Das gab es so noch nie: "Star Wars"-Macher greift zu ungewöhnlicher Maßnahme – verzichtet er damit sogar auf den Oscar?
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Geniale Köpfe, die großen Anteil an „Star Wars“, „The Avengers“ und „The Dark Knight“ hatten, kamen für das neue Werk von Tony Gilroy zusammen. Bevor wir erklären, was hinter einem außergewöhnlichen Ansatz steckt, ist hier der Trailer zu „Behemoth!“:

Normalerweise stammt die Musik eines Films aus der Feder eines einzelnen Komponisten oder vielleicht auch mal eines eingespielten Duos. Diese arbeiten natürlich auch immer wieder mit eigenen Teams, doch es ist klar, wer die Führung hat und am Ende die Lorbeeren bis hin zu einem potenziellen Oscar einstreicht. Für sein neues Projekt „Behemoth!“ geht „Star Wars: Andor“-Schöpfer Tony Gilroy jedoch einen völlig anderen Weg. Gleich neun (!) verschiedene Komponist*innen sollen dem von Pedro Pascal angeführten Drama seinen Sound verleihen. Darunter befinden sich einige der größten Namen Hollywoods.

Die ungewöhnliche Entscheidung hat einen inhaltlichen Grund. Sie könnte allerdings zur Folge haben, dass die Musik bei den Oscars überhaupt nicht berücksichtigt werden darf. Doch der Reihe nach. Was ist an „Behemoth!“ so besonders und warum könnte Gilroys Entscheidung dafür sorgen, dass ein Film mit dem womöglich besten, definitiv aber außergewöhnlichsten Score des Kinojahres hat, dafür beim bedeutendsten Filmpreis keine Auszeichnung bekommen kann?

Das ist "Behemoth!"

In „Behemoth!“ spielt „The Last Of Us“-Star Pedro Pascal den Cellisten Alex, der Hollywood einst den Rücken gekehrt hat und seitdem in der Welt der klassischen Musik tätig ist. Jahrzehnte später kehrt er jedoch in die Traumfabrik zurück, um die Musik für den letzten Film eines legendären Regisseurs zu komponieren.

Die einzelnen Musikstücke, die Alex dabei spielt, lösen Rückblenden aus. Nach und nach erfahren wir so, weshalb er Hollywood verlassen hat, was ihn während seiner Abwesenheit beschäftigte und warum er nun doch wieder zurückgekehrt ist. Die Filmmusik dient in „Behemoth!“ also nicht nur als atmosphärische Begleitung, sondern wird selbst zum zentralen Erzählmittel.

Neben Pedro Pascal, der angeblich in jeder einzelnen Szene des Films zu sehen sein wird, sind Olivia Wilde („The Invite“), Will Arnett („Arrested Development“), Eva Victor („The Gilded Age“) und Matthew Lillard („Scream“) Teil einer illustren Besetzung. Doch viel interessanter ist bei diesem Projekt ein Teil des Personals hinter der Kamera.

Darum gibt es neun Komponist*innen für einen einzigen Film

Weil in „Behemoth!“ mehrere fiktive Filme mit jeweils eigener musikalischer Identität vorkommen, wollte Tony Gilroy nicht einfach einen einzigen Komponisten damit beauftragen, verschiedene Stilrichtungen nachzuahmen. Stattdessen holte er für die unterschiedlichen Produktionen gleich neun Musiker*innen an Bord – und nicht irgendwelche. Mit Michael Giacchino, James Newton Howard, Alan Silvestri, Michael Abels, Emily Bear, Lukas Frank, Henry Jackman, Nami Melumad und Brandon Roberts versammelte einige der Besten der Besten.

Michael Giacchino komponierte unter anderem die Musik zu „Rogue One: A Star Wars Story“, „The Batman“ und „Oben“. James Newton Howard arbeitete an Filmen wie „The Dark Knight“, „King Kong“ und der „Tribute von Panem“-Reihe. Alan Silvestri erschuf die ikonischen Klänge von „Zurück in die Zukunft“ und lieferte die ins Ohr gehenden Klänge für die „The Avengers“-Filme. Michael Abels wiederum ist vor allem für seine Zusammenarbeit mit „Get Out“-Regisseur Jordan Peele bekannt.

