Heute Abend streamen: Dieses kaum bekannte Sci-Fi-Abenteuer ist einer der finstersten Disney-Filme aller Zeiten!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Sidneys Lieblingsfigur ist Donald Duck, sein erster Kinofilm war Disneys „Aladdin“ und bereits in der Grundschule las er eine Walt-Disney-Biografie. Wenn er könnte, würde er ins Disneyland auswandern, aber da das nicht geht, muss ihn seine Disney-Sammlung bei Laune halten.

1979 sollte „Das schwarze Loch“ Disneys Antwort auf „Star Wars“ sowie den neuen, rau-dramatischen Tonfall auf dem Filmmarkt darstellen. Das Ergebnis lief damals weit unter den finanziellen Erwartungen und ist eine fesselnd-finstere Kuriosität.

Als Firmengründer Walt Disney, der die kreative Ausrichtung des Konzerns steuerte, 1966 verstarb, steuerten die Disney-Studios auf eine Sinnkrise zu: Es fiel den Verantwortlichen Jahr für Jahr schwerer, sich auszumalen, wie Walt auf die sich wandelnde Kinolandschaft reagiert hätte. Ganz davon zu schweigen, dass die Frage aufkam, ob „Was hätte Walt getan?“ zum Mantra taugt.

Die neue Führungsriege hatte Probleme, das „korrekte“ Disney-Image zu definieren und mit sich ändernden Geschmäckern und Marktbedingungen mitzuhalten. 1977 revolutionierte „Krieg der Sterne“ obendrein, wie fantasievolle Unterhaltung für die ganze Familie aussehen kann, während abseits des Popcorn-Mainstreams längst ein rauerer Ton angeschlagen wurde als zu Walts Zeiten.

Als Reaktion darauf entstand ein Science-Fiction-Film, von dem sich die Disney-Führungsetage einen Befreiungsschlag erhoffte: „Das schwarze Loch“ sollte mit dem Weltall-Prunk von „Star Wars“ mithalten und vorführen, dass bei Disney ein neuer Wind weht. Daher ist der Film von existenzieller Angst erfüllt, wirft grummelnd philosophische Fragen auf und hat sowohl eine vergleichsweise brutale Tötungsszene als auch Schreckmomente zu bieten. Heute noch zählt dieses wenig bekannte Sci-Fi-Abenteuer zur Speerspitze der düsteren Seite Disneys – und ihr könnt „Das schwarze Loch“ jederzeit flexibel auf Disney+ streamen!

Darum geht es in "Das schwarze Loch"

Das Forschungsraumschiff USS Palomino befindet sich auf der Suche nach kolonisierbaren Planeten. Als die Crew, bestehend aus Käpt'n Dan Holland (Robert Forster), Lieutenant Charles Pizer (Joseph Bottoms), Doktor Alex Durant (Anthony Perkins), Doktor Kate McCrae (Yvette Mimieux) und dem Journalisten Harry Booth (Ernest Borgnine) sowie dem Roboter V.I.N.CENT., ein schwarzes Loch entdeckt, ist sie verwundert: Im Gravitationssog des schwarzen Lochs verharrt starr und sicher die lang vermisste USS Cygnus!

An deren Bord lernt das Team den brillanten, eigenwilligen Dr. Hans Reinhardt (Maximilian Schell) kennen, der von martialischen Wach- und Kampfrobotern sowie stummen Androiden in Kutten umgeben ist. Die Palomino-Crew und Dr. Reinhardt diskutieren über wissenschaftliche Erkenntnisse, Befehlsverweigerung und Theorien, was sich innerhalb eines schwarzen Lochs befindet – und wie man dies in Erfahrung bringen könnte...

Eine düstere Disney-Stunde

Um zu hohen Erwartungen entgegenzuwirken: Bei „Das schwarze Loch“ handelt es sich um kein übersehenes Filmjuwel. Allerdings lässt sich dieser (insbesondere für Disney-Verhältnisse) kühl-grimmige Science-Fiction-Film als ungeschliffener Diamant in der Schatzkiste des Maushauses beschreiben.

