Warum dauert es eigentlich oft so lange, bis wunderbare Filme wie „Minari - Wo wir Wurzeln schlagen“ ins Free-TV kommen? Zumal in diesem Fall mit Steven Yeun, einem der beliebtesten Protagonisten des Serien-Phänomens „The Walking Dead“, Hollywood-Veteran Will Patton („Armageddon“) und Oscargewinnerin Youn Yuh-jung („Das Hausmädchen“) ein paar echte Stars dabei sind? Na, egal: Hauptsache, das Werk des zuletzt mit dem Katastrophen-Blockbuster „Twisters“ erfolgreich in unseren Kinos präsenten Regisseurs Lee Isaac Chung ist nun endlich für uns alle frei zugänglich und noch dazu ganz ohne lästige Werbung zu sehen.
„Minari - Wo wir Wurzeln schlagen“ läuft am heutigen 10. Mai 2026 um 22.20 Uhr auf arte. Eine Wiederholung folgt am 29. Mai um 15.45 Uhr. Zudem steht der Film als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung. Wer bereit ist, ein paar Euro zu investieren, kann auch auf Blu-ray, DVD oder Video-on-Demand ausweichen:
Authentizität auf allen Ebenen
Viele von euch dürften Steven Yeun als Glenn Rhee aus der supererfolgreichen Horrorserie „The Walking Dead“ oder als Danny Cho aus der exzellenten ersten Staffel des Netflix-Hits „Beef“ kennen. Doch der in Seoul geborene Mime sorgte auch im Kino schon mit besonderen Filmen für einiges an positivem Aufsehen. So spielte er einen wichtigen Part in „Okja“ von „Parasite“-Genie Bong Joon-ho, rührte uns im Thrillerdrama-Meisterwerk „Burning“ zu Tränen und agierte herrlich zynisch in „Mickey 17“. Seinen nach Ansicht des Autors dieser Zeilen allerdings besten Auftritt lieferte Yeun in „Minari - Wo wir Wurzeln schlagen“ ab und wurde für diesen auch völlig zu Recht mit einer Academy-Award-Nominierung als bester Hauptdarsteller bedacht.
Unser Chefredakteur Christoph Petersen nennt „Minari“ (das ist übrigens der Name eines koreanischen Küchenkrauts, vergleichbar mit unserer Petersilie) in seiner hervorragende 4,5 von 5 möglichen Sternen vergebenden FILMSTARTS-Kritik ein „Kinowunder“. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Im von der Covid-Pandemie gegeißelten Filmjahr 2021 gab es für mich keinen anderen Streifen, der auf eine so simpel-bodenständige und wahrhaftige Art so tief berührte und beeindruckte.
Das Spiel aller Beteiligten kommt so glaubhaft und authentisch rüber, dass wir uns als Publikum umgehend in sie hineindenken und vor allem hineinfühlen können. Die Verwirrung und Verzweiflung, aber auch die Hoffnung und vor allem die Liebe fühlen sich so echt an, dass es ganz egal ist, dass große Teile der Dialoge in koreanischer Sprache geführt werden. Ganz subtil beginnen dann ohnehin bald nicht nur die Sprachen, sondern auch die Kulturen ineinanderzufließen. So wird das Bild der hier im Mittelpunkt stehenden Familie und ihres Lebens in der Fremde, die sie zu ihrer neuen Heimat machen will, immer klarer.
Hervorstechend ist dabei das Zusammenspiel des zum Drehzeitpunkt erst siebenjährigen Alan S. Kim („IF: Imaginäre Freunde“) mit der in ihrer koreanischen Heimat den Status eines Superstars innehabenden Youn Yuh-jung, die Enkel und Oma verkörpern. Aber auch Steven Yeun und Han Ye-ri („Rettet den Zoo“) geben als unter seiner schwierigen Situation mit erheblichen Beziehungsproblemen kämpfendes Ehepaar ein großartiges Doppel ab. Zudem sind Yeun und Will Patton in dessen wenigen, dafür aber umso bemerkenswerteren Szenen ebenfalls einfach fantastisch.
"Minari": Das ist die Story
1983: Nach ihrer Hochzeit sind Jacob (Steven Yeun) und Monica (Han Ye-ri) aus Korea nach Kalifornien ausgewandert. Doch der sprichwörtliche „Amerikanische Traum“ lässt dort noch immer auf sich warten. So verdient das Paar seinen kargen Unterhalt zunächst mit der Bestimmung des Geschlechts frisch geschlüpfter Küken. Monica hat beim von der Geflügelindustrie geforderten Tempo allerdings Probleme, mitzuhalten – weshalb die Eheleute gemeinsam mit ihrer Tochter Anne (Noel Cho) und dem mit einem Herzfehler geborenen Sohn David (Alan S. Kim) in den deutlich kostengünstigeren ländlichen Südstaat Arkansas umziehen.
Dort ist der Schrecken erst einmal groß, als sich das versprochene Häuschen als nahezu schrottreifer Wohnwagen entpuppt. Jacob versucht, mit dem Anbau koreanischen Gemüses voller Engagement ein zweites finanzielles Standbein für seine Familie zu etablieren, während bei seiner Gattin die Frustration wächst. Um Monica zu helfen, erklärt sich Jacob schließlich bereit, seine eigenwillige Schwiegermutter Soonja (Youn Yuh-jung) aus der Heimat einfliegen zu lassen. Das ist speziell für den kleinen David gar nicht so einfach, da er fortan sein Kämmerchen mit der ihm mehr als suspekt vorkommenden Oma teilen muss…
Wenn ihr danach noch Lust auf einen weiteren exzellenten US-Indie-Film habt, dann schaut doch mal in den folgenden Streaming-Tipp rein:
Streaming-Tipp: Einer der besten Filme der letzten 10 Jahre – diese 111 Minuten gehen heftig an die NierenFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.