Paul Thomas Anderson („One Battle After Another“), Ryan Coogler („Blood & Sinners“), Chloé Zhao („Hamnet“): Das sind nur drei der Filmemacher*innen, die in diesem Jahr als Top-Favoriten für den Regie-Oscar gelten. Im vergangenen Jahr konnte sich Sean Baker („Anora“) gegen seine Konkurrenz durchsetzen.
In der Regel ist die Nominierung an einen bestimmten Titel gekoppelt. Das liegt schon allein daran, dass die wenigsten Regisseur*innen in ein und demselben Jahr mehr als einen Film in die Kinos bringen – geschweige denn zwei, die von der Academy als potenziell preiswürdig angesehen werden. Doch tatsächlich ist es in der mehr als 100-jährigen Oscar-Geschichte immerhin vier Mal vorgekommen, dass ein Regisseur für mehr als einen Film nominiert wurde.
Dieser Regisseur hält seit 96 Jahren einen Rekord
Zum ersten Mal kam das im Jahr 1930 vor – bei der zweiten Oscar-Zeremonie überhaupt! Mehr noch: Hier stellte Regisseur Frank Lloyd direkt einen Rekord auf, der seit mittlerweile 96 Jahren ungeschlagen ist – denn der britisch-US-amerikanische Filmemacher, bei dem es sich brisanterweise um eines der 36 Gründungsmitglieder der Academy handelte, ging gleich mit drei (!) verschiedenen Filmen als Bester Regisseur ins Oscar-Rennen: den Dramen „Drag“ und „Weary River“ sowie der historischen Biografie „Die ungekrönte Königin“ – für die er die begehrte Trophäe schließlich in den Händen halten konnte. Interessanterweise wurde keiner dieser drei Filme auch als Bester Film nominiert.
Eine Doppel-Nominierung führte zur Regeländerung
Im Jahr 1930 gab es übrigens gleich zwei Oscar-Verleihungen – eine im April und eine im November. Dies lag daran, dass die Academy den Rhythmus der Preisvergabe ändern wollte, um die Zeitspanne zwischen dem Erscheinen der Filme und der Zeremonie zu verkürzen.
Und auch bei der zweiten Preisvergabe des Jahres trat ein Regisseur gegen sich selber an: Clarence Brown, der 1930 zwei Filme mit Greta Garbo drehte („Romanze“, „Anna Christie“) und für beide nominiert wurde. Allerdings zog er gegen Lewis Milestone („Im Westen nichts Neues“) den Kürzeren – so wie er auch jedes weitere Mal leer ausging, was ihn zum traurigen Rekord-Halter macht (mehr dazu hier).
Das nächste Mal kam es im Jahr 1939 vor, dass ein Regisseur mit zwei verschiedenen Filmen um die Gunst der Academy buhlte. Diesmal war es der spätere „Casablanca“-Schöpfer Michael Curtiz – mit der Komödie „Vater dirigiert“ sowie dem Gangsterfilm-Klassiker „Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern“.
Der Preis ging letztlich an Frank Capra („Lebenskünstler“) – was dazu führte, dass im Anschluss eine Regeländerung in Kraft trat. Um zu verhindern, dass sich ein Regisseur durch mehrere Nominierungen die eigenen Stimmen wegschnappt – das sogenannte „Vote Splitting“ –, legte die Academy fest, dass ein Regisseur im Vorfeld zwar für mehrere Filme Stimmen erhalten kann, am Ende aber nur für den Film offiziell nominiert wird, der die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte.
"Ocean's Eleven"-Macher wurde zuletzt für zwei Filme im selben Jahr nominiert
Diese Limitierung hatte immerhin über sechs Jahrzehnte Bestand – bis die Regel zur Jahrtausendwende schließlich aufgeweicht wurde. Einzige Bedingung: Der betreffende Regisseur muss für beide Filme jeweils genügend Stimmen erhalten, um aus eigener Kraft unter die fünf meistgenannten Kandidaten zu kommen.
Gelungen ist dies im Jahr 2001 Steven Soderbergh, der für das Justizdrama „Erin Brockovich“ sowie den Drogenthriller „Traffic – Die Macht des Kartells“ zum Oscar-Anwärter wurde – und für letzteren gewann. Seitdem ist dieser Fall kein weiteres Mal eingetreten.
Bei Schauspieler*innen sind Doppel-Nominierungen in derselben Kategorie übrigens nach wie vor kategorisch ausgeschlossen. Allerdings ist es möglich, im selben Jahr für Haupt- und Nebenrolle nominiert zu werden – so wie im Jahr 2020 etwa Scarlett Johansson (Beste Nebendarstellerin für „Jojo Rabbit“, Beste Hauptdarstellerin für „Marriage Story“).
Wenn ihr übrigens wissen wollt, welcher Regisseur öfter für den Oscar nominiert wurde als jeder andere, dann lest auch den nachfolgenden Artikel:
Selbst Steven Spielberg und Martin Scorsese konnten ihn nicht einholen: Dieser Meister-Regisseur wurde öfter für den Oscar nominiert als jeder andere!