Denn „Das schwarze Loch“ ist in vielerlei Hinsicht eine konsequente, ambitionierte (wenngleich in der Umsetzung ihrer Ziele strauchelnde) Weltall-Neuinterpretation von „20.000 Meilen unter dem Meer“ – einem Stoff, den die Disney-Studios zuvor hervorragend auf die Leinwand gebracht haben:

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Urteil von Nürnberg“-Hauptdarsteller Schell steht darstellerisch James Masons unvergesslicher Kapitän-Nemo-Darbietung in Nichts nach: Er verleiht Dr. Reinhardt eine eiskalte Aura, die auf Teile der USS-Palomino-Besatzung eine glaubhafte Sogwirkung ausübt und bei der es ebenso plausibel ist, dass die restliche Crew verstört schaudert. Belesen und mit imposant-selbstbewusster Manier, zugleich eigenbrötlerisch, schroff und unsensibel, macht Dr. Reinhardt keinen Hehl daraus, sich über seine Mitmenschen zu stellen. Dass man angesichts seiner exzentrischen Genialität nicht wegschauen kann, lässt sich allerdings ebenso wenig verleugnen.

Abstreiten lässt sich auch nicht, dass das „Das schwarze Loch“ ein mustergültiges Beispiel für das unbeschreibliche Talent des Konzeptkünstlers und Matte-Painting-Malers Peter Ellenshaw darstellt. Der Oscar-Preisträger prägte den Look solch eindrucksvoller Filme wie „Dick Tracy“, „Mary Poppins“ und „Das Geheimnis der verwunschenen Höhle“, indem er mit filigran-detailreichen und kunstvoll-stimmungsreichen Gemälden ihre Welten erweiterte.

Disney

Für „Das schwarze Loch“ kehrte Ellenshaw aus seinem Ruhestand zurück. Gemeinsam mit seinem Sohn Harrison legte er noch während der Konzeptphase des Sci-Fi-Projekts los, damit die Kulissen sich seiner Vision weitläufiger, einschüchternder Räume in einer kalten Pseudo-Utopie mit Blinklichtern angleichen können. Die Miniaturen, ferngesteuerten Roboter und Doppelbelichtungstricks reichen zumeist nicht an die Imposanz des Matte Paintings und Sets heran, und sie verblassen im Vergleich zu „Star Wars“.

Es gibt zwar genug Ausreißer nach oben (wie eine auf die Hauptfiguren zurollende Lavakugel), dass es neben einer Academy-Award-Nominierung für Frank V. Phillips' Kameraführung auch für eine Effekt-Nominierung reichte. Die sonst charmanten, aber etwas wackligen Effekte haben „Das schwarze Loch“ zwei Jahre, nachdem George Lucas neue Standards gesetzt hat, dennoch sicherlich Steine in den Weg zum Kassenerfolg gelegt. Selbiges gilt für die zwischendurch steife Dialogführung und den schleppenden Erzählfluss.

Gleichwohl gelingt Gary Nelson einer der effektivsten Jump Scares im Walt-Disney-Pictures-Fundus, und gerade in den ungemütlichen Szenen erzeugt der „Ein ganz verrückter Freitag“-Regisseur zielsicher eine unbequeme Grundstimmung. Der kommt zudem der Filmscore zugute: „James Bond“-Komponist John Barry verbreitet mit akustischen Abwärtsspiralen, schallenden Aluminiumdrähten und langen, scheppernd-metallenen Echos eine andersweltliche, mysteriös-abenteuerliche Tonalität, die in den richtigen Augenblicken gen Kummer, Triumphstimmung und jenseitiges Chaos kippt.

Solche Klänge sind rar im reichen, vielfältigen Disney-Musikarchiv. Nur konsequent, dass dieser Themen wie Machtgier, den Terror einer naturwissenschaftlichen Forschung ohne philosophisch-menschliches Rückgrat und die Trennlinie zwischen Wissenschaft und Glauben anschneidende Sci-Fi-Trip in ein Finale mündet, das disney-untypisch ist: Es ist ein metaphysisches Infernal mit flammender, surreal-diabolischer Ikonografie und unklarem Ausgang. Einen weiteren surrealen, aber deutlich fröhlicheren Disney-Film stellen wir euch im folgenden Artikel vor:

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