Quentin Tarantino gehört zu den einflussreichsten Stimmen des modernen Kinos. Zweimal wurde er mit dem Oscar ausgezeichnet – jeweils für das beste Drehbuch. Kaum überraschend, schließlich zählt er zu den Filmemachern, deren Handschrift vor allem über Dialoge, ausschweifende Monologe und popkulturelle Referenzen funktioniert.
Tarantinos Werke leben von Sprache, Rhythmus und pointierten Figurenreden – weit mehr als von zurückhaltender Bildsprache. Umso spannender ist die Frage, wie jemand, für den Worte und Musik eine so zentrale Rolle spielen, auf das Stummfilm-Kino blickt. Die Antwort fällt differenziert aus: mit Respekt, aber auch mit selektiver Begeisterung.
Quentin Tarantino schwärmt von Stummfilm-Klassiker – den ihr direkt streamen könnt
Auch wenn Tarantino unzählige Filme als Inspirationsquellen nennt, spielen Werke aus der Stummfilmära in seinem cineastischen Bezugssystem eher eine Nebenrolle. Dennoch hat er immer wieder Klassiker dieser Zeit hervorgehoben. Dazu zählen etwa „The Kid“ (1921) von Charlie Chaplin sowie „Die Büchse der Pandora“ (1929) von G. W. Pabst – letzterem zollte er sogar indirekt Tribut, indem er ihn in „Inglourious Basterds“ (2009) erwähnte. Diese Referenzen zeigen, dass das frühe Kino zwar nicht im Zentrum seines filmischen Denkens steht, ihm jedoch keineswegs fremd ist.
Umso bemerkenswerter sind seine Aussagen, die in Filmkreisen für Aufmerksamkeit sorgten. Nach einer intensiveren Auseinandersetzung mit Werken der 1920er Jahre bezeichnete Tarantino einen Stummfilm als das beste Werk, das er im Jahr 2025 gesehen habe: „Drei Fremdenlegionäre“ (1926). Seine Begeisterung formulierte er dabei ungewöhnlich direkt und ungefiltert: „Schau, der beste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe, ist der Stummfilm ‚Drei Fremdenlegionäre‘. Es ist einfach ein verdammtes Meisterwerk. Es ist absolut wunderschön.“
Diese Aussage (via FarOutMagazine) ist besonders bemerkenswert, da ein Stummfilm aus der Mitte der 1920er Jahre einen derart starken Eindruck bei einem Regisseur hinterlässt, der vor allem für seine dialoggetriebenen Genrewerke bekannt ist. Die Wirkung von „Beau Geste“ (so der Originaltitel) scheint dabei weit über reine Nostalgie hinauszugehen.
Wer jetzt neugierig auf den Film ist, kann sich in den Weiten des Internets auf die Suche nach einer (vermutlich) äußerst kostspieligen Import-Version begeben oder das Werk alternativ kostenlos und unkompliziert in der englischen Fassung auf YouTube ansehen.
Tarantino entdeckt Literaturvorlage von "Drei Fremdenlegionäre"
Die Begeisterung ging sogar so weit, dass Tarantino sich erstmals intensiver mit der literarischen Vorlage beschäftigte und den Roman von P. C. Wren las. Die Geschichte folgt drei Brüdern, die sich der Fremdenlegion anschließen, um einem Skandal zu entkommen. Doch der Versuch, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, führt sie in die unerbittliche Realität der Sahara, wo Disziplin, Loyalität und Überleben zur täglichen Zerreißprobe werden.
Gerade diese Mischung aus Abenteuer, Eskalation und moralischem Druck macht „Drei Fremdenlegionäre“ zu einem Film, der auch heute noch funktioniert – selbst ohne gesprochene Dialoge. Dass Tarantino ausgerechnet hier seine größte cineastische Begeisterung im Jahr 2025 findet, unterstreicht die zeitlose Kraft des Films auf besondere Weise.
Hinzu kommt ein weiterer Kontext: In den vergangenen Jahren äußerte Tarantino wiederholt, dass ihn das zeitgenössische Kino (und einige seiner Stars) seit 2019 kaum noch überzeugt – jenem Jahr, in dem auch sein bisher letzter eigener Film erschien. Vor diesem Hintergrund wirkt seine Hinwendung zu Klassikern der Filmgeschichte weniger wie eine Randnotiz, sondern eher wie eine bewusste Rückkehr zu den Ursprüngen des Mediums.
„Drei Fremdenlegionäre“ steht damit exemplarisch für eine überraschende Entdeckung innerhalb seines Filmverständnisses: ein Werk ohne Worte, das dennoch jemanden fasziniert, dessen Kino sonst gerade von Sprache lebt. Übrigens ist es für Tarantino keineswegs fremd, auch weniger bekannte Filme frenetisch zu bejubeln – so auch ein waschechter Geheimtipp aus Neuseeland. Mehr dazu im folgenden FILMSTARTS-Artikel:
Es war 35 (!) Jahre lang verschwunden: Dieses bildgewaltige Rache-Abenteuer ist für Quentin Tarantino einer der besten Filme aller ZeitenFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
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