Einer der besten Kriegsfilme aller Zeiten ist ein beklemmend-surreales Erlebnis – jetzt feiert er seine Blu-ray-Premiere
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Inszeniert von einem der angesehensten Regisseure der Kinogeschichte: Andreï Tarkovskys bewegender Antikriegsfilm „Iwans Kindheit“ kommt endlich in HD-Qualität ins deutsche Heimkino.

Innerhalb weniger Karrierejahre wurde er zu einem der prestigeträchtigsten, meistrespektierten Regisseure der Kinogeschichte: Andreï Tarkovsky wurde nur 54 Jahre alt und inszenierte nach Abschluss seines Filmstudiums lediglich sieben abendfüllende Spielfilme. Doch seine Filmografie ist nicht bloß kurz, sondern ebenso meisterlich: Unter anderem verantwortete er den wegweisenden „Solaris“ sowie den ebenso nachdenklichen wie schaurigen-bitterschönen „Stalker“.

Doch auch abseits dieser Sci-Fi-Meilensteine drückte er dem anspruchsvollen Kino seinen Stempel auf. So gilt Tarkovskys erster Film, den er nach seinem Abschluss inszeniert hat und als Auftakt seines offiziellen Schaffens betrachtete, als einer der besten Kriegsfilme der Kinogeschichte! Auch die FILMSTARTS-Redaktion ist dieser Meinung und inkludiert „Iwans Kindheit“ in ihr Ranking der besten Kriegsfilme aller Zeiten. Nun erhält der Klassiker ein überfälliges Heimkino-Upgrade: Am 18. Dezember erscheint „Iwans Kindheit“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray!

Als Bonusmaterial enthält die Edition unter anderem ein digitales Booklet und einen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen. Außerdem gut zu wissen: Auf der Disc befinden sich neben dem russischen Originalton gleich zwei deutschsprachige Versionen: Die einst in der DDR erstellte Synchronfassung sowie die westdeutsche Lokalisierung des Kino-Meilensteins.

Darum geht es in "Iwans Kindheit"

Der Zweite Weltkrieg: Der zwölfjährige Iwan (Nikolai Burlyaev) ist einsam und verängstigt. Sein Vater ist gefallen, seine Mutter und seine Schwester sind verschollen, er selbst ist gerade erst aus einem deutschen Vernichtungslager entkommen. Nun verdingt er sich als Kundschafter der Rotarmisten an der Ukrainefront, um seine Freiheit dafür zu nutzen, Rache an denen zu üben, die seiner Familie Leid zugefügt haben...

Ein zugänglicher Tarkovsky, ein malerisch-finsterer Blick auf Krieg und Zerstörung

Wer sich bislang nicht an Tarkovsky und seine dem „Slow Cinema“ zugehörige Vita gewagt hat, findet in „Iwans Kindheit“ einen denkwürdigen, starken Einstieg: Der nicht einmal 100-minütige Anfang des „wahren“ Tarkovsky-Schaffens ist zwar aufgrund seiner niederschmetternden Thematik alles andere als leichte Kost. Doch der unter anderem mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig 1962 ausgezeichnete Film ist der wohl zugänglichste Lang-Spielfilm Tarkovskys für Filmfans, die kaum Berührungspunkte mit „Slow Cinema“ haben:

Zwar kristallisieren sich schon in „Iwans Kindheit“ die markanten, poetischen Lichtspiele des Regisseurs und sein Gespür dafür heraus, das Publikum mit symbolhaften Szenen voller emotionaler Intensität zum Nachdenken anzuregen. „Iwans Kindheit“ ist dabei jedoch mit einem Vorwärtsdrang erzählt, den Tarkovsky in späteren Arbeiten drosseln oder gar ganz aufgeben sollte, und trennt stringenter zwischen der realen Handlungsebene und träumerischen Einschüben.

Der beklemmende Antikriegsfilm zeigt die Schrecken des Krieges aus der Perspektive eines Kindes, das sich nur noch vage an ein Leben im Frieden erinnern kann. Konsequent überspitzt Tarkovsky Iwans Gegenwart zu einem kaum enden wollenden, surreal angehauchten Albtraum, der sporadisch durch lichtdurchflutete Erinnerungen an eine kaum noch zu greifende Unbeschwertheit aufgebrochen wird – aber auch durch noch grausigere Schreckensvisionen.

Zwischen all dieser Tragik wabert Tarkovsky bewundernder Blick für die Natur und der ihr innewohnenden Göttlichkeit. Sie lenkt aber keineswegs vom geschilderten Grauen ab, sondern intensiviert es im Kontrast bloß. Und wenn ihr neben „Iwans Kindheit“ auch Lust auf einen Tarkovsky-Film habt, der die assoziativ-poetische Seite des Regisseurs stärker zur Geltung kommen lässt, dürft ihr den folgenden Heimkino-Tipp nicht verpassen:

Dieses Meisterwerk sollte jeder einmal gesehen haben – spätestens jetzt: Einer der besten Filme aller Zeiten erscheint erstmals auf Blu-ray

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Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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