Tom Hanks ist so etwas wie der Inbegriff des good guy – nicht umsonst haben ihm Fans den Spitznamen America's Dad verpasst. Meistens spielt der für „Philadelphia“ und „Forrest Gump“ oscarprämierte Schauspieler sympathische, bodenständige, integre Charaktere, mit denen man sich leicht identifizieren kann. Steven Spielberg wollte ursprünglich sogar verhindern, dass sein „Der Soldat James Ryan“-Hauptdarsteller zur Waffe greift, weil er glaubte, dass niemand sehen wolle, wie eine von Tom Hanks gespielte Figur Gewalt ausübt.
Doch wie fast jeder Hollywood-Star, der auf einen ganz bestimmten Rollentypus festgelegt ist, hat auch Hanks schon mehrmals versucht, gezielt gegen sein Image anzuspielen. In einem berüchtigten 90er-Jahre-Megaflop verkörperte er etwa an der Seite von Morgan Freeman und Bruce Willis einen arroganten Börsenhai – eine Fehlbesetzung, die ihm reichlich Kritik und Häme einbrachte. Im Biopic „Elvis“ wiederum verkörperte er Presleys Manager Colonel Tom Parker als zwielichtigen Manipulator.
Besonders radikal mit dem Bild des liebenswürdigen Kerls von nebenan brach er allerdings in einem Film von 2002: dem Gangsterthriller „Road To Perdition“. Hier spielte Hanks den wortkargen Michael Sullivan, der im Illinois der 1930er-Jahre als Auftragskiller für den irischen Mafiaboss John Rooney (Hollywood-Legende Paul Newman in seiner letzten Leinwandrolle) arbeitet. Als sein zwölfjähriger Sohn (Tyler Hoechlin) einen seiner Morde beobachtet und daraufhin ins Fadenkreuz der Mafia gerät, tritt Sullivan einen gnadenlosen Rachefeldzug an...
„Road To Perdition“ war die zweite Regiearbeit des späteren 007- und „1917“-Regisseurs Sam Mendes – drei Jahre zuvor hatte er mit „American Beauty“ einen riesigen Überraschungshit gelandet und obendrein fünf Academy Awards eingesackt (darunter Bester Film). An diese Höhen konnte der Brite mit seinem Nachfolgeprojekt nicht ganz anknüpfen: Zwar gab es insgesamt sechs Oscar-Nominierungen, aber keine davon in einer der Hauptkategorien. Der wenige Monate vor der Verleihung verstorbene Conrad L. Hall wurde schließlich für seine Kameraarbeit mit einem Preis bedacht.
Mit einem weltweiten Einspielergebnis von 181 Millionen US-Dollar (gegenüber einem Budget von rund 80 Millionen) schnitt „Road To Perdition“ zwar keineswegs schlecht ab, doch „American Beauty“ hatte fast das Doppelte in die Kinokassen gespült – und gerade einmal 15 Millionen gekostet!
Das mag auch daran liegen, dass das Genre des Gangsterfilms im Zuge der Erfolge von Regisseuren wie Quentin Tarantino oder Guy Ritchie damals von postmoderner Ironie und betonter Coolness geprägt war, während Mendes seine Erzählung äußerst geradlinig anlegte und dabei auf einen fast klassizistischen Stil setzte. Viele empfanden diese Herangehensweise als aus der Zeit gefallen, und folglich dauerte es nicht lang, bis „Road To Perdition“ aus dem kollektiven Kinogedächtnis verschwand.
Das macht „Road To Perdition“ (der in weiteren Rollen unter anderem mit Daniel Craig und Jude Law besetzt ist) nicht zu einem schlechten Film. Tom Hanks wünscht sich bis heute, dass der Film mehr Aufmerksamkeit erhalten würde – und der Autor dieser Zeilen zieht ihn den meisten anderen Filmen von Sam Mendes (inklusive „American Beauty“) klar vor. Auch in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik schrammte er mit hervorragenden 4,5 von 5 Sternen nur knapp an der seltenen Meisterwerk-Wertung vorbei.
Der unbekannteste Film in der Vita von Tom Hanks ist „Road To Perdition“ übrigens bei Weitem nicht. Wusstet ihr beispielsweise, dass der 69-Jährige im Jahr 2015 in einem Kriegsdrama zu sehen war, bei dem es sich um das Regiedebüt einer anderen Hollywood-Größe handelt, mit der Hanks mehrmals vor der Kamera stand? Um welchen komplett untergegangenen Film es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
Mit diesem Weltkriegsfilm gab eine Hollywood-Ikone ihr Regiedebüt – und scheiterte auf ganzer Linie!FILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.*
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