"Kleinlich, gemein und verletzend": Der Regisseur dieses Netflix-Neuzugangs lästerte über Keira Knightley – und bereut es
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Die bittersüße Tragikomödie „Can A Song Save Your Life?“ besticht mit quirligem New-York-Lokalkolorit und inniger Liebe zum Thema Musik. Jetzt könnt ihr den Geheimtipp über Freundschaft, Kummer und Romantik auf Netflix streamen.

Das romantische Indie-Musikdrama „Once“ war zwar nicht der erste Film des irischen Regisseurs und Drehbuchautoren John Carney. Aber es darf guten Gewissens als sein Durchbruch bezeichnet werden: Der Überraschungserfolg nahm 2007 weltweit mehr als das 155-fache (!) seines 150.000 Dollar hohen Budgets ein, wurde von euphorischen Kritiken begleitet und gewann den Academy Award für den besten Song.

2013 reichte der Filmemacher „Can A Song Save Your Life?“ nach, eine weitere Verquickung aus Musik, romantischer Sehnsucht und Dramatik – dieses Mal angereichert um New Yorker Lokalkolorit, Galgenhumor, sanfte Situationskomik und eine Hollywood-Starbesetzung. Das erntete zwar weniger erstauntes, aber immer noch positives Echo seitens der Kritik und eine Oscar-Nominierung, schien jedoch an Carneys eigenen Erwartungen zu scheitern.

Denn drei Jahre später zog der Regisseur während der Promo für „Sing Street“, seinem nächsten Film, über „Can A Song Save Your Life?“ und ganz speziell über Hauptdarstellerin Keira Knightley her. Nach einigem Gegenwind bat Carney allerdings für seine Äußerungen um Vergebung.

Nun könnt ihr euch ganz leicht einen Eindruck davon erschaffen, wie sehr „Fluch der Karibik“-Ikone Knightley diesen zudem mit den Marvel-Stars Mark Ruffalo und Hailee Steinfeld sowie Popstar Adam Levine und Rapper CeeLo Green besetzten Film bereichert. Denn ab sofort ist „Can A Song Save Your Life?“ bei Netflix abrufbar!

Darum geht es in "Can A Song Save Your Life?"

Gretta (Keira Knightley) schiebt langsam ihre Musikkarriere an, als sie von ihrem langjährigen Lebenspartner Dave (Adam Levine) verlassen wird, weil er sich auf sein erfolgversprechendes Engagement bei einem großen Plattenlabel konzentrieren will. Das zieht sie runtr – doch ihr Umgang mit diesem Wehmut rettet dem in Verruf geratenen Plattenproduzenten Dan (Mark Ruffalo) das Leben.

Denn der hört während einer suizidalen Phase zufällig Grettas Konzert auf einer winzigen Bühne im New Yorker East Village – und ist sofort von ihrem Talent überwältigt. Der ebenfalls eine Trennung durchmachende und verzweifelt einen Draht zu seiner Tochter Violet (Hailee Steinfeld) suchende Musikliebhaber möchte daher mit Gretta einen Neuanfang wagen. Sie planen, ein Album an quirligen Orten der Großstadt aufzunehmen und so klinischen Studioklang gegen authentisches Lokalkolorit zu tauschen. Parallel dazu entwickeln Gretta und Dan eine Beziehung, die auf gegenseitiger Unterstützung und Bestätigung beruht...

Charisma, bittersüße Stimmung und schöne Klänge

2016 schimpfte Carney über seine ebenso hoffnungs- wie kummervolle Regiearbeit, sie sei zu unpersönlich und hätte zu viel Keira Knightley. „Das eigentliche Problem war, dass Keira keine Sängerin und auch keine Gitarrenspielerin ist“ ließ er sich zitieren. Weiter klagte er, dass „es einen gewissen Grad an Ehrlichkeit und Selbstreflexion bedarf, um zu schauspielern – und dafür ist sie einfach noch nicht bereit.“

Es folgte ein Sturm der Entrüstung von anderen Filmschaffenden, die mit Knightley zusammenarbeiteten und nur Lob für ihre Professionalität am Set und ihre Leistung vor der Kamera übrighatten. Das schien wiederum Carney zur Selbstreflexion zu zwingen. Er ruderte zurück und gab sich reumütig: „Ich habe ein paar Dinge über Keira gesagt, die kleinlich, gemein und verletzend waren. Ich schäme mich, dass ich so etwas sagen konnte.“ Mehr über den Carney-Knightley-Zwist haben wir euch im folgenden Artikel verraten:

"Kleinlich, gemein und verletzend": Dieser Regisseur schämt sich dafür, wie er mit Keira Knightley umgegangen ist

Der Verfasser dieses Streaming-Tipps indes war 2013 ganz von Knightleys Darbietung verzaubert und ist es auch heute noch – und ebenso vom mit ihr wundervoll harmonierenden Ruffalo: Die „Abbitte“-Hauptdarstellerin und der „Avengers“-Hulk ergeben ein charismatisches Doppel aus Menschen, die sich aufmuntern, miteinander schluchzen und über Musik, Liebe sowie Freundschaft sinnieren.

Davon geht dank gewitzt-grüblerischer Dialoge sowie der unaufgeregten, facettenreichen Performances eine heilsame, unkitschige Stimmung aus: Diese mit abwechslungsreicher, schöner Musik bespickte Tragikomödie mutet wie ein aufgrund eines Sommerregens ins Wasser gefallener Sonntagnachmittag an, den man mit einer großen Tasse herzlich-floralem Tee und der Lieblingsplatte verbringt.

Selbst der in Filmen zumeist bemüht wirkende James Corden ist hier als lebensfroher Straßenmusiker und aufmunternder Kumpel der Protagonistin Greta angenehm. Und wie Carney in diesem Film die filmisch längst überreizte Metropole New York City auf überraschend idyllisch-einladende, zugleich lebhafte Weise neu erfindet, ist zweifelsohne denkwürdig!

Und wenn ihr nach diesem herzerwärmenden Pop-Gegenwartsmärchen mit poetisch-dramatischen Zwischentönen noch mehr Netflix-Futter sucht, befolgt doch auch diese Tipps:

Die 3 besten Serien, die ihr dieses Wochenende auf Netflix schauen müsst

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