Von der Box Office-Enttäuschung zum Kultfilm – dieses Phänomen findet sich in der Filmgeschichte zuhauf. Man denke nur an „Fight Club“ und „Donnie Darko“, die beide an den Kinokassen unter den Erwartungen blieben, aber anschließend via DVD und Mund-zu-Mund-Propaganda zu Geheimtipps aufstiegen und heute die Favoritenlisten vieler Filmfans anführen.
Ein solches Liedchen kann auch Richard Linklater („Before Sunrise“, „Boyhood“) anstimmen: Sein 1993 erschienener Film „Dazed And Confused“ – in Deutschland (leider) mit dem Verleihtitel „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“ versehen – hatte einen lauwarmen Kinostart in den USA und spielte sein Produktionsbudget nur knapp wieder ein. Doch heute gilt er vielen als unnachahmlich atmosphärischer Kultfilm. Wer ihn noch nicht geschaut hat, findet „Dazed And Confused“ aktuell bei Amazon Prime Video:
"Alright, alright, alright": Ein Sommertag in den 70ern
Wovon „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“ handelt, ist schnell erzählt: Der Film spielt sich an einem einzigen Sommertag 1976 in einer texanischen Stadt ab. Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien, und an der örtlichen High School werden die Schulneulinge traditionell von den Älteren mit erniedrigenden Einweihungsritualen begrüßt. Der junge Mitch Kramer (Wiley Wiggins) versucht vergeblich zu entkommen, doch wird später vom Quarterback Randall „Pink“ Floyd (Jason London) zum Feiern eingeladen.
Pink hat derweil von seinem Coach auferlegt bekommen, sich den Sommer über von Alkohol und Drogen fernzuhalten, doch will die Ferien genießen. Mit seinem Kumpel David Wooderson (Matthew McConaughey, der hier seine Catchphrase „Alright, alright, alright“ erstmals zum Besten gibt) fährt er abends durch die mit jungen Leuten bevölkerte Gegend. Alle sind auf der Suche nach einer großen Party, um den Sommer würdig einzuläuten…
"Dazed And Confused" ist keine Stoner-Comedy, sondern eine Zeitkapsel
Das lose Handlungsgerüst von „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“ ist bewusst gewählt: Regisseur und Drehbuchautor Richard Linklater, der selbst seine Jugend in Texas in den 1970ern verbracht hatte, wollte das damalige Lebensgefühl einer beseelten Ziellosigkeit auf undramatische, aber treffende Weise einfangen. Dabei stand ihm ein engagierter Cast zur Seite, aus denen später einige große Stars hervorgehen sollten: Neben Matthew McConaughey ist Ben Affleck als Rüpel zu sehen und in kleineren Rollen tauchen Milla Jovovich, Renée Zellweger und Parker Posey auf.
Doch trotz der Fülle an Charakteren weicht „Dazed And Confused“ erwartbaren Mustern konsequent aus, was auch in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik als Qualität hervorgehoben wird: „Während bei Ensemblefilmen sonst oft Klischees angehäuft werden, die in ihrer Summierung ein Gesellschafts-Panorama oder eine Milieustudie ergeben sollen, kommt es in ‚Dazed And Confused‘ auf die Stimmigkeit von Momenten und Situationen an.“
Anders agierte der Verleih, als es um die Vermarktung von „Confusion“ zum Kinostart ging: Entgegen Linklaters Wunsch wurde der Film in Werbematerialien als Stoner-Komödie dargestellt, was trotz des gelegentlich zu sehenden Marihuana-Konsums unzutreffend ist. Vielmehr ist „Dazed And Confused“ eine interessant dahingleitende Zeitkapsel, die ein flüchtiges Zeit- und Lebensgefühl einfängt und es mit einem Publikum teilt, das dabei sofort an die eigene Jugend denken muss.
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