Mit seinem lange angekündigten zehnten (und finalen) Kinofilm hat es Quentin Tarantino weiterhin nicht eilig – stattdessen ist er unter anderem mit seinem ersten Theaterstück beschäftigt. Mit „Kill Bill: The Wholy Bloody Affair“, der ultimativen Komplettfassung eines seiner beliebtesten Filme, die am 16. April in den deutschen Kinos startet, können sich Fans immerhin ein wenig über die lange Wartezeit hinwegtrösten.
Welchen Verlauf die Karriere von Quentin Tarantino in den kommenden Jahren auch immer nehmen mag, auf eines können sich die zahlreichen Anhänger*innen des Regisseurs hinter Kultfilmen wie „Pulp Fiction“ oder „Inglourious Basterds“ ganz sicher verlassen: Bestimmt wird der 63-Jährige auch weiterhin nicht davon ablassen, im Rahmen von Interviews oder Podcast-Auftritten über die Kinogeschichte zu plaudern – und dabei euphorisch über Filme ins Schwärmen zu geraten oder sie auch mal verbal in Grund und Boden zu stampfen.
In die letztgenannte Kategorie zählt ganz sicher „Jahrmarkt“ aus dem Jahr 1980. Das längst in Vergessenheit geratene Coming-of-Age-Drama dreht sich um die junge Donna (Jodie Foster), die sich einem Wanderjahrmarkt anschließt, wo die beiden Kleinkriminellen Frankie (Gary Busey) und Patch (Robbie Robertson) mit kleinen Betrügereien ihren Lebensunterhalt verdienen – bis sich zwischen den dreien ein konfliktreiches Liebesdreieck entwickelt.
Mit einem weltweiten Einspielergebnis von 1,82 Millionen US-Dollar (gegenüber einem auch schon geringen Budget von 5,5 Millionen) war „Jahrmarkt“ ein klarer Flop, das Echo der Fachpresse wiederum fiel durchwachsen aus. Kritiker-Papst Roger Ebert etwa lobte zwar die Leistungen der Darsteller*innen, kritisierte aber unter anderem die „dünne Handlung.“ Am heftigsten ging aber wohl Quentin Tarantino mit dem Film ins Gericht. In seinem 2022 erschienenen Buch „Cinema Speculation*“ schrieb der „Jackie Brown“-Macher:
„Robert Kaylors Regie als miserabel zu bezeichnen, ist im Grunde eine Beleidigung für alle anderen Regisseure, denn es impliziert, dass er überhaupt Regie geführt hat. Um schlecht zu inszenieren, muss man überhaupt erst inszenieren. Wenn man nachts einen glitzernden, blinkenden Jahrmarkt filmt, kann man gar nicht anders, als visuell ansprechendes Material zu bekommen.“ Doch Kaylor sei aufgrund seines „nicht vorhandenen visuellen Konzept[s]“ selbst an dieser Mindestanforderung gescheitert. Weiterhin kritisierte Tarantino die Vielzahl an „isolierten Nahaufnahmen von Köpfen und Schultern der Schauspieler vor leeren Wänden.“ Nur Gary Buseys „einzigartige Mischung aus manischer Energie und grenzenloser Begeisterung“ habe ihm einen kleinen Lichtblick geboten.
Ist "Jahrmarkt" wirklich so schlecht?
„Carny“, so der englische Originaltitel, war der erste Spielfilm von Robert Kaylor nach zwei dokumentarischen Arbeiten. Erst zehn Jahre später knüpfte er mit der Komödie „Hände weg von Stefanie!“ daran an – und sollte danach keinen weiteren Kinofilm mehr inszenieren.
Falls ihr euch euer eigenes Bild machen wollt, habt ihr zurzeit leider kein Glück: „Jahrmarkt“ ist auf keinem einzigen deutschen Streamingdienst abrufbar, und selbst als Import-DVD ist er nicht erhältlich. Der Autor dieser Zeilen hat den auch unter seinem Originaltitel „Carny“ bekannten Film vor einigen Jahren gesehen und hat ihn nicht gerade als Meisterwerk in Erinnerung, aber auch nicht als annähernd so schlecht, wie Tarantino behauptet. Aber der Filmemacher ist eben bekannt für seine gern ins Extreme neigenden Meinungen. Mehr davon gibt es im nachfolgenden Artikel:
"Ich war schon immer allergisch gegen ihn": Diesen Schauspieler hasste Quentin Tarantino auf den allerersten BlickFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
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