Bereits bei der ersten Pressevorführung von „Der Brutalist”, welche am Abend vor der Weltpremiere des Films beim Festival in Venedig stattfand, herrschte eine ganz eigene, geradezu ehrfürchtige Stimmung im Saal. Obwohl Begriffe wie „moderner Klassiker” häufig vorschnell verwendet werden – schließlich lässt sich erst mit Abstand beurteilen, ob ein Film den Test der Zeit besteht –, hatten vielen Kritiker*innen am 31. August 2024 das Gefühl, ein Stück Filmgeschichte in Echtzeit mitzuerleben.
Das von Brady Corbet inszenierte Historienepos, welches die Emigration des ungarischen Architekten László Tóth behandelt, sollte bei der Oscarpreisverleihung im Jahr darauf mit zehn Nominierungen als Favorit ins Rennen gehen und konnte schließlich drei der begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen: für die beste Filmmusik, die beste Kamera und den besten Hauptdarsteller Adrien Brody.
Joe Alwyn begeisterte in "Der Brutalist" und soll nun erneut mit Corbet arbeiten
Obwohl die Berücksichtigungen für Brody, Felicity Jones und Guy Pearce die Aufmerksamkeit vor allem auf ihre Leistungen lenkten, lieferte auch Joe Alwyn in diesem monumentalen Meisterwerk eine bemerkenswerte Performance. In der Rolle des privilegierten Harry Lee Van Buren verkörperte er eine ihm in die Wiege gelegte Selbstverständlichkeit von Macht und sozialem Status mit eindrucksvoller Schärfe.
Der durch seine Zusammenarbeit mit Yorgos Lanthimos („The Favourite“, „Kinds of Kindness“) bekannte Brite kann trotz seiner erst 35 Jahre bereits auf eine imposante Filmografie zurückblicken. Erst dieses Jahr war er in „Hamnet“ erneut in einer äußerst prestigeträchtigen Produktion zu sehen. Nun ist Alwyn laut eines Berichts von Nexus Point News, die mittlerweile auch die Branchenmagazine in Hollywood aufgriffen, für eine Reunion mit Regisseur Brady Corbet im Gespräch.
Das nächste Monumentalprojekt
Dessen nächster Film „The Origin Of The World” soll die Geschichte des Okkulten und die Mystik in den Vereinigten Staaten behandeln. “Ich habe Unmengen an Material über die Wanderung kultischer Glaubenssysteme und -strukturen gelesen und arbeite mit Mitch Horowitz zusammen: einem Historiker, der sich mit der Geschichte des Okkultismus in Amerika befasst”, so Corbet laut Deadline.
In einigen Berichten ist von einer 150-jährigen Zeitspanne der Handlung zu lesen, in anderen von einem Fokus auf die 1970er-Jahre. Fest steht: Corbet möchte dem analogen Filmformat treu bleiben und auf 70-mm-Film drehen. Da das Skript etwa 200 Seiten fasst, kann man davon ausgehen, dass sich die Laufzeit auf drei bis vier Stunden beläuft. Im September sollen die Dreharbeiten beginnen.
Falls es tatsächlich zu einer weiteren Zusammenarbeit zwischen Alwyn und Corbet kommt, trifft der Schauspieler vermutlich auf eine illustre Runde. Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett gilt für „The Origin Of The World” so gut wie bestätigt, nachdem sie dieses Jahr in Cannes verkündete, als nächstes mit dem „Brutalist“-Regisseur zusammenzuarbeiten. Auch ihr „Black Bag”-Kollege Michael Fassbender soll für eine Rolle im nächsten Epos im Gespräch sein. Diesen dürfte Alwyn bereits kennen, da er letztes Jahr mit dessen Ehefrau, Alicia Vikander, gemeinsam in Henrik Ibsens „Die Frau vom Meer” in London auf der Bühne stand. Berichten zufolge ist auch Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez („Emilia Perez”) Teil des Casts.
Schon vor "The Origin Of The World" beschäftigte sich Corbet mit Religionskult
Corbet entwickelt seine Stoffe gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der norwegischen Drehbuchautorin und Regisseurin Mona Fastvold – und umgekehrt. So unterstützte Corbet ihren Film „The Testament Of Ann Lee”, der im vergangenen Jahr in Venedig und dieses Jahr auf der Berlinale lief, beim Drehbuch und der Produktion.
Dieser befasst sich mit einer nicht unähnlichen Thematik wie „The Origin of the World”: Es geht um die Gründung der amerikanischen Shaker-Bewegung – einer religiösen Gemeinschaft, deren Mitglieder ihre Spiritualität durch ekstatischen Tanz und Gesang zum Ausdruck bringen.
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