Nach wahren Begebenheiten und von Sean Penn beeindruckend verfilmt: Das unvergessliche Aussteigerdrama "Into The Wild" kehrt zurück ins Kino!
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Obwohl er selbst nicht mitspielt, ist „Into The Wild“ wahrscheinlich Sean Penns bester Film und noch dazu ein packendes, nachdenklich stimmendes Werk. Knapp 20 Jahre nach seiner Entstehung kann man es wieder auf der großen Leinwand erleben.

Ein junger Mann bricht in den 90ern zu einem Wildnis-Trip nach Alaska auf und kehrt nie wieder zurück. Hätte sich der Reporter Jon Krakauer damals dieser wahren Geschichte nicht angenommen, wäre sie im Nu wieder vergessen gewesen, wie es mit vielen Vorfällen dieser Art passiert. Doch während der Recherche zu seiner Reportage für das Magazin Outside fand Krakauer so viel Interessantes zu diesem Christopher McCandless heraus, dass es ihn nicht ruhen ließ. Einige Zeit später veröffentlichte er den Reportage-Roman „Into The Wild“ (1996), der sich intensiv den letzten außergewöhnlichen Lebensjahren des Aussteigers widmet.

Krakauers Reportage und der nachfolgende Roman begeisterten viele Leser*innen – einer davon: Sean Penn, der sich sogleich die Verfilmungsrechte daran sichern wollte, aber nach eigener Aussage rund ein Jahrzehnt auf den Segen von McCandless‘ Familie warten musste. Vielleicht hat genau diese Verzögerung dafür gesorgt, dass „Into The Wild“ in Penns Kopf zu einem so durchdacht und einfühlsam geschilderten Film heranreifte.

Christopher (Emile Hirsch) allein in Alaska Tobis
Christopher (Emile Hirsch) allein in Alaska

Stimmungsvoll und betörend

Denn alles an Penns Film scheint mühelos und doch perfekt ineinander zu greifen: Hauptdarsteller Emile Hirsch spielt den jungen Christopher McCandless mit viel Feingefühl als getriebenen Idealisten, der nach dem Uni-Abschluss nichts wie raus will aus allem, was Komfort und Konformität bedeutet. Ohne Geld und ganz allein will er quer durch die USA reisen, von der Natur leben. Dabei bricht er jeglichen Kontakt zu seinen Eltern Walt (William Hurt) und Billie (Marcia Gay Harden) ab – lediglich seiner jüngeren Schwester Carine (Jena Malone) schreibt er hin und wieder.

Christophers Trip durch die Natur schildert Penn nicht durchweg linear, sondern malt in Rückblenden und Vorgriffen ein zunehmend komplexer werdendes Bild von dem jungen Mann, der trotz seiner Rastlosigkeit einige prägende Begegnungen hat: So lernt er unterwegs das betagte Hippie-Pärchen Rainey (Brian Dierker) und Jan (Catherine Keener) kennen, das ihm Akzeptanz und Fürsorge entgegenbringt. Ebenso hinterlässt er bleibenden Eindruck bei der Teenagerin Tracy (Kristen Stewart), die sein Freiheitsdrang fasziniert, und beim einsamen Senior Ron (Hal Holbrook), der den höflichen und hilfsbereiten jungen Mann am liebsten adoptieren würde.

Der Ausstiegstraum wird Christopher (Emile Hirsch) zum Verhängnis Tobis
Der Ausstiegstraum wird Christopher (Emile Hirsch) zum Verhängnis

Doch „Into The Wild“ unterstreicht, wie Christophers volle Aufmerksamkeit trotz dieser menschlichen Nähe der Wildnis gilt, in der er fernab von allen gesellschaftlichen Erwartungen und Verpflichtungen allein aufgehen will. Die Schönheit und Unberechenbarkeit dieser Schluchten-, Fluss-, Wüsten- und schließlich Schneelandschaften fängt Kameramann Éric Gautier in betörenden Bildern ein. Stimmungsvoll fügen sich diese mit Christophers zivilisations- und konsumkritischen Gedanken zusammen und werden sehr passend mit einem von sachten Gitarrenklängen getragenen Soundtrack untermalt, den Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder komponiert und eingesungen hat.

Reiz und Verhängnis einer Ausstiegsfantasie

Wer die Geschichte um Christopher McCandless kennt, weiß aber auch um die Schattenseite dieses beherzten Eskapismus – ebenso wenig macht „Into The Wild“ daraus einen Hehl: Sean Penn gelingt es, seinen empathischen Blick auf McCandless‘ Idealismus mit einer warnenden Wendung zu verknüpfen. In dieser offenbart sich schließlich, wie McCandless‘ Grenzgänge ihn zwar zu einigen wichtigen Erkenntnissen übers Leben, menschliche Nähe und die Naturerfahrung bringen – der Weg zur Erkenntnis aber tragischerweise auch zu seinem Verhängnis wird.

Bis heute wird – auch dank Sean Penns Verfilmung – in Foren, Video-Essays und Artikeln über McCandless‘ Schicksal diskutiert: Vielen Outdoor-Fans gilt er als tragischer Held und Vorbild für eine alternative Lebensweise, anderen als privilegierter Spross, der die Natur auf arrogante Weise unterschätzte. Dem Film „Into The Wild“ wird jedes dieser Lager etwas abgewinnen können, denn er verschließt trotz des mitfühlenden Blicks nicht die Augen vor den Gefahren von Ausstiegsfantasien. Zugleich macht dieser nachdenkliche Film die Sehnsucht nach einem Ausbruch aus der seit den 90ern nur noch technologisierter, hektischer und lauter gewordenen Zivilisation nachvollziehbar und erfahrbar.

Die "Best Of Cinema"-Reihe – präsentiert von FILMSTARTS

Am 7. Juli 2026 kehrt „Into The Wild“ nun im Rahmen der „Best Of Cinema“-Reihe zurück ins Kino – so dass dieser wunderbare Film mit heutigem Blick auf der großen Leiwand und mit voller Intensität erlebt werden kann.

Als offizieller Medienpartner wird euch FILMSTARTS auch über die kommenden Starts der Reihe auf dem Laufenden halten. Weitere Informationen findet ihr auf der „Best Of Cinema“-Webseite. Und welche Filme euch als nächstes erwarten, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Noch 2026 wieder im Kino: Ein düsterer Fantasy-Albtraum, ein intensives Abenteuer und die Ursprünge von drei Mega-Franchises
Dobrila Kontic
Dobrila Kontic
-Freie Autorin
Zu Dobrilas Lieblingsfilmen gehört Düster-Melancholisches ("Donnie Darko") bis Dystopisches ("Children Of Men"), aber schwarzhumorigen Komödien und Satiren kann sie auch viel abgewinnen.
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