Horrorfilme mit queeren Hauptfiguren sind rar gesät. Zuletzt stand im Kino in „Whistle“ ein lesbisches Paar im Vordergrund und auch in Werken wie „Gute Manieren“ oder „Thelma“ ging es neben allerlei Blut und Gekröse um Frauen, die auf Frauen stehen. Filme des Genres, die die Geschichten schwuler Protagonisten in den Mittelpunkt stellen, sind noch deutlich seltener – ein Slasher-Klassiker aus den USA ist „Hellbent“ von 2004, der allerdings ebenso wie „Spiral – Das Ritual“ aus Kanada und „Rift“ aus Island außerhalb der Szene kaum bekannt ist.
„Four Itchy Boys“ dürfte es ähnlich ergehen, zumal es sich bei dem von Andrew Hebert geschriebenen und inszenierten Werk nicht einmal um einen längeren Spielfilm, sondern um einen 12-minütigen Kurzfilm handelt. Aber die Prämisse ist so ungewöhnlich wie effektiv widerlich (da für jeden körperlich nachvollziehbar), dass der Film nicht unbeachtet bleiben sollte.
Darum geht es in "Four Itchy Boys"
Vier attraktive Typen (Nico Greetham, Gilberto Ortiz, Booboo Stewart und Ben Weinswig) befinden sich in Quarantäne, nachdem sie sich offenbar mit einer mysteriösen Krankheit infiziert haben. Diese äußert sich durch einen grauenvollen Juckreiz, der die Infizierten dazu treibt, sich die eigene Haut aufzureißen.
Mit verschiedenen Methoden versuchen sie, dem Drang zu widerstehen – vor allem aber wollen sie den Menschen „da draußen“ vermitteln, dass sie keine Monster sind und gerne wieder in Freiheit leben möchten. Dazu starten sie einen Livestream, um der Außenwelt ihre Situation zu erklären – dort sind die vier jungen Männer inzwischen nämlich immens populär. Doch hinter den Kulissen zieht jemand die Strippen, der perfide eigene Pläne hat.
Vom Werbefilm- zum Horrorregisseur
Regisseur Andrew Hebert, der bisher überwiegend Werbefilme drehte und dabei schon mit Stars wie Chris Hemsworth, Pedro Pascal, Rihanna und Billie Eilish arbeitete, erfüllte sich mit „Four Itchy Boys“ einen lange gehegten Wunsch. Er wollte einen fiktionalen Stoff umsetzen. Wann und wo es den Film in Deutschland zu sehen gibt, ist noch völlig offen – und bei Kurzfilmen leider immer so eine Sache.
Seine Premiere feierte das Werk auf dem 34. Raindance Film Festival im Juni in London – und der Macher hat durchaus Pläne, das Konzept auszubauen. Im Interview mit dem halbjährlich erscheinenden Männer-Modemagazin „Man About Town“ verriet Hebert, dass er bereits das Drehbuch für die Pilotfolge einer potenziellen Miniserie fertiggestellt hat. Auch eine Umsetzung als abendfüllender Kinofilm sei nicht ausgeschlossen.
Als Inspiration für Stil und Look von „Four Itchy Boys“ nennt er übrigens den Genremix „Saltburn“, der sich ebenfalls um queere Charaktere dreht und auch einen Subtext hat, der zu verschiedenen Deutungen anregt.
Wenn ihr mehr über einen bereits fertiggestellten, von der Kritik gefeierten LGBTQ-Horrorfilm in Spielfilmlänge lesen wollt, der noch auf einen deutschen Starttermin wartet, werdet ihr hier fündig:
Nach "Talk To Me" & "Bring Her Back": Trailer zum Supernatural-Horror "Leviticus" – 97 Prozent bei Rotten Tomatoes!