Der einzige Schauspieler, der 2 (!) Oscars für dieselbe Rolle gewann: Er schrieb Filmgeschichte, doch heute kennt kaum jemand seinen Namen
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vor fast 80 Jahren kam es zum ersten – und bisher einzigen – Mal vor, dass ein Schauspieler für ein und dieselbe Rolle mit gleich zwei Oscars prämiert wurde. Um wen es geht und wie es dazu kam, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Es ist immerhin zwei Mal vorgekommen, dass sich zwei Schauspieler*innen ihren großen Moment auf der Oscar-Bühne teilen mussten. Doch es gibt auch Anomalien, die in der fast 100-jährigen Geschichte des noch immer wichtigsten Filmpreises der Welt absolut einzigartig sind: So ist es nur einem Regisseur jemals gelungen, im selben Jahr mit gleich drei verschiedenen Filmen ins Oscar-Rennen zu gehen. Und auch Harold Russell hält einen ungewöhnlichen Rekord: Er durfte im Jahr 1947 zwei Oscars in den Händen halten – für ein und dieselbe Rolle! Wie kann das sein?

Vom Kriegsveteran zum Oscar-Gewinner: Die Geschichte von Harold Russell

Bei Harold Russell handelte es sich eigentlich um keinen professionellen Schauspieler. Er war ein kanadisch-amerikanischer Sergeant der US-Army, der während einer Übung im Jahr 1944 bei einer vorzeitigen Explosion beide Hände verloren hatte und fortan mit zwei Metallhaken-Prothesen lebte.

Anfang 1945 stand Russell im Mittelpunkt von „Diary Of A Sergeant“, einem von der Armee produzierten Kurzfilm, der verwundeten Soldaten neuen Mut machen sollte. Doch das 22-minütige Werk hatte auch einen prominenten Zuschauer – William Wyler, der damals zu den profiliertesten Hollywood-Regisseuren gehörte und für „Mrs. Miniver“ bereits einen Oscar im Regal stehen hatte (später stellte er übrigens einen Oscar-Rekord auf, den selbst Regie-Stars wie Steven Spielberg oder Martin Scorsese bis heute nicht zu brechen vermochten).

Wyler zeigte sich so beeindruckt von Russell, dass er ihn an der Seite von Stars wie Myrna Loy und Fredric March für sein Kriegsheimkehrer-Drama „Die besten Jahre unseres Lebens“ (1946) verpflichtete. Der damals um die 30-jährige Ex-Elite-Soldat verkörperte darin den Seemann Homer Parrish, bei dem es sich streng genommen zwar um eine fiktive Figur handelte, dessen Schicksal aber deutlich seiner eigenen Geschichte nachempfunden war.

Die besten Jahre unseres Lebens
Die besten Jahre unseres Lebens
Starttermin 1. Juni 1948 | 2 Std. 52 Min.
Von William Wyler
Mit Myrna Loy, Fredric March, Dana Andrews
User-Wertung
4,2

„Die besten Jahre unseres Lebens“ – für Tom Hanks übrigens der beste Film über den Zweiten Weltkrieg – erwies sich als absoluter Kassenschlager. Obwohl (oder gerade weil?) die Wunden des Krieges noch frisch waren, strömten die Menschen in Massen in die Lichtspielhäuser. Auch bei den Oscars räumte das dreistündige Epos ab: Insgesamt gab es sieben Auszeichnungen, darunter als Bester Film, für Regisseur Wyler und Hauptdarsteller March. Howard Russell setzte sich, obwohl er kaum Schauspielerfahrung vorweisen konnte, als Bester Nebendarsteller u.a. gegen Charles Coburn („Das Vermächtnis“) und Claude Reins („Berüchtigt“) durch. Doch bei einem Preis blieb es nicht …

... denn die Academy-Verantwortlichen rechneten fest damit, dass der Laie Russell gegen die hochkarätige Konkurrenz keine Chance haben würde. Um sein Engagement und die enorme Symbolkraft seiner Leistung für die Kriegsversehrten dennoch zu würdigen, sah man einen Ehren-Oscar für ihn vor. Den bekam Russell also obendrein, nachdem er am selben Abend zur Überraschung vieler Anwesender schon den regulären Nebenrollen-Oscar überreicht bekommen hatte.

Russell wagte sich übrigens erst im Jahr 1980 wieder vor die Kamera: Im Sportdrama „Max's Bar“ übernahm er eine kleine Rolle, gefolgt von einem Auftritt in „Dogtown“ (1997). Es blieb bei diesen seltenen Ausflügen ins Filmgeschäft, denn der einstige Oscar-Star widmete sein Leben den Belangen von Veteranen und Menschen mit Behinderung. Im Jahr 2002 verstarb er schließlich im Alter von 88 Jahren.

Übrigens: Russell ist nicht der einzige Oscar-Gewinner, der eigentlich gar kein Schauspieler war. Auch Haing S. Ngor verfügte über keinerlei Kameraerfahrung – und wies im Jahr 1985 trotzdem Konkurrenten wie John Malkovich oder „Karate Kid“-Mime Pat Morita in die Schranken. Seine bewegende (und tragische) Geschichte lest ihr im folgenden Artikel:

1985 gewann er einen Oscar, ohne Schauspieler zu sein: 11 Jahre später wurde er vor seinem eigenen Haus ermordet!
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