Wenn es um berühmte Stummfilm-Komiker geht, denken die allermeisten wohl zuerst an Charles Chaplin („The Kid“) und Buster Keaton („Der General“). Doch es gibt mindestens einen Dritten im Bunde, der zu Unrecht oft vergessen wird: Harold Lloyd!
Vielleicht liegt das daran, dass Lloyds Leinwandfigur weniger exzentrisch war als Chaplins Tramp oder Keatons stoischer Akrobat. Mit Hornbrille und Anzug verkörperte er den amerikanischen Durchschnittsmenschen, der versucht, sich in einer auf sozialen Aufstieg und beruflichen Erfolg fixierten Welt zu behaupten. Gerade sein oftmals unbeholfenes Scheitern machte seine Komik aus und sorgte dafür, dass sich das Publikum leicht in ihm wiedererkennen konnte.
Lloyds wohl berühmtester Film ist „Ausgerechnet Wolkenkratzer!“ (1923), besser bekannt unter seinem Originaltitel „Safety Last!“. Hier sucht „Harold, der Junge“ (so die den archetypischen Charakter seiner Figur betonende Bezeichnung in den Credits) sein Glück in der großen Stadt, wo er von der großen Karriere träumt. Sein eigentliches Ziel: „Mildred, das Mädchen“ (Mildred Davis) zu heiraten, die in seinem Heimatdorf auf ihn wartet. Doch der materielle Wohlstand ist schwerer zu erreichen als gedacht. Um Mildred nicht zu