Man mag es ihm anhand schwermütiger Stoffe wie „Oppenheimer“ oder „Die Odyssee“ vielleicht nicht anmerken, doch neben seinem Faible für das Thema Zeit ist Christopher Nolan ein gigantischer Comedy-Fan. Abgesehen von dem ein oder anderen flotten Spruch, den er seinen Figuren mitunter auf die Lippen legt, wird sich der Ausnahmeregisseur selbst aber wohl niemals an das Genre heranwagen. Mit einem misslungenen Witz fällt man seiner Ansicht nach nämlich deutlich gnadenloser beim Publikum durch als mit einem schwachen Drama.
Stattdessen erzählt der Brite in Interviews lieber, welche Filme ihn besonders zum Lachen gebracht haben, und die sind in den meisten Fällen überraschenderweise ziemlicher Klamauk: etwa die MacGyver-Parodie „MacGruber“ oder ein Will-Ferrell-Kulthit.
Und auch den quatschigen Filmen der Regie-Brüder Peter Farrelly und Bobby Farrelly kann er eine Menge abgewinnen. Allen voran ihrer Bowling-Komödie „Kingpin“, die Nolan zufolge durch eine ungewöhnlich feinfühlige Performance des Hauptdarstellers glänzt.
In "Kingpin" sehen wir laut Nolan eine der besten Schauspielleistungen aller Zeiten
Während die Farrelly-Brüder mit „Dumm und Dümmer“ und „Verrückt nach Mary“ zwei der größten Comedy-Hits der 1990er-Jahre landeten, ging „Kingpin“ an den Kinokassen damals ziemlich baden und gehört nach wie vor zu den weniger bekannten Arbeiten des Regie-Duos. Nolan hat den Film dennoch tief ins Herz geschlossen, nicht zuletzt wegen Woody Harrelsons Schauspiel: „Ich habe ihn mir sogar zwei- oder dreimal im Kino angesehen. Ich war so beeindruckt von [Harrelsons] Leistung – abgesehen davon, dass ich den Film lustig fand, und er war wirklich albern.“ (via Far Out Magazine)
Tatsächlich ist die Handlung von „Kingpin“ an Albernheit kaum zu überbieten: Sie dreht sich um das Bowling-Talent Roy Munson (Woody Harrelson), der jeden Kontrahenten mit seiner „Wunderhand“ problemlos in die Tasche steckt. Nachdem er den zwielichtigen Ernie McCracken (Bill Murray) in einem Turnier besiegt, lockt ihn dieser jedoch in eine Falle, woraufhin ihm eine Horde Schlägertypen seine Wurfhand zerhäckselt. 17 Jahre vergehen, bis der inzwischen in Ungnade gefallene Roy zufällig auf den begabten Bowler Ishmael (Randy Quaid) stößt und durch ihn seine Chance auf ein Comeback in der Profiliga wittert.
Was Nolan an dem Film so faszinierte, war die „Hingabe und Aufrichtigkeit“, mit der Harrelson seine Figur trotz des absurden Grundszenarios spielte. Ein Paradebeispiel sei für ihn die Szene, in der sich Roy erstmals nach seinem Karriereaus wieder in seiner Heimatstadt zeigen soll. Ungepflegt und rülpsend an seiner Whiskeyflasche nuckelnd dreht er sich zu seiner Begleitung und fragt mit völlig ernster Miene: „Wie sehe ich aus?“ Der Moment dürfte zwar für so manchen Lacher gesorgt haben, zeigt im Kern aber einen zutiefst gebrochenen Mann und wird von Harrelson als genau solcher verkörpert. „Es ist eine wirklich bemerkenswerte schauspielerische Leistung“, schwärmte Nolan.
Auch ein Action-Thriller zählt zu Nolans überraschenden Favoriten. Hier erfahrt ihr mehr:
"Ein verdammt guter Film": Christopher Nolan liebt diesen Actionthriller, der zu den unterschätztesten Einträgen in ein absolutes Kult-Franchise gehört!