Wenn es um raue, dreckige und provokante Italo-Western geht, dann wecken zwei Namen verlässlich das Interesse der Genrefans: Regisseur Sergio Corbucci und Franco Nero, seines Zeichens erprobt-kerniger Hauptdarsteller. Ihre Filme hatten es in Deutschland oft schwer, dem Jugendschutz zu gefallen. „Die gefürchteten Zwei“ alias „Mercenario – Der Gefürchtete“ erwischte es da vergleichsweise milde:
Der extrem ironische und sarkastische, eine klare antikapitalistische Kante zeigende und die Rahmenbedingungen einer gelingenden Revolution verhandelnde Western lief 1969 ungeschnitten mit einer Freigabe ab 18 Jahren in den deutschen Kinos. Später wurde er jahrelang bloß gekürzt im hiesigen TV gezeigt – das allerdings aufgrund nicht behobener Materialfehler. Seit 2009 ist er uncut ab 16 Jahren auf DVD erhältlich, später folgten (weitestgehend nur noch auf dem Gebrauchtmarkt auffindbare) Blu-rays.
Nun hat sich der aufgrund seiner Ruppigkeit und Deutlichkeit streitbare Italo-Western-Klassiker erneut in den Handel gekämpft: Diese Woche hat „Mercenario – Der Gefürchtete“ eine Blu-ray-Neuauflage erhalten – selbstredend ungekürzt!
Als Extras gibt es auf der Disc eine 41-minütige Featurette namens „Die Regeln der Revolution“ zu entdecken sowie einen kurzen Vergleich, wie die Drehorte während der Entstehung des Films aussahen und wie sie heute aussehen.
Darum geht es in "Mercenario – Der Gefürchtete"
Der raffgierige polnische Söldner Kowalski (Franco Nero) bekommt den Auftrag, im Namen des Minenbesitzers Garcia (Eduardo Fajardo) eine Fuhre Silber nach Texas zu transportieren. Doch die Silbermine wurde von aufsässigen, nach Gerechtigkeit rufenden Arbeitern besetzt. Angeführt wird die Revolte vom mutigen Minenarbeiter Paco Roman (Tony Musante). Da ihn die Revoluzzer bar bezahlen, wechselt Kowalski die Seiten – und schon bald setzt er sich vom idealistischen Bauernmädchen Columba (Giovanna Ralli) angespornt für eine blutige Revolution gegen die repressive mexikanische Regierung ein. Doch der Söldner hat Feinde, die ihm an den Fersen haften...
Tarantino-Inspirationsquellen und der arme Hintern des Kapitals
Als erklärter, passionierter Corbucci-Fan hat Quentin Tarantino wenig überraschend in seinem Schaffen sogleich mehrere Rückgriffe auf „Mercenario – Der Gefürchtete“ untergebracht. So greift „Kill Bill“ an mehreren Stellen auf die von Ennio Morricone und Bruno Nicolai verfasste Musik aus dem Revoluzzer-Western zurück. Auch „Inglourious Basterds“ bedient sich an diesem Score, während Tarantino in „Django Unchained“ die Passage imitiert, in der eine Figur erschossen wird – und dies dem Publikum erst dadurch klar wird, dass aus ihrer Ansteckblume Blut austritt.
Doch man wird „Mercenario – Der Gefürchtete“ nicht gerecht, wenn man ihn bloß schaut, um zu sehen, wo Tarantino einige Ideen her hat. Auch die in ihrer Unverschämtheit unvergessliche Passage, in der das kapitalistische System am Beispiel einer nackten Frau erläutert wird, Corbuccis zielsichere Balance zwischen abstoßender und unterhaltsamer Gewalt und die immer wieder aufblitzenden, zynisch-exzentrischen Regieeinfälle machen diesen meinungsstarken Italo-Western zu einem Genrevertreter, der löblich aus der Masse herausragt.
Und wenn ihr noch mehr Western-Filmfutter sucht, werdet ihr in unserem folgenden Artikel fündig!
Unglaublich: Dieses Western-Spektakel wurde bislang nie fürs Heimkino veröffentlicht – diese Woche ändert sich das!FILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.