Abgedrehte, provokante Sci-Fi-Action vom "Fluch der Karibik"-Macher – jetzt im Heimkino nachholen!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Viel zu lang hat es gedauert, doch Anfang 2026 war es so weit: „Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinski kehrte mit einem neuen Film auf die Leinwand zurück. Und jetzt wartet sein irrer Sci-Fi-Trip darauf, von euch im Heimkino entdeckt zu werden.

Er inszenierte den brillanten Abenteuer-Blockbuster „Fluch der Karibik“ und seine ersten zwei, noch ambitionierteren Fortsetzungen. Außerdem stammen von ihm eines der besten Horror-Remakes der Kinogeschichte („Ring“), der wilde Animationswestern „Rango“ und der brutal unterschätzte Gruselthriller „A Cure For Wellness“:

Gore Verbinski ist ein herausragender Regisseur, dem jedoch noch immer nicht der angemessene Respekt gezollt wird und die ihm gebührenden Chancen gegeben werden. Daher verstrichen zwischen den Weltpremieren von „A Cure For Wellness“ und „Good Luck, Have Fun, Don't Die“, seinem neusten Film, geschlagene neun Jahre! Eine qualvoll lange Wartezeit, wenn man mich fragt!

Und da Verbinskis durchgeknallter, bitterböser Mix aus Technik-Satire, Zeitreise-Action und Sci-Fi-Wahnwitz an den Kinokassen nicht einmal sein Budget von 40 Millionen Dollar wieder eingespielt hat, habe ich Bammel, wie lange die Wartezeit auf einen nächsten Streich wohl ausfallen wird. Nun aber düst Verbinskis neuster Film erst einmal ins Heimkino: „Good Luck, Have Fun, Don't Die“ erscheint am 5. Juni 2026 als limitierte Collector's Edition in 4K!

Alternativ gibt es den mit „Moon“-Star Sam Rockwell besetzten Sci-Fi-Trip auf DVD und Blu-ray* sowie auf zahlreichen Plattformen als VOD, darunter bei Amazon Prime Video*.

Darum geht es in "Good Luck, Have Fun, Don't Die"

Die erschütternd nahe Zukunft: Norm's Diner in Los Angeles wird von einem abgewrackten Typen (Sam Rockwell) heimgesucht, der einen sonderbaren Apparat umgeschnallt hat und wirres Zeug labert. Er behauptet, dass es sich bei ihm um einen Zeitreisenden handelt und er zum 117. Mal hier ist, um aus den anwesenden Leuten die eine Truppe zusammenzustellen, die die Menschheit vor dem Untergang bewahren kann. In wenigen Stunden werde nämlich eine künstliche Intelligenz völlig außer Kontrolle geraten.

Der KI-kritische Prediger wird mit genervten und ungläubigen Blicken bedacht. Nur ein paar Leute lassen sich (teils mit Nachdruck) dazu überreden, sich ihm anzuschließen – darunter Ingrid (Haley Lu Richardson), Mark (Michael Peña), Janet (Zazie Beetz), Scott (Asim Chaudhry) und Susan (Juno Temple). Denn manche von ihnen haben bereits ihre eigenen, erschreckenden Erfahrungen gesammelt, was verantwortungsloser Umgang mit Technik bewirkt...

Apokalypse-Action-Abenteuer trifft "Black Mirror"-Marathon

Während der namenlose Zausel, den Rockwell mit gewinnendem Charisma, amüsantem Wahnwitz und tänzerischem Bewegungsdrang spielt, seine teils widerwilligen Sidekicks durch das nächtliche Los Angeles führt, wo schießwütige Fieslinge, smartphonesüchtige Teenager und groteske Wesen warten, springt der Film mehrmals zurück: Verbinski und „Love And Monsters“-Drehbuchautor Matthew Robinson untermauern ihre Mahnung vor einer nahen Zukunft, in der kalt berechnete, digitale Dauerwunscherfüllung das reale, traurig-schöne, herausfordernd-erfüllende Leben ersetzt, mit weiteren Spitzen gegen selbstzerstörerischen Technikwahn.

Die Tonalität dieser in Rückblicken präsentierten, an „Black Mirror“ erinnernden Hintergrundgeschichten ausgewählter Figuren ist bewusst wechsellaunig. Dass das zerstrittene Pärchen Mark & Janet sich vor Teenagern fürchtet, die sich auf ihren Smartphones miese Videos anschauen und Ablenkung davon nicht auf die leichte Schulter nehmen, etwa ist keine originelle Idee.

Doch Verbinski suhlt sich in diesem Aspekt seiner Tech-Satire in süffisanter Übertreibung – und bespickt die altbekannte „Guckt mal weg vom Bildschirm!“-Moral mit spitzeren Beobachtungen über gefährlich gesteuerte Algorithmen und Anspruch zersetzenden, inhaltslosen KI-Rotz.

Trauer? Welche Trauer?! Wir haben KI!

Quirliger und zugleich deutlich provokanter geraten bittere Seitenhiebe darauf, wie sehr in den USA Amokläufe zum schnöden Alltag geworden sind, die mit einem Blick auf die stumpfen Versprechen hinter KI-Trauerbegleitung verquickt werden. Und „The White Lotus“-Star Haley Lu Richardson verleiht als deprimierte, desillusionierte WLAN-Allergikerin ihrem Handlungsfaden gekonnt trockenen Witz und eine solide, nette Dosis Rührseligkeit.

Verbinskis sonst so visionäres Auge als Regisseur kommt in „Good Luck, Have Fun, Don't Die“ derweil nicht voll zur Geltung. Stattdessen inszeniert er kleine Teile der Rückblenden und große Stücke der den Film vorantreibenden Quest auf doppelbödige Weise als feiste Aneinanderreihung von visuellen Hommagen und abstrusem „Ich mach's, weil ich's kann“-Witz. Das zündet nicht immer – aber oft!

„Good Luck, Have Fun, Don't Die“ reicht für mich daher nicht an Verbinskis Ausflüge in die verfluchte Karibik, das Horror-Genre oder den Wilden Westen heran, hat aber dennoch mächtig Spaß gemacht und verfügt über absolutes Kultfilmpotential. Schließlich ist das hier, wie FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen in seiner Kritik festhielt, ein „ätzend-satirisches Science-Fiction-Feuerwerk“. Und sowas wird ja gerne durch wiederholte, nächtliche Filmmarathons auf dem heimischen Sofa erst so richtig wertgeschätzt – hoffentlich aber nicht via VR-Brille!

Und unser folgender Sci-Fi-Heimkino-Tipp ist sogar schon ein Kultklassiker. Mehr zum lang erwarteten 4K-Debüt erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Das wurde auch Zeit! Einer der legendärsten Sci-Fi-Filme der 80er kehrt zurück in die Heimkinos – zur Einstimmung auf Teil 2

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