Es gibt wohl kaum eine berühmtere Version von „Pinocchio“ als den Disney-Zeichentrickklassiker von 1940. Dass die Geschichte der Holzpuppe, die unbedingt ein echter Junge werden möchte, bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat, zeigen nicht zuletzt die zahlreichen Neuverfilmungen der vergangenen Jahre. Die vielleicht interessanteste ist aber leider niemals zustandegekommen!
Denn ausgerechnet Stanley Kubrick, der mit Film-Klassikern wie „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968), „Uhrwerk Orange“ (1971) oder „Shining“ (1980) nicht gerade für familienfreundliches Kino bekannt ist, träumte davon, die Geschichte von „Pinocchio“ auf die große Leinwand zu bringen.
Stanley Kubrick wollte "etwas wirklich Großes" schaffen
„Es wäre wunderbar, wenn ich mit diesem ‚Pinocchio‘ Kinder zum Lachen bringen und ihnen eine Freude bereiten könnte“, so der „Barry Lyndon“-Regisseur (via Far Out Magazine). Sein langjähriger Assistent und Freund Emilio D’Alessandro musste daraufhin sofort italienische Bücher über Pinocchio besorgen, denn Kubrick wollte die Marionette auf eine ganz eigene Art und Weise gestalten und „etwas wirklich Großes schaffen“.
Dabei ist es kaum verwunderlich, dass sich Kubrick vor allem an Carlo Collodis Kinderbuch orientieren wollte (ja, Pinocchio wurde nicht erst von Walt Disney erfunden, sondern existiert bereits seit dem 19. Jahrhundert). Denn wie bei vielen Literaturvorlagen, die Disney für ein junges Publikum entschärfte, ist auch die ursprüngliche Pinocchio-Geschichte deutlich düsterer und stellenweise erstaunlich brutal.
Kubrick beschäftigte sich über Jahre hinweg mit dem Stoff und zog eine Verfilmung immer wieder in Betracht. Nach seinem Tod im Jahr 1999 verschwand das Projekt allerdings endgültig in der Schublade. Realisiert wurde stattdessen ein anderes langjähriges Herzensprojekt des Regisseurs: Steven Spielberg vollendete im Jahr 2001 „A.I. – Künstliche Intelligenz“, Kubricks moderne Sci-Fi-Interpretation des „Pinocchio“-Motivs
Viele "Pinocchio"-Verfilmungen folgten
Eine Live-Action-Remake des Disney-Meilensteins setzte schließlich „Forrest Gump“-Regisseur Robert Zemeckis im Jahr 2022 um. Trotz Stars wie Tom Hanks, Cynthia Erivo und Luke Evans kam der Film allerdings überraschend schlecht beim Publikum an. Noch schlechter – 0 Prozent auf Rotten Tomatoes – schnitt die bereits 2002 erschienene „Pinocchio“-Version von Roberto Benigni ab, der sich selbst in der Hauptrolle besetzte. 2019 kehrte Benigni schließlich als Geppetto in Matteo Garrones deutlich werkgetreuerer Verfilmung zur Geschichte zurück.
Mit „Guillermo del Toros Pinocchio“ erschien 2022 außerdem eine gefeierte Stop-Motion-Version, die sowohl bei Kritik als auch Publikum deutlich besser ankam als die meisten anderen modernen Adaptionen. Kubricks Vision blieb zwar unerfüllt – an Neuinterpretationen der berühmten Holzpuppe mangelte es in den vergangenen Jahren aber dennoch nicht.
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