"Kleinlich, gemein und verletzend": Dieser Regisseur schämt sich dafür, wie er mit Keira Knightley umgegangen ist
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob Showtunes im Broadway-Stil, zuckersüße Teenie-Pop-Revue oder bluttriefende Rock-Party: Sidney hat eine Schwäche für Musicals, die ihn bereits durch allerlei cineastische Höhen und Tiefen geführt hat.

Zwischen seinem Indie-Überraschungserfolg „Once“ und dem Retro-Pop-Kultfavoriten „Sing Street“ drehte der irische Musiker John Carney eine Tragikomödie mit Keira Knightley und Mark Ruffalo – und hat dann über den "Fluch der Karibik"-Star gelästert.

Sie hat eine beliebte Rolle in der mehrere Milliarden Dollar schweren „Pirates Of The Caribbean“-Saga gespielt, prägte dank „Stolz und Vorurteil“, was eine Generation an sentimentalen Herzen von beiläufigen Liebesgesten erwartet, und bekam zwei Oscar-Nominierungen: Keira Knightley hat längst bewiesen, dass sie in verschiedenen Genres glänzt – von der romantischen Weihnachtskomödie („Tatsächlich… Liebe“) zum Spionage-Thriller („Black Doves“).

Knightley erreichte allerdings im jungen Alter rasant Prominenz, und die Medienöffentlichkeit hat ihre Schwierigkeiten damit, berühmte junge Frauen angemessen zu behandeln: Nachdem sie in die A-Liga Hollywoods katapultiert wurde, brach auf Knightley jahrelang ein verwirrender Strudel an immensem Lob und erbarmungsloser Kritik herein. Das knackste ihr Selbstwertgefühl derart an, dass sie sich, wie sie Jahre später verraten hat, für eine Therapie entschied (wir berichteten).

Vor diesem Hintergrund dürfte die medienwirksame Kritik eines Regisseurs an der „Abbitte“-Darstellerin noch harscher wirken. Denn ein Filmemacher sprach Keira Knightley nach seiner Zusammenarbeit mit ihr ab, eine richtige Schauspielerin zu sein – eine Schelte, für die er sich schämen sollte...

"Sie war nicht bereit für diesen Film": Aus Selbstkritik wurde eine Abrechnung mit Knightley

Der irische Musiker John Carney begann seine Karriere als Regisseur und Drehbuchautor zwar bereits 1996, doch erst elf Jahre später sollte er erstmals für Aufmerksamkeit sorgen: Das musikalische Romantikdrama „Once“ wurde sehr positiv besprochen und mauserte sich bei einem Budget von 150.000 Dollar zum stattlichen Indie-Erfolg.

„Once“ kam weltweit auf ein Einspielergebnis von 23,3 Millionen Dollar, zudem gewann der Film den Oscar für das beste Lied und wurde 2011 als Bühnenstück adaptiert. 2013 reichte Carney die Tragikomödie „Can A Song Save Your Life?“ nach, in der Mark Ruffalo einen suizidalen Mann spielt.

Dieser wird aus seiner Abwärtsspirale gerissen, als er auf die Musik einer Singer-Songwriterin (Keira Knightley) stößt, die mit ihren Kompositionen ihre Trennung von einem erfolgreichen Popmusiker (Adam Levine) verarbeitet. Ihr könnt „Can A Song Save Your Life?“ unter anderem via Amazon Prime Video als VoD leihen und kaufen:

Kommerziell war „Can A Song Save Your Life?“ ein weiterer Erfolg für Carney: Die acht Millionen Dollar teure Produktion spielte an den Kinokassen global fast 85 Millionen Dollar ein. Und auch das Echo der Filmpresse war positiv, wenngleich nicht mehr derart überrascht-euphorisch wie bei „Once“. In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik etwa vergaben wir gute 3,5 Sterne und attestierten dem Film, dick aufzutragen zu sein und trotzdem „eine entwaffnende Poesie“ zu entwickeln.

Carney selbst war allerdings unzufrieden mit seinem Film – und machte ihn daher nieder, als er sich 2016 auf Promotour für „Sing Street“ befand, seinem nächsten Langfilm. Im Interview mit The Independent betonte er, sein neuer Film sei im Gegensatz zu „Can A Song Save Your Life?“ ein „kleiner, persönlicher Film ohne Keira Knightley“ und daher „wirklich zufriedenstellend“.

Weiter klagte er über seine Tragikomödie aus dem Jahr 2013: „Das eigentliche Problem war, dass Keira keine Sängerin und auch keine Gitarrenspielerin ist“ und dass „es einen gewissen Grad an Ehrlichkeit und Selbstreflexion bedarf, um zu schauspielern – und dafür ist sie einfach noch nicht bereit.“ Carney behauptete auch, Knightley hätte den Dreh unnötig erschwert und wäre nicht richtig bei der Sache gewesen. Letztlich zog er das Fazit: „Ich habe gelernt, nie wieder einen Film mit Supermodels zu drehen.“

Knightley wurde eifrig verteidigt

Diese Schelte blieb nicht unbeantwortet: Zahlreiche Filmschaffende, darunter „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“-Macherin Lorene Scafaria und „Alles, was wir geben mussten“-Regisseur Mark Romanek, meldeten sich zu Wort. Sie betonten, dass sie Knightleys Schauspieltalent und Arbeitsethos wertschätzen, und hielten fest, Knightley sei am Set stets völlig unkompliziert (wir berichteten).

Über Twitter ruderte Carney daraufhin zurück: „Ich habe ein paar Dinge über Keira gesagt, die kleinlich, gemein und verletzend waren. Ich schäme mich, dass ich so etwas sagen konnte.“ Weiter schrieb der Regisseur: „Beim Versuch, Fehler in meiner eigenen Arbeit zu finden, habe ich letztlich bloß jemand anderem die Schuld zugeschoben.“ Er nannte sein Verhalten „grausig“ sowie „arrogant und respektlos“.

Carney betonte, dass Knightley am Set „stets professionell und engagiert war“ und „wesentlich zum Erfolg“ des Films beigetragen hätte. Er habe ihr zudem eine persönliche Bitte um Vergebung geschrieben. 2019 wurde Knightley von der Irish Times (via RTE) auf diesen Vorfall angesprochen und sie verriet, dass sie Carneys Bitte um Entschuldigung akzeptiert hat. Zudem nahm sie seine Kritik mit Humor: „Zeit meines Lebens hat man schon viele, schlimme Dinge zu mir gesagt – aber nie zuvor hat mich jemand ein Supermodel genannt. Danke!“

Welchen ihrer Filme Knightley wiederum als „ziemlich herausfordernd“ bezeichnet hat, und welche Rekorde bei den Dreharbeiten gebrochen wurden – das erfahrt ihr im folgenden Artikel:

"Ich nenne es nicht Schauspielen – ich nenne es Überleben!": So hart waren die Dreharbeiten zu einem der teuersten Filme aller Zeiten

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