem Film Erfolgsregisseur Christopher Nolan seine beste Arbeit abgeliefert hat, lässt sich fürstlich streiten. Für den Verfasser dieses Heimkino-Tipps ist nicht etwa ein Mega-Blockbuster wie „The Dark Knight“ oder „Inception“ die Nummer eins in Nolans Vita, und auch nicht das mehrfach mit dem Oscar prämierte Drama „Oppenheimer“.
Mein glasklarer Favorit ist der mysteriöse, von einer erdrückenden Atmosphäre erfüllte Thriller „Prestige – Die Meister der Magie“ über Täuschungen, Hingabe und Obsessionen. Die verschachtelte Erzählung eines drastischen Wettstreits fatal-passionierter Bühnenmagier ist außerdem der liebste Nolan-Film von FILMSTARTS-Redakteur Pascal Reis und für die FILMSTARTS-Community der beste Film mit Hugh Jackman!
Jetzt gelangt diese Knobelaufgabe, die ihr Publikum mit moralischen Dilemmata, Vertrauensfragen und einer doppelbödigen Hommage an narrative Künste hinterlässt, in neuer Bild- und Ton-Qualität ins Heimkino. Denn diese Woche ist Christopher Nolans „Prestige“ als limitiertes 4K-Steelbook erschienen!
Beim 4K-Steelbook handelt es sich laut Blu-ray-Disc.de um eine Edition mit verbessertem Master gegenüber der alten 4K-Auflage* in Standardverpackung. Als Bonusmaterial wurden jedoch bloß die von früheren Veröffentlichungen bekannten Featurettes über die Entstehung des Films angekündigt.
Darum geht es in "Prestige"
Das Viktorianische London: Die aufstrebenden Zauberkünstler Robert Angier (Hugh Jackman) und Alfred Borden (Christian Bale) kennen nur ein Ziel im Leben. Sie wollen als Illusionisten an Ruhm und Ehre gelangen. Sie haben im brillanten Bühnentechniker John Cutter (Michael Caine) einen gemeinsamen Mentor, verfolgen jedoch unterschiedliche Ansätze. Während Angier sein Publikum als begnadeter Entertainer um den Finger wickelt, setzt Borden den Schwerpunkt auf seine innovativen Einfälle und minutiöses Handwerk.
Sie könnten ein perfektes Team sein, stürzen sich allerdings in einen Wettstreit. Zunächst ist dieser freundschaftlicher Natur, doch als Angiers Frau Julia (Piper Perabo) bei einem von Bordens ebenso spektakulären wie waghalsigen Tricks tragisch ums Leben kommt, entbrennt eine bittere Schlacht um Popularität, Anerkennung und Vergeltung...
Die zwei Seiten eines Nolans
Teil dieses Wetteiferns zwischen Entertainment und Innovation, packender Narrative und ausgeklügelter Handwerkskunst (und somit zwischen den zwei Hälften eines jeden guten Christopher-Nolan-Films) sind neben Jackman und Bale, die ihre Rollen intensiv ausfüllen und doch filigran charakterisieren, zudem Scarlett Johansson, Andy Serkis, „Vicky Cristina Barcelona“-Mimin Rebecca Hall und der legendäre David Bowie.
Sie spielen Figuren, die allesamt Fragen aufwerfen, ob wir unseren Augen, unserer Kombinationsgabe und unseren Prioritäten trauen können – und sie dienen als klug skizzierte, atmende Argumente in einer von Tragik geprägten Abhandlung über den schmalen Grat zwischen Passion und Wahnsinn. Dadurch wird „Prestige“ zum schwermütigsten Beitrag, den Regisseur/Autor Christopher Nolan und Autor Jonathan Nolan zu einem ihrer wiederkehrenden Themen geleistet haben. Sie loten das Gefühl aus, zwischen einer (auferlegten oder empfundenen) Bestimmung und einem Privatleben hin- und hergerissen zu sein.
Denn so belastend das Tauziehen zwischen beruflicher Pflicht und zwischenmenschlicher Sehnsucht in „Inception“, „Interstellar“ und Co. sein mag: In „Prestige“ sind es die Wesenszüge der komplexen, makelbehafteten Figuren, die ihre Dilemmata befeuern und uns mit unbequemeren Implikationen konfrontieren. All das erfolgt schließlich als Echo von Cutters Erläuterung, welcher Dramaturgie jeder gute Bühnenzauber (und ein Gros des Twistkinos) folgt – und wie sehr das Publikum dabei in Komplizenschaft ist.
Warner Bros. / Touchstone Pictures
Damit ist „Prestige“ zugleich Tribut ans Erzählen an sich und eine Entlarvung des Publikums, das sich in einer Grauzone zwischen „Es verdirbt sich selbst den Spaß“ und „Es lässt zu viel durchgehen“ einfinden muss. Im Falle von „Prestige“ sind wohlgemerkt das narrative Kunstwerk, der thematische Unterbau und der unter die Haut gehende, audiovisuelle Stilwillen zu eindrucksvoll, um den Film abstrafen zu können, sollte man seine finale, atemberaubende Wende vorab erahnen. Lädt Szenenbildner Nathan Crowley doch in eine staubige, detailreich ausstaffierte Interpretation des Viktorianischen Zeitalters, während „The Dark Knight“-Kameramann Wally Pfister sein betörendes Meisterstück kreiert, das mit Bildern wie einem bläulich erleuchteten Lampenfeld geradezu gespenstisch anmutet.
Gespenstisch ist auch die Filmmusik von „Memento“-Komponist David Julyan. Sie wabert elliptisch, dissonant und unheilvoll zwischen angespannten Streichern und minimalistischem, sich gezielt mit dem historischen Ambiente reibendem Elektronikklang – bevor alles vielsagend in „Analyse“ von Radiohead-Sänger Thom Yorke mündet!
Und wenn ihr danach zur Abwechslung euren Nerven mit einem der besten Zombiefilme aller Zeiten kitzeln möchtet, könnte das Timing kaum besser sein:
Horror-Klassiker nicht mehr verboten: Einer der besten Zombie-Filme überhaupt erscheint endlich komplett ungekürzt – in 4KDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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