"Die Odyssee" von Christopher Nolan: Das Ende des Fantasy-Epos erklärt
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„Die Odyssee“ endet mit einer der besten Schlachtenszenen des Jahres. Im großen Finale von Christopher Nolans Fantasy-Epos scheint dann ein Happy End zu winken. Doch stimmt das wirklich?

Dieses Finale dürfte allen Zuschauer*innen im Gedächtnis bleiben: Odysseus (Matt Damon) nimmt es im Alleingang mit einem ganzen Raum voller eifersüchtiger Freier auf, die nicht nur um die Hand seiner Frau Penelope (Anne Hathaway) buhlen, sondern sich auch seit mehreren Jahren in seinem Haus eingenistet haben und dort auf seine Kosten ein Gelage nach dem anderen feiern.

In einem heftigen Kampf nimmt dieser seine Widersacher auseinander, bevor er blutüberströmt in Penelopes Armen zusammenbricht – und davon spricht, wie er gemeinsam mit ihr nach Westen ins Exil zieht, während ihr Sohn Telemachus (Tom Holland) den Thron besteigt und über Ithaka herrscht. Und tatsächlich zeigt uns Nolan entsprechende Bilder. Dennoch gibt es zwei Möglichkeiten, dieses Ende zu deuten.

"Die Odyssee": Gibt es ein Happy End?

Die positive Lesart: Odysseus überlebt die schweren Verletzungen. Er übergibt die Regierungsaufgaben an seinen Sohn, um selbst mit seiner Frau Penelope eben jene verlorene Zeit nachzuholen, die ihm durch den Trojanischen Krieg gestohlen wurde. Diese Lesart passt durchaus zur Vorlage, denn hier gipfelt die Irrfahrt des Odysseus in der Rückeroberung des Königreichs, der Wiedervereinigung seiner Familie und der Herstellung der Ordnung.

Zu Nolans Dekonstruktion der Heldenfigur Odysseus passt aber auch eine andere Auslegung der gezeigten Bilder: Odysseus erträumt sich diese Zukunft nur. Sterbend in den Armen seiner Frau sind diese Bilder die Manifestation seiner Wünsche: einen glücklichen Lebensabend mit Penelope genießen, während sein Sohn zu einem angesehenen Herrscher aufsteigt. Doch für ihn, den Kriegsverbrecher, der in Troja den Tod vieler Unschuldiger zu verantworten hatte, kann es keine Erlösung mehr geben. Zu schwer wiegt die Schuld – und so bleibt letztlich nur der Tod als konsequente Erlösung.

Natürlich ist das aber eine Frage der Auslegung. Beide Lesarten sind möglich – es liegt also im Ermessen der Zuschauer*innen, ob sie Odysseus ein Happy End gewähren oder eben nicht. Übrigens wäre Nolans Mammut-Fantasy-Projekt gar nicht möglich gewesen, wenn nicht ein Oscar-Hit den Weg geebnet hätte:

"Es hat geholfen, dass er erfolgreich war": Christopher Nolans "The Odyssee" wäre ohne diesen Oscar-Hit gar nicht möglich gewesen
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
Stefan ist ist passionierter Magic- und D&D-Spieler und liebt das fantastische Kino. Tolkiens Mittelerde liebt er ebenso wie die furchteinflößenden Kreaturen von Ray Harryhausen.
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