100 Prozent bei Rotten Tomatoes: Dieser Horror-Geheimtipp gehört zu den bestbewerteten Filmen der letzten 10 Jahre – und ist dennoch kaum bekannt!
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Wenn ein Film bei Rotten Tomatoes 100 Prozent erreicht, müsste er doch jedem bekannt sein – oder? Nicht ganz: Dieser Horrorfilm begeisterte Kritiker*innen, blieb beim Publikum jedoch weitgehend unbeachtet. Warum das so ist, klären wir hier.

Eine hohe Wertung bei Rotten Tomatoes gilt längst als eine Art Qualitätssiegel. Wenn ein Film dort die seltene Marke von 100 Prozent erreicht, signalisiert das nahezu einhellige Begeisterung unter Kritiker*innen. Doch diese beeindruckende Zahl ist kein Garant für breite Bekanntheit. Im Gegenteil: Gerade Titel, die besonders eigenwillig, klein produziert oder schwer einzuordnen sind, verschwinden oft unter dem Radar des Mainstreams.

Das liegt auch daran, dass sich viele dieser Werke bewusst gegen klassische Sehgewohnheiten stellen. Sie sind sperriger, persönlicher oder schlicht ungewöhnlicher als typische Blockbuster. Genau in diese Kategorie fällt auch „Creep 2“ – ein Film, der trotz makelloser Kritiken auf Rotten Tomatoes bis heute eher ein Geheimtipp geblieben ist.

Creep 2
Creep 2
Starttermin 5. September 2025 | 1 Std. 20 Min.
Von Patrick Brice
Mit Mark Duplass, Desiree Akhavan, Caveh Zahedi
User-Wertung
3,0
Im Stream

Ein ungewöhnliches Horrorprojekt mit Indie-Wurzeln

„Creep 2“ ist die Fortsetzung des Found-Footage-Horrorfilms „Creep“ (2014) und stammt erneut von Patrick Brice und Mark Duplass, die nicht nur Regie führten beziehungsweise die Hauptrolle übernahmen, sondern auch gemeinsam das Drehbuch entwickelten. Die Handlung folgt einer Videokünstlerin, die eine Anzeige eines exzentrischen Mannes beantwortet – und sich dabei in eine zunehmend verstörende Situation begibt.

Bereits der erste Teil setzte auf Minimalismus: wenige Figuren, improvisiert wirkende Dialoge und eine intime Inszenierung, die stark von der Chemie zwischen den Darsteller*innen lebt. Dieses Konzept wird in der Fortsetzung konsequent weitergeführt und zugleich verfeinert. Ergänzend dazu existiert mit „The Creep Tapes“ sogar eine Serienumsetzung, die das Universum erweitert und die unheimliche Figur weiter auslotet. Beide „Creep“-Filme sowie die Serie könnt ihr in Deutschland exklusiv bei Netflix streamen. Den ersten Teil könnt ihr euch aber dank Amazon auch haptisch ins Regal stellen.*

The Creep Tapes
The Creep Tapes
Starttermin 2024-11-15
Serie: The Creep Tapes
Mit Mark Duplass

Brice und Duplass werden häufig mit dem sogenannten Mumblecore in Verbindung gebracht – einer Strömung des Independent-Kinos, die sich durch naturalistische Dialoge, niedrige Budgets und einen Fokus auf zwischenmenschliche Dynamiken auszeichnet. Statt großer Effekte stehen hier Authentizität und spontane Interaktion im Mittelpunkt. Diese Herangehensweise prägt auch „Creep 2“ entscheidend. Übrigens begannan auch Hollywood-Größen wie „Barbie“-Regisseurin Greta Gerwig ihre Karriere in der Mumblecore-Szene.

Warum "Creep" und "Creep 2" so besonders sind und dennoch so unbekannt

Was „Creep“ und seine Fortsetzung von vielen Genrevertretern abhebt, ist ihre radikale Reduktion. Statt auf große Momente oder aufwendige Inszenierung zu setzen, entsteht der Horror aus der Interaktion der Figuren. Der Film lebt von unangenehmer Nähe, subtilen Irritationen und der ständigen Unsicherheit darüber, wie ernst die Situation tatsächlich ist.

Gerade diese Mischung aus scheinbarer Harmlosigkeit und unterschwelliger Bedrohung sorgt für eine eigentümliche Spannung. Mark Duplass („Backrooms“) verkörpert eine Figur, die gleichermaßen charismatisch wie verstörend wirkt – und damit Erwartungen gezielt unterläuft. Das Ergebnis ist weniger ein klassischer Horrorfilm als vielmehr ein psychologisches Kammerspiel mit unberechenbarer Dynamik.

Doch genau hier liegt auch der Grund, warum „Creep 2“ kaum massentauglich ist. Die ruhige Erzählweise, das Fehlen klarer Genre-Konventionen und der Fokus auf Dialoge statt Action verlangen Geduld und Offenheit. Wer schnelle Spannung oder eindeutige Antworten sucht, dürfte hier schnell aussteigen.

Für Zuschauer*innen, die sich auf diese spezielle Erzählform einlassen, entfaltet „Creep 2“ jedoch eine faszinierende Wirkung. Der Film beweist, dass Horror nicht laut oder spektakulär sein muss, um nachhaltig zu verstören – und genau deshalb zählt er zu den bemerkenswertesten, wenn auch unterschätzten Genrebeiträgen der letzten Jahre.

Auch eine Serie mit 100 Prozent auf Rotten Tomatoes ist gemessen an ihrer Qualität viel zu unbekannt. Um welche Produktion von 2017 es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

100 Prozent bei Rotten Tomatoes: Diese Sci-Fi-Serie mit einem Oscar-Star bekommt perfekte Bewertungen – trotzdem ist sie völlig unbekannt!

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