In Deutschland ist er unter anderem als „Komm und sieh“ bekannt. Und viele Filmfans dürften ihn als eine der Produktionen kennen, die auf der Bewertungsplattform Letterboxd stets weit vorne in der Liste der bestbewerteten Filme zu finden ist: Elem Klimovs Antikriegsfilm-Meisterwerk gilt als einer der deprimierendsten Filme aller Zeiten sowie als einer der besten Kriegsfilme der Kinogeschichte.
Wer die harsche Schilderung von Kriegsgrauen und ihren traumatisierenden Konsequenzen in die heimische Filmsammlung eingliedern möchte, musste für lange Zeit auf dem Gebrauchtmarkt um die wenigen noch verfügbaren Exemplare der deutsche Blu-ray-Erstauflage buhlen. Doch damit ist seit dem 11. Dezember 2025 Schluss: „Komm und sieh“ hat unter seinem DDR-Verleihtitel „Geh und sieh“ eine Neuauflage auf Blu-ray erhalten!
Als Extras packte das hinter der Veröffentlichung stehende Label Filmjuwelen ein digitales Booklet und mehrere Featurettes dazu. In einer davon blickt der legendäre Kameramann Roger Deakins, der solch gefeierte Filme wie „1917“ und „Skyfall“ gedreht hat, genauer auf den Look von „Komm und sieh“ und erläutert, was ihn besonders macht.
Darum geht es in "Komm und sieh"
Die Weißrussische Sowjetrepublik im Jahr 1943: Ein kleiner Junge namens Fljora (Aleksei Kravchenko) widersetzt sich den Wünschen seiner Mutter und schließt sich den Partisanen an, um gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Eingangs erledigt er für sie voller Enthusiasmus kleine Aufgaben und sieht darin ein aufregendes Abenteuer. Doch als die Partisanen ihn mit einem Wachdienst beauftragen, während sie in die Schlacht ziehen, kommt sich Fljora verschaukelt vor und läuft geknickt davon. Alsbald bekommt er die ganze Brutalität des Krieges vor Augen geführt...
Ein Film wahrhaftiger Schrecken
Regisseur Elem Klimov wurde durch die Sachbücher „Ich bin aus einem verbrannten Dorf ...“ sowie durch „Die Erzählung von Chatyn“ inspiriert und beschloss daher, das Drehbuch gemeinsam mit Ales Adamovitch zu verfassen, der an beiden Werken beteiligt war. Beide schöpften für „Komm und sieh“ aus eigenen Erfahrungen: Klimov wurde während der Schlacht um Stalingrad aus der Stadt evakuiert, Adamovitch kämpfte als Teenager an den Seiten der Partisanen.
Der Film dient als Verschränkung einer hyperrealistischen Schilderung wahrer Ereignisse, darunter einem Massaker, das eine SS-Sturmbrigade am 22. März 1943 im Dorf Chatyn verübte, und einer unterschwellig-surrealen Rekreation ihrer damaligen, hochsubjektiven Wahrnehmungen. Bei den Dreharbeiten ging Klimov allerdings nicht gerade umsichtig vor.
So ist verbucht, dass am Set scharfe Munition verwendet wurde, weil sich der Regisseur davon einen gesteigerten Grad an Realismus versprach – und laut Hauptdarsteller Aleksei Kravchenko hätten ihn einige Schüsse nur um wenige Zentimeter verfehlt. Zudem musste der damals noch minderjährige Darsteller eine strenge Diät durchlaufen, um den immer hagerer, erschöpfter und traumatisierter aussehenden Fljora zu spielen. Das führte dazu, dass er nach Drehschluss Untergewicht hatte.
Dessen ungeachtet gewinnt dieses in langen Steadycam-Sequenzen heraufbeschworene, filmische Inferno aus Zerstörung, Geschrei, Dreck, Zerfall, Mord und Erniedrigung seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1985 konstant an Achtung: Bereits im Fahrwasser seiner Premiere wurde „Komm und sieh“ als kraftvolle Verschmelzung aus verstörender Poesie und grauenvollem Realismus zelebriert und mit Kriegsfilm-Meilensteinen wie „Apocalpyse Now“ verglichen.
In den vergangenen 20 Jahren gelang ihm jedoch ein weiterer Aufwind der Anerkennung: Immer häufiger wurde er in Filmbestenlisten aufgenommen und nahm dort immer prominentere Plätze ein. Filmschaffende wählten ihn etwa im prestigeträchtigen Magazin Sight & Sound auf Rang 41 der besten Filme aller Zeiten, zudem stand er auf der Filmfanplattform Letterboxd zwischenzeitlich auf Platz eins.
Ein anderer Antikriegsfilm, der wie „Komm und sieh“ zwischen aufwühlender Sachlichkeit und unter die Haut gehender, düsterer Poesie schwankt, wurde ebenfalls von Filmjuwelen ins Heimkino gebracht. Und das sogar als deutsche Blu-ray-Premiere:
Einer der besten Kriegsfilme aller Zeiten ist ein beklemmend-surreales Erlebnis – jetzt feiert er seine Blu-ray-PremiereFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.
Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.