Ich habe in diesem Jahr schon 108 Filme im Kino gesehen – die 3 besten sind nicht von 2026!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Rund die Hälfte aller Filme, die ich 2026 bisher gesehen habe, habe ich im Kino erlebt. Warum die besten davon gar nicht aus dem aktuellen Kinojahr stammen, erfahrt ihr hier.

Studiocanal

Im vergangenen Jahr habe ich insgesamt 193 Filme im Kino gesehen. Dieses Jahr habe ich die Schlagzahl noch erhöht, und nun bin ich nach etwas mehr als vier Monaten bereits bei 108. Zu meinen Highlights auf dem laufenden Kinojahr zählen bislang „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, „Marty Supreme“, „Der Astronaut – Project Hail Mary“, „Meine Frau weint“, „Die Blutgräfin“, „Send Help“, „Primate“, „28 Years Later: The Bone Temple“, „Is This Thing On?“, „Dao“ und – nachdem ich ihn ein zweites Mal gesehen habe – „Das Drama – Noch mal auf Anfang“.

Doch es gibt eine Sache, die ich noch lieber tue, als aktuelle Kinofilme zu schauen: auf der großen Leinwand in die Filmgeschichte eintauchen, bevorzugt anhand analoger, im Idealfall farbechter 16-, 35- oder 70mm-Kopien. Paradoxerweise ist das für mich nicht vorrangig eine archivalische Tätigkeit, kein musealer Akt. Vielmehr fühlt sich die Vergangenheit des Kinos für mich oft lebendiger an als seine Gegenwart.

Das liegt zum einen im Material begründet, zum anderen aber auch daran, dass die Beschäftigung mit der vordigitalen Ära – die schließlich den Großteil der Filmgeschichte ausmacht – sowohl an den Rändern als auch im sogenannten Mainstream immer wieder Überraschungen und Entdeckungen zutage fördert. Kurzum: Im Kino von gestern finde ich etwas, das unter den ästhetischen Bedingungen der 2020er-Jahre nicht immer entstehen kann.

Subversives Genre-Kino, ein Komödien-Marathon, Grindhouse und Old Hollywood

Natürlich ist das allein schon eine Möglichkeits- und damit nicht zuletzt eine Ortsfrage. Ich lebe in Berlin, habe also zahlreiche Optionen, analoge Kino-Screenings zu besuchen. Das Hackesche Höfe Kino beispielsweise zeigt jeden Freitag einen Klassiker auf 35mm, auf diese Weise habe ich zum Beispiel in diesem Jahr gleich drei subversive Meisterwerke aus der Hollywood-Phase von Paul Verhoeven wiedergesehen – „RoboCop“, „Basic Instinct“ und „Showgirls“.

Dann ist da der Filmrauschpalast in Moabit, der zum Beispiel das Off-Festival STUC hostet, in dessen Rahmen ich acht (!) Komödien mit dem von mir eigentlich nicht sonderlich geliebten Dieter Hallervorden hintereinander geschaut habe – zugegeben ein ziemlicher Kraftakt, aber durchaus lohnenswert, wenn man die Genese des „Honig im Kopf“-Stars nachvollziehen und zusätzlich einen Einblick ins Humorverständnis der alten BRD erhalten möchte.

Die acht Filme schlagen einen Bogen von schleppend-trüber Muffigkeit („Ach du lieber Harry“) über tatsächlich virtuose Physical-Comedy-Kapriolen („Didi – Der Doppelgänger“) bis hin zu selbstgefälligem Polit-Kabarett an der Grenze zum Schaubaren („Alles Lüge“).

Ein weiteres Filmrausch-Highlight stellt die Pleasure-Dome-Reihe dar, die vom Kollektiv Zelluloid42 veranstaltet wird und im Geiste der Grindhouse-Tradition einmal monatlich zu einem analogen Double Feature mit Klassikern oder Übersehenem aus Exploitation, Horror und Underground lädt.

Zuletzt konnte man dort Joe D'Amatos eigenwilligen, nicht nur genderpolitisch interessanten Beziehungsfilm „Elf Tage, elf Nächte“ sowie den einnehmend finsteren Porno „The Devil In Miss Jones“ im Doppel schauen. Sowohl in den Hackeschen Höfen als auch im Filmrausch gab es zudem Hommagen an den vergangenen Dezember verstorbenen Rosa von Praunheim, durch die ich erstmals in Kontakt mit seinen bewegenden Dokumentar-Grenzgängen „Ich bin meine eigene Frau“ und „Überleben in New York“ gekommen bin.

Dann ist da noch das Zeughauskino, das regelmäßig lohnende Retrospektiven zeigt, in diesem Jahr etwa eine Reihe über das 40er-Jahre-Screwball-Genie Preston Sturges. Zwischen beglückenden Wiederbegegnungen („Die Falschspielerin“, „Sullivans Reisen“) und überfälligen Erstkontakten („Sensation in Morgan's Creek“, „Heil dem siegreichen Helden“) bot dieser zehn Filme umfassende Schwerpunkt eine großartige Chance, in konzentrierter Weise die formale und erzählerische Einzigartigkeit eines der besten Komödien-Regisseure der Hollywood-Historie zu entdecken.

Leider ist nur ein einziger seiner Filme zurzeit in Deutschland auf DVD oder Blu-ray erhältlich, während man im Streaming überhaupt kein Glück hat:

Etwas ausufernder ist die noch immer laufende Reihe über Allesfilmer Harald Reinl, der vom Heimatfilm über Edgar-Wallace-Krimis bis hin zu Schul-Komödien und Western nahezu die gesamte Bandbreite des deutschen Kino-Mainstreams der 1950er- bis 1970er-Jahre abgedeckt hat.

Sein Melodram „Sie liebten sich einen Sommer*“ habe ich wiederum vorletzes Jahr beim Hofbauer-Kongress in Nürnberg gesehen, einem weiteren Off-Festival, das sich den unentdeckten und ignorierten Bereichen des Populär-Films vergangener Dekaden verschrieben hat – mit einem besonderen erotischen Fokus.

Die 23. Ausgabe zählte nun ebenfalls zu den großen Höhepunkten meines Kinojahres 2026, gerade deshalb, weil ich hier mal abgesehen von der mittlerweile sagenumwobenen Heimatfilm-Singularität „Herbstromanze“ (1980) fast ausschließlich Filme gesehen habe, denen ich auf anderen Wegen niemals begegnet wäre. Nicht jeden davon fand ich großartig, aber keinen uninteressant.

Das sind die 3 besten Filme meines bisherigen Kinojahres

Ich könnte noch eine Weile so weitermachen, doch bevor es langweilig wird, hier noch die drei versprochenen besten Filme, für die ich ohne Weiteres die vollen fünf Sterne zücken würde (viele der bisher genannten kratzen zumindest daran). Zwei davon habe ich bereits erwähnt: Preston Sturges' selbstreflexives Slapstick-Meisterstück „Sullivans Reisen“ (1940) sowie Paul Verhoevens zeitlos elegant und maximal effektiv an der Grenze zwischen Sleaze und Hochglanz operierender Erotik-Thriller „Basic Instinct“ (1992).

Und dann ist da noch ein Film, der irgendwie doch aus diesem Kinojahr stammt: „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“, Quentin Tarantinos vierter Langfilm aus dem Jahr 2003, der erstmals nicht als Zweiteiler, sondern in der ursprünglich intendierten Komplettfassung im regulären Kinoprogramm zu sehen war.

Mit diesem Screening (70mm im Delphi Filmpalast) ist für mich ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen, denn im Alter von etwa 14 Jahren wollte ich kaum etwas mehr, als „Kill Bill“ auf der großen Leinwand zu sehen. Doch ich lasse mich in der Regel nicht von Nostalgie-Gefühlen bestechen, und somit wäre ich wohl höchstens halb so begeistert, wenn mir Tarantinos rund vier Stunden umfassende, stilistisch aus allen Nähten platzende und zugleich überraschend emotional grundierte Martial-Arts-Extravaganz nicht auch heute noch etwas zu sagen hätte.

Ich bin also sehr dankbar für die zahlreichen Möglichkeiten, auch abseits der hiesigen Filmstarts regelmäßig auf Entdeckungsreise gehen zu dürfen, denn erst durch die daraus entstehende ästhetische Vielstimmigkeit weitet sich der Kinosaal für mich wirklich zum Erfahrungsraum. Wenn ihr noch wissen wollt, welchen absoluten Lieblingsfilm von mir ich vor rund zwei Jahren erstmals auf der Leinwand erleben durfte (und warum das eine absolute Offenbarung war), dann lest doch auch den folgenden Artikel:

Ich habe den für mich wichtigsten Film der Welt nach 20 Jahren im Kino wiedergesehen – das Erlebnis hat meine Erwartungen noch übertroffen

FILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.

*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren