Wer in den 90er- und 2000er-Jahren in Deutschland zur Schule ging, kam an „Die Wolke“ kaum vorbei. Gudrun Pausewangs 1987 – also kurz nach Tschernobyl – geschriebener Roman über die Gefahren einer Atomkatastrophe zählt zu den eindringlichsten Jugendbüchern und wurde später zu Recht zur Pflichtlektüre in vielen Klassenzimmern. Im Schatten der Atomkatastrophe traf der Stoff damals einen gesellschaftlichen Nerv, der von Angst, Protest und energiepolitischen Debatten geprägt war.
Heute hat sich die Lage – zumindest in Deutschland – deutlich verschoben und mit dem deutschen Atomausstieg scheint die unmittelbare Bedrohung für viele weiter weg. Und doch ist das Thema nicht erledigt. Weltweit sind weiterhin zahlreiche Reaktoren in Betrieb, geopolitische Spannungen nehmen zu, und die Frage nach Energieversorgung und Sicherheit ist aktueller denn je. Gerade deshalb wirkt „Die Wolke“ weniger wie ein Relikt vergangener Ängste, sondern eher wie eine Erinnerung daran, wie schnell Sicherheit zur Illusion werden kann.
Wenig verwunderlich also, dass „Die Wolke“ früher oder später den Weg auf die Leinwand finden musste. 2006 verfilmte Gregor Schnitzler („Die Schule der magischen Tiere“) den Roman und übersetzte ihn in beklemmende, eindringliche Bilder. Heute Abend läuft die Bestseller-Verfilmung um 20.15 Uhr auf RTL Zwei. Auf dem FILMTASTIC-Channel von Amazon Prime Video bekommt ihr sie außerdem im Stream – für sieben Tage gibt es das Probeabo kostenfrei, danach kostet es 3,99 Euro im Monat.
Ausnahmezustand zwischen heimischen Feldern
Im Zentrum steht die Schülerin Hanna (Paula Kalenberg), die nach einem Unfall im nahegelegenen Atomkraftwerk plötzlich um ihr Leben rennen muss. Innerhalb kürzester Zeit bricht ihre gewohnte Ordnung zusammen: Züge sind überfüllt, Straßen verstopft, Informationen widersprüchlich – und ihre Mutter ist verschwunden.
Gemeinsam mit ihrem Freund Elmar (Franz Dinda) versucht Hanna zu fliehen – doch die Katastrophe holt sie ein. Was folgt, ist weniger ein klassischer Katastrophenfilm als eine Reise durch die unmittelbaren Folgen: Verstrahlung, Verlust, Orientierungslosigkeit.
Gerade im Beginn des Films liegt auch die Stärke seiner Inszenierung: „Die Wolke“ verzichtet weitgehend auf bombastische Effekte und setzt stattdessen auf ein Szenario, das erschreckend glaubwürdig wirkt. Menschenleere Straßen, Lautsprecheransagen vorbeifahrender Polizeiautos und Kinder auf Fahrrädern inmitten all dieses Chaos ergeben ein real-dystopisches Bild, das einen erschaudern lässt.
Im weiteren Verlauf verschiebt sich der Fokus jedoch spürbar. Aus der beklemmenden Katastrophenschilderung wird zunehmend ein persönliches Drama, das stärker auf die Beziehung zwischen Hanna und Elmar setzt. Für viele Kritiker*innen verliert der Film hier an Schärfe, da die existenzielle Bedrohung hinter der Liebesgeschichte in den Hintergrund tritt. Nichtsdestotrotz ist „Die Wolke“ ein Film, der mit wenigen Effekten zeigt, wie schnell Strukturen angesichts einer Katastrophe versagen und welche Konsequenzen daraus entstehen können – wenn auch die Entscheidung, die Geschichte am Ende stärker in Richtung Teenie-Romanze zu lenken, nicht ganz aufgeht.
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