Unter Cineasten gilt es beinahe als ungeschriebenes Gesetz, Filme stets in der Originalfassung zu schauen. Das hat wenig mit kultureller Überheblichkeit zu tun, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass die Stimme ein essenzieller Bestandteil jeder schauspielerischen Performance ist. In einer Synchronfassung können nicht nur Klangfarbe, Sprachrhythmus oder Satzmelodie verloren gehen, sondern auch emotionale Nuancen, Wortspiele und ganz individuelle Eigenheiten der Darsteller*innen.
Gleichzeitig sollte man anerkennen, dass gute Synchronsprecher*innen ebenfalls in der Lage sind, Gefühle überzeugend zu transportieren. Ein Film wird nicht automatisch zu einer schlechteren Seherfahrung, nur weil man ihn in der synchronisierten Fassung schaut. Mitunter lassen sich in einer Synchronisation sogar Details entdecken, die in der Originalversion gar nicht vorhanden sind. Schließlich ist Synchronisation selbst eine Kunstform, die zwangsläufig eine eigene kreative Dynamik entwickelt und dadurch neue Akzente setzen kann.
"Scary Movie 6": Diesen Gag gibt's nur in der deutschen Fassung!
Mit „Scary Movie 6“ läuft aktuell ein Film in den Kinos, bei dem es sich grundsätzlich lohnt, zur Originalfassung zu greifen. Das häufig verwendete afroamerikanische Englisch besitzt einen ganz eigenen Rhythmus und Klang, die sich in der deutschen Synchronisation nur schwer einfangen lassen. Es gibt aber eine Szene, die in der deutschen Fassung sogar noch besser funktioniert.
Auf einer Halloween-Party erscheint Ray (Shawn Wayans) als Cowboy. Brenda (Regina Hall) ist überzeugt davon, dass er Woody aus „Toy Story“ darstellen soll. Ray stellt jedoch klar, dass er in seinem Kostüm Jake Gyllenhaal aus „Brokeback Mountain“ verkörpert. Anschließend zitiert er direkt einen der berühmtesten Sätze aus dem vielfach gefeierten Drama von 2005: „Wenn ich nur wüsste, wie ich von dir los komme“.
Schon für sich genommen ist das ein gelungener Gag. In der deutschen Synchronfassung erhält er jedoch noch eine zusätzliche Ebene. Marius Clarén ist hierzulande die Stammstimme von Jake Gyllenhaal. Gleichzeitig spricht er in den allermeisten Fällen auch Shawn Wayans – so natürlich ebenfalls in der „Scary Movie“-Reihe. Dadurch entsteht eine kuriose Überschneidung: Wenn Ray Jake Gyllenhaal imitiert, spricht er in der deutschen Fassung gewissermaßen mit derselben Stimme wie die Figur selbst. Der „Brokeback Mountain“-Witz bekommt dadurch eine zusätzliche Pointe und wirkt gleich doppelt so komisch.
Hier könnt ihr euch zudem anschauen, wie mir persönlich der neue „Scary Movie“ gefallen hat:
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