Einer der besten Filme aller Zeiten: Er war die Vorlage für einen beliebten 90er-Jahre-Hit und hat 99 Prozent auf Rotten Tomatoes
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Wünscht sich eine schon lange überfällige Renaissance der Kino-Komödie und schaut sich deshalb schon aus Prinzip nahezu jeden neuen Vertreter dieses Genres an, der es auf die Leinwand schafft.

Vor 28 Jahren kam einer der größten RomCom-Hits der 1990er-Jahre in die Kinos – der wiederum auf einem Komödien-Meisterwerk von 1940 basierte. Um welchen Film es geht, erfahrt ihr hier.

Ein Mann und eine Frau tauschen anonym Nachrichten aus, ohne zu ahnen, dass sie sich im echten Leben längst kennen – und dort alles andere als gut aufeinander zu sprechen sind. Liebhaber*innen des RomCom-Genres kommt diese Prämisse natürlich sofort bekannt vor. Denn eben darum drehte sich 1998 der Kino-Hit „e-m@il für dich“, nach „Schlaflos in Seattle“ der zweite Film, den Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron mit dem damaligen Leinwand-Traumpaar Tom Hanks und Meg Ryan in den Hauptrollen realisierte.

Was viele gar nicht wissen: Während „Schlaflos in Seattle“ eine Hommage an „Ruhelose Liebe“ (1939) beziehungsweise dessen Remake „Die große Liebe meines Lebens“ (1957) war, hatte auch „e-m@il für dich“ einen Klassiker als Vorlage – nämlich „Rendezvous nach Ladenschluss“ (1940), der seinerseits auf dem Bühnenstück „Die Parfümerie“ des ungarischen Autors Miklos Laszlo basierte.

Rendezvous nach Ladenschluss
Rendezvous nach Ladenschluss
Starttermin 29. April 1947 | 1 Std. 37 Min.
Von Ernst Lubitsch
Mit Margaret Sullavan, James Stewart, Frank Morgan
User-Wertung
3,5
Filmstarts
4,5

Im Mittelpunkt des von Komödien-Meister Ernst Lubitsch („Sein oder Nichtsein“) inszenierten Films stehen Alfred Kralik (James Stewart) und Klara Novak (Margaret Sullavan), die beide in einem Lederwarengeschäft in Budapest arbeiten. Während zwischen ihnen im Arbeitsalltag regelmäßig die Fetzen fliegen, führen beide unabhängig voneinander einen zunehmend romantischen Briefwechsel mit einer Person, die sie über eine Kontaktanzeige kennengelernt haben. Was sie (im Gegensatz zum Publikum) nicht wissen: Sie schreiben sich gegenseitig!

Falls nun euer Interesse geweckt ist: Die deutsche DVD ist leider vergriffen, und den Film (kostenpflichtig) bei Amazon Prime Video zu streamen, können wir euch nur bedingt empfehlen, ist er dort doch leider nur in niedriger Auflösung und der Lubitschs unverwechselbarem Wortwitz nur bedingt gerecht werdenden deutschen Synchronfassung erhältlich. Falls euch das nichts ausmacht, findet ihr ihn hier:

Der gebürtige Deutsche Ernst Lubitsch, der bereits 1922 in die USA emigrierte und sich dort zu einem der angesehensten Regisseure des klassischen Hollywood entwickelte, wollte „Rendezvous nach Ladenschluss“ bereits ein Jahr zuvor realisieren. Da Stewart und Sullavan, von Anfang an seine Wunschbesetzung für die beiden Hauptrollen, zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht verfügbar waren, drehte er zunächst „Ninotschka“ mit Greta Garbo – der damals an den Kinokassen durchfiel.

Ninotschka
Ninotschka
Starttermin 7. Dezember 1948 | 1 Std. 50 Min.
Von Ernst Lubitsch
Mit Greta Garbo, Melvyn Douglas, Ina Claire
Pressekritiken
4,0
User-Wertung
3,4
Filmstarts
4,0

„Rendezvous nach Ladenschluss“ kostete schließlich nur rund ein Drittel von „Ninotschka“ und lief gemessen daran deutlich erfolgreicher an den Kinokassen. Obwohl es sich bei beiden Werken um starbesetzte Komödien handelte, könnten sie unterschiedlicher kaum sein: Während „Ninotschka“ eine mondäne Gesellschaftssatire vor politischem Hintergrund ist, erzählt „Rendezvous nach Ladenschluss“ in beinahe kammerspielartiger Form vom Alltag und den Liebeswirren einfacher Angestellter. Absoluten Klassiker-Status besitzen sie heute beide!

Bei Rotten Tomatoes sind sensationelle 99 Prozent aller ausgewerteten Kritiken zu „Rendezvous nach Ladenschluss“ positiv – was sogar für Platz 95 auf der Liste der 300 besten Filme aller Zeiten reicht. Auch wir von FILMSTARTS reihen uns da ein: In der offiziellen Kritik gab es hervorragende 4,5 von 5 möglichen Sternen für die romantische Komödie, bei der „die für den ‚Lubitsch Touch‘ eigentlich so kennzeichnende Ironie […] einer überraschend leisen, bittersüßen Komik [weicht]“.

Übrigens war „E-Mail für Dich“ nicht das erste Remake des Films: 1949 kam unter dem deutschen Titel „Damals im Sommer“ eine Musical-Variante mit Judy Garland und Van Johnson in die Kinos. Falls ihr noch mehr Klassiker-Tipps wollt, lest doch auch den nachfolgenden Artikel:

Einer der besten Filme aller Zeiten: Er hat 100 Prozent bei Rotten Tomatoes und rettete die Karriere einer Hollywod-Legende

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