Ich habe 2025 insgesamt 193 Filme im Kino gesehen – und das ist der beste!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Die 200 Kinobesuche habe ich im nun endenden Jahr nicht ganz geknackt, aber immerhin war ich kurz davor – und ein Film hat zum Ende hin noch einmal alle anderen überflügelt. Hier erfahrt ihr, um welches Meisterwerk es geht.

Dank meines sorgfältig geführten Filmtagebuchs auf der Cinephilen-Plattform Letterboxd ließ sich die Anzahl meiner Kinobesuche leicht nachvollziehen: 2025 habe ich insgesamt 193 Filme auf der großen Leinwand gesehen – also immerhin rund ein Drittel aller von mir in den letzten zwölf Monaten geschauten Filme. Fürs kommende Jahr habe ich den festen Vorsatz, die 200 Kinobesuche zu knacken.

Entstanden ist diese Menge nicht allein durch reguläre Kinostarts, auch wenn diese natürlich einen entscheidenden Anteil an meinem Kinopensum hatten. Auf Festivals wie der Berlinale, den Internationalen Filmfestspielen von Venedig oder dem STUC habe ich besonders viel Zeit in Kinosälen verbracht, und zum aktuellen Leinwand-Geschehen gesellten sich hin und wieder noch analoge 35mm-Vorführungen älterer Filme, die teils zu den absoluten Highlights meines Kinojahres wurden.

Auf diese Weise habe ich so unterschiedliche Werke wie den Italo-Western „Der Tod ritt dienstags“, den Action-Klassiker „Last Boy Scout“, David Lynchs Kino-Vermächtnis „Inland Empire“, den B-Horrorfilm „Klauen des Todes“ oder die Porno-Unfassbarkeit „Biggi – Eine Ausreisserin“ im Kino bewundern können. Allein elf Filme wiederum habe ich in einer Retrospektive über den deutschen Schauspieler und Regisseur Willi Forst im Berliner Zeughaus Kino gesehen, darunter (zu Unrecht übersehene) Meisterwerke wie „Das Lied ist aus“ oder „Mazurka“.

Einen besseren Film habe ich 2025 nicht im Kino gesehen

Mein absolutes Highlight aber – zumindest, wenn ich mich tatsächlich entscheiden müsste – kam ganz zum Schluss: Während „One Battle After Another“ mein Film des Jahres war, war ich womöglich für keine Kinovorstellung so dankbar wie für das erst vor wenigen Tagen besuchte 35mm-Screening von Stanley KubricksEyes Wide Shut“ (1999) im Filmrauschpalast Moabit.

Eyes Wide Shut
Eyes Wide Shut
Starttermin 9. September 1999 | 2 Std. 39 Min.
Von Stanley Kubrick
Mit Tom Cruise, Nicole Kidman, Madison Eginton
User-Wertung
4,1
Filmstarts
4,5

Direkte Vergleiche mit Screenshots sämtlicher digitaler Versionen haben allesamt eine klare Sprache gesprochen: Nirgends wurde die originale Farbpracht des Films jemals wieder ganz erreicht – neuere Versionen wie die vielgelobte 4K-Restaurierung von Criterion könnte man mit ihrem Drall zum Grünstich sogar als grob verzerrend bezeichnen.

Nie wieder war das Blau von „Eyes Wide Shut“ durchdringender, nie wieder hat die nahezu jede Szene dominierende Weihnachtsbeleuchtung intensiver gestrahlt. So gesehen war das Kinoerlebnis vor allem auch eine Erinnerung daran, warum analoge Projektionen in den meisten Fällen noch immer die allerbeste Form sind, einen „alten“ Film zu sehen – auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass das längst nicht in allen Städten und Regionen möglich ist.

"Eyes Wide Shut" ist Stanley Kubricks bester Film

Doch auch abgesehen von technischen Details war die Wiederbegegnung mit Kubricks finalem Werk eine absolute Offenbarung für mich. Früher habe ich „Eyes Wide Shut“ – wie auch andere Regiearbeiten des „2001“- und „Shining“-Schöpfers – sehr häufig gesehen, seitdem lange nicht mehr. Mittlerweile würde ich so weit gehen, zu sagen, dass es sich bei der Adaption von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ möglicherweise um seinen besten Film handelt.

Und zwar gerade deshalb, weil der notorische Kontrollfreak Kubrick nicht mehr sämtliche Zügel fest in der Hand zu haben scheint, etwa die Dynamik zwischen dem Gerade-noch-Ehepaar Nicole Kidman und Tom Cruise ganz offensichtlich außerhalb seines Einflussbereichs liegt (überhaupt ein in der Kinogeschichte vielleicht einzigartig genialer Besetzungscoup), er bei aller angestrebten Perfektion mit Quatsch und Schmier flirtet, sich während der legendären Maskenball- und Orgienszene auch mal einen Crash Zoom erlaubt wie in einer Komödie oder einem 70er-Jahre-B-Film. Statt penibel symmetrisierter Kompositionen folgen wir Cruise in endlos scheinenden Steadicam-Fahrten durch das nächtliche, als vorweihnachtliches New York verkleidete London.

Nicole Kidman und Tom Cruise in Warner Bros.
Nicole Kidman und Tom Cruise in "Eyes Wide Shut".

Ja, „Eyes Wide Shut“ ist atmosphärisch beispiellos einnehmend, traumwandlerisch, zuweilen beunruhigend, zugleich für Kubricks Verhältnisse aber auch erstaunlich lustig – man achte auf die identisch geschmückten Christbäume in fast jedem Raum oder darauf, wie Cruises William „Bill“ Harford zur Legitimation aller seiner Handlungen seinen Ärzteausweis zückt, als handele es sich um eine Polizeimarke. Und wie könnte ein Film, in dem sich „Der Schuh des Manitu“-Star Sky du Mont als ungarischer Geschäftsmann Sandor Szavost vorstellt, nicht zumindest AUCH eine Komödie sein?

Man müsste hier noch über viele Dinge schreiben, aber zumindest die Performance von Tom Cruise (der zu meiner Überraschung deutlich mehr Screentime bekommen hat als die im direkten Vergleich kaum präsente Kidman) muss noch einmal gesondert erwähnt werden: Im Rückblick ist es eigentlich unglaublich, dass der heute meist auf Nummer sicher gehende, kontrolliert und vorhersehbar sein Image verwaltende „Mission: Impossible“-Star im Jahr 1999 sowohl in „Eyes Wide Shut“ als auch „Magnolia“ aufgetreten ist – und damit kurz nacheinander gleich zwei Rollen gespielt hat, die offen Einblick hinter seine Fassade gewähren, die ihn brüchig erscheinen lassen. Der Schnitt von Kidmans Gesicht im Close-up hin zu dem auf dem Sofa zusammengesunkenen Cruise in einer ihn nur noch kleiner erscheinen lassenden Halbtotale ist – neben einem der besten Filmenden der letzten 30 Jahre – wohl Kubricks letzter Meisterstreich.

Apropos Kubrick – auch der 1999 verstorbene Regisseur, der die Premiere von „Eyes Wide Shut“ übrigens nicht mehr miterlebte, hat ab und zu ausgiebig über andere Filme geschwärmt. Sein absoluter Lieblingsfilm ist sogar eine ziemliche Überraschung, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt:

"Der beste Film, den ich je gesehen habe": Dieses Meisterwerk erhielt das ultimative Lob von Regie-Legende Stanley Kubrick
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