Jason Momoa verliert als erster Superstar auf Netflix seine deutsche Stimme – nächste Runde im KI-Streit
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Bekommt der seit Anfang des Jahres tobende Streit zwischen Netflix und Teilen der Synchronbranche über eine KI-Klausel neuen Schwung? Jetzt wird zumindest ein Hollywood-Superstar in einem Netflix-Film ohne seine deutsche Stimme auskommen müssen.

Netflix / Warner Bros.

Bereits mehrfach berichteten wir auf dieser Seite über den seit Monaten tobenden Streit zwischen Netflix und Teilen der Synchronbranche. Falls ihr noch nichts davon mitbekommen habt, einleitend eine kurze Zusammenfassung: Netflix hat in seinen Verträgen mit Synchronsprecher*innen eine Klausel aufgenommen, dass die Stimmen zum Training von KI benutzt werden dürfen. Viele Synchroprofis weigern sich, den Vertrag zu unterschreiben, weil sie die nachvollziehbare Befürchtung hegen, dass Netflix sie mit Trainingsdaten mittelfristig ersetzen könnte. Der Verband Deutscher Sprecher*innen e.V. (VDS) hat daher einen Boykott gegen Netflix organisiert.

Wir zeichneten zuletzt ein skeptisches Bild, ob der Streik wirklich zum Erfolg führt. Dafür nannten wir zwei Gründe: Zum einen stellt sich der Bundesverband Schauspiel e. V., kurz BFFS, gegen den VDS und rät, den Netflix-Vertrag zu unterschreiben. Seitdem gibt es in den Sozialen Medien auch einige Sticheleien zwischen den beiden Verbänden. Doch das größere Problem unserer Meinung nach ist: Dass seit Anfang des Jahres 2026 zahlreiche deutsche Synchronsprecher*innen nicht mehr für Netflix arbeiten, hatte bislang nicht die ganz großen Auswirkungen. Die breite Masse bekommt davon nichts mit, weil auf Netflix weiter Synchros erscheinen. Dass bei Serien wie „Knokke Off: Staffel 3“ oder „Clans: Staffel 2“ plötzlich große Teile der Figuren neue Stimmen bekommen haben, ging angesichts der geringeren Popularität der Titel unter. Doch das könnte sich jetzt ändern.

Jason Momoa bald mit neuer Stimme auf Netflix?!

Bislang gab es kein Projekt mit einem richtig großen Star, bei dem sich dann plötzlich Millionen von Netflix-Zuschauer*innen über die „falsche“ Stimme wundern konnten. Dass Alan Ritchson in „War Machine“ nicht wie in „Reacher“ sprach, reichte da noch nicht – auch weil der Schauspieler bereits zuvor wechselnde Stimmen hatte. Anders ist es bei Jason Momoa.

Zu Beginn seiner Karriere in „Baywatch“, „Stargate: Atlantis“ oder „Game Of Thrones“ waren noch wechselnde Synchronsprecher für diesen verantwortlich. Doch mittlerweile ist Matti Klemm fest als deutsche Stimme des Action-Stars etabliert. Er synchronisierte ihn erstmals in „Conan“ und musste sich dann noch einige Jahre mit anderen Stimmen messen. Doch seit nunmehr einem Jahrzehnt ist ausschließlich er zu hören, wenn der Star aus „Aquaman“, „Dune“, „Fast & Furious 10“ oder zuletzt „Ein Minecraft Film“ und „The Wrecking Crew“ deutsch synchronisiert auftritt. Das wird sich jetzt ändern, wie Klemm via Instagram verkündete:

Der Synchronsprecher erklärte in einem kurzen Video-Beitrag die Netflix-Problematik und warum er sich daher weigere, Momoa in einem neuen Film zu synchronisieren. Um welchen Titel es sich handelt, sagt Klemm nicht. Wir gehen davon aus, dass er von „Protecting Jared“ spricht, da Momoa diesen Actionfilm zuletzt für Netflix gedreht hat.

Etwas stutzig macht uns nur, dass Klemm erwähnt, dass auch Gerard Butler Teil des Films sei und dessen noch länger etablierte deutsche Stammstimme Tobias Kluckert ebenfalls die Zusammenarbeit verweigert. Bislang war ein Mitwirken von Butler an dem Film nicht bekannt. Womöglich wurde hier also ein kleiner Überraschungsauftritt enthüllt – oder Klemm hat etwas verwechselt. Dass auch Kluckert aktuell nicht mit Netflix arbeitet, ist aber bekannt, denn er ist die Stimme von Alan Ritchson in „Reacher“ und wäre sonst sehr wahrscheinlich für „War Machine“ an Bord gewesen (siehe oben).

Datenschutz als neue Waffe: VDS geht in die Offensive

Noch ist unbekannt, wann „Protecting Jared“ erscheint und das dürfte noch mehrere Monate dauern. Es wird aber spannend, wie das Publikum reagiert, wenn ein so großer Star, der so fest mit einer einzigen deutschen Stimme verbunden ist, plötzlich anders klingt. Vielleicht sorgt es dann ja dafür, dass mehr Menschen auf die Problematik aufmerksam werden.

Denn das scheint uns weiterhin das größte Problem für die streikenden Synchronsprecher*innen. Klemms Instagram-Video hat zwar tausende Likes und es gibt hunderte solidarische Kommentare, doch bislang scheint die breitere Masse das Problem gar nicht zu kennen, recht schulterzuckend wahrzunehmen oder zwar mit Worten, aber selten mit Taten darauf zu reagieren.

Klemm sagt derweil, dass er sogar seinen eigenen Netflix-Account gekündigt hat und auch der VDS ist gerade wieder tätig geworden. Dort versucht man jetzt mit einem neuen Ansatz den ihrer Meinung nach ohnehin rechtswidrigen Netflix-Vertrag anzugreifen. Man will prüfen lassen, ob die KI-Klausel nicht gegen Datenschutzregeln verstößt. Am gestrigen 17. April 2026 teilte man in einer Pressemitteilung mit, eine Datenschutzbeschwerde an die zuständige Aufsichtsbehörde vorzubereiten.

Falls ihr euch mehr dafür interessiert, warum der VDS ohnehin den Vertrag als rechtswidrig einstuft, verweisen wir euch auf den folgenden Artikel:

Streit um deutsche Synchronisationen bei Netflix: Der Konflikt geht jetzt in die nächste Runde

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