Schon seit jeher haftet dem Film etwas Magisches an. Wo sonst sehen wir Dinge, die so nicht möglich sind? Wo können uns verzaubern lassen von fremden Welten und wo sonst werden Märchen wahr? Dabei ermöglicht Film es uns nicht nur, andere Realitäten zu entdecken – er kann uns die Welt auf ganz neue Weise sehen lassen.
Besonders schön kann dies dann werden, wenn innere Welten, Fantasien oder Träume sichtbar gemacht werde und erlebte Realität beginnt, sich zu verbiegen. So werden Kriege, Tod und Trauma durch die Augen von Kindern zu Spiel und märchenhaften Welten – wie in Guillermo del Toros schaurig-schönem „Pans Labyrinth” oder Roberto Benignis „Das Leben ist schön”.
Auch Benh Zeitlins „ Beasts of the Southern Wild” ist so ein Werk, das harte Realität in zarte Poesie umwandelt – und uns ein Abenteuer aus dem Blickwinkel eines sechsjährigen Mädchens schenkt. Dieses kam 2012 praktisch aus dem Nichts – mit Laiendarsteller*innen gedreht und mit der kleinen Quvenzhané Wallis in der Hauptrolle, die zur jüngsten je für einen Oscar nominierten Darstellerin werden sollte. Hinzu kam die Caméra d’Or und der Grand Jury Prize in Cannes, eine Reihe weiterer Festivalteilnahmen und noch drei Oscar-Nominierungen (bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch). Aktuell könnt ihr „Beasts of the Southern Wild” auf Netflix streamen.
Falls ihr das rote N nicht abonniert habt, findet ihr „Beasts of the Southern Wild” auch im Angebot von Prime Video, wo ihr den Film gegen eine Gebühr leihen könnt:
Märchenhafte Bilder im Schlamm
Die sechsjährige Hushpuppy (Quvenzhané Wallis) lebt mit ihrem trinkenden und wahnhaften Vater Wink (Dwight Henry) im sogenannten „Bathtub” – ein heruntergekommenes Sumpfgebiet irgendwo in den Südstaaten. Hier hausen die Menschen am Rand der Gesellschaft und halten sich buchstäblich mit Fischfang und Fusel gerade so über Wasser – bis ein Sturm und damit Hochwasser aufkommt, und einige der Aussteiger eng an eng auf einem Floß zusammenrücken müssen.
Zwischen Alligatoren, Krankenhäusern, Sumpf und Schlamm erschafft sich Hushpuppy ihre eigene Welt, die eben nicht immer nur dreckig ist: Da werden überflutete Landschaften zu Traumwelten, prähistorische Kreaturen bahnen sich ihren Weg aus dem Eis, und Hushpuppy selbst wird zur Heldin, der „Königin des Bathtub”, die dem Sturm trotzt.
Wer mehr über die Hintergründe des Drehs erfahren möchte, wird auf der Blu-ray fündig: Hier findet ihr neben nicht verwendeten Szenen auch ein Making-of und dazu noch den Kurzfilm „Glory At Sea“.
„Beasts of the Southern Wild” bleibt in seiner Erzählung stets auf Hushpuppys Augenhöhe – und zeigt dabei auf feinfühlige Weise die Sicht einer kleinen Heldin zwischen kindlicher Naivität und mutiger Präsenz. Visuell bewegt „Beasts of the Southern Wild” sich irgendwo zwischen Naturalismus und Fantastik: Handkamera, Lichtreflexe, wogendes Wasser – das alles wirkt roh und zugleich fast überirdisch schön – ein Clash, der wider Erwarten aufgeht.
Der Film lebt von seinen Gegensätzen, und das ist, was ihn so besonders macht: Es ist die Wahrnehmung eines Kindes, die Leichtigkeit in Schwere bringen kann – und ein Funkeln in den Dreck. Wenn ihr noch mehr Verzauberung sucht, findet ihr die besten Fantasyfilme aller Zeiten hier:
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