Emily Bear sorgte in jüngerer Vergangenheit unter anderem als Song-Co-Komponistin des Mega-Hits „Vaiana 2“ für Aufsehen. Henry Jackman lieferte bereits Blockbuster-Scores für Marvel-Abenteuer wie „Captain America: The Winter Soldier“ oder den „Jumanji“-Reboot. Nami Melumad machte sich im „Star Trek“-Franchise mit „Strange New Worlds“ einen Namen und unterstützte Giacchino bereits bei „Thor: Love And Thunder“. Komplettiert wird das historisch so noch nicht gesehene Aufgebot von Brandon Roberts, der für zusätzliche Musik in „A Quiet Place Part II“ sorgte, sowie dem aufstrebenden Musiker und Songwriter Lukas Frank.

So viele Komponisten an einem Film – gab es das schon mal?

Dass eine so große Zahl von Komponist*innen an einem einzelnen Spielfilm arbeitet, ist außergewöhnlich, aber nicht einzigartig. Dies kommt zum Beispiel bei Episodenfilmen und Anthologien vor. Hier machen schließlich verschiedenste Regisseur*innen auch verschiedene Einzelbeiträge, für welche sie auf ihre eigenen Teams zurückgreifen. Das ist jedoch ein anderer Fall als bei „Behemoth!“, der von einer einzigen kreativen Stimme verantwortet wird.

Doch auch einen solchen Fall gab es schon: Für Steven Spielbergs „Die Farbe Lila“ aus dem Jahr 1985 kamen sogar zwölf Personen zusammen, um die Musik zu komponieren. Der damals von Spielberg verpflichtete Quincy Jones holte sich nämlich für die gewaltige Aufgabe Unterstützung. Am Ende waren bei der Oscarverleihung 1986 so zwölf verschiedene Musiker für den Goldjungen nominiert.

Dennoch ist „Behemoth!“ einzigartig, weil sich das Konzept natürlich von Spielbergs und Jones' Ansatz unterscheidet. Tony Gilroy versammelt neun renommierte Komponist*innen nicht etwa für einen zusammenhängenden Spielfilm, weil er die Arbeit besser verteilen will, sondern weil er jeweils eigenständige musikalische Welten erschaffen möchte. Das ist ein Novum, zu dem auch noch der außergewöhnliche Verzicht auf die Oscars kommt.

Deshalb verspielt "Behemoth!" damit seine Oscar-Chancen für Musik

Mit dem ungewöhnlichen Ansatz hat „Behemoth!“ wahrscheinlich keine Chance auf eine mögliche Oscar-Nominierung für die beste Filmmusik. Seit „Die Farbe Lila“ haben sich die Regeln der Academy geändert. Mittlerweile können für einen Score grundsätzlich nicht mehr als drei Komponist*innen als mögliche Preisträger*innen berücksichtigt werden. Die Verantwortlichen bei „Behemoth!“ müssten sich also entscheiden, welche drei Personen sie ins Rennen schicken. Das will Gilroy aber nicht. Schließlich hat jeder von ihnen einen ganz eigenen, gleichwertigen Anteil an der Musik.

Das verantwortliche Studio Searchlight Pictures soll deshalb sogar anfänglich Bedenken wegen des Ansatzes geäußert haben. Dass ausgerechnet ein Film über Filmmusik mit neun beteiligten Komponist*innen niemals für den entsprechenden Oscar nominiert werden könne, schmeckte den Studio-Verantwortlichen nicht. Doch Gilroy drückte seine Entscheidung durch.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es zudem. Der Autor und Regisseur selbst betont gegenüber Vanity Fair, dass die Frage bislang nicht abschließend geklärt wurde. Womöglich hoffen die Macher also, die Academy zu einer Ausnahme erweichen zu können. Trotzdem könnte es am Ende zu dem ironischen Ergebnis kommen, dass einer der wohl ambitioniertesten Filme über die Kunst der Filmmusik sich durch sein einzigartiges musikalisches Konzept selbst um die Chance auf den wichtigsten Filmpreis der Welt bringt.

Behemoth!“ soll im Laufe des Jahres 2026 in die Kinos kommen. Einen konkreten Starttermin gibt es noch nicht. Ein anderes außergewöhnliches Projekt wird jetzt gerade erst gedreht, hat aber schon einen Starttermin. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:

Das nächste "Der Herr der Ringe"-Abenteuer kommt endlich – doch eine Entscheidung löst Diskussionen aus

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.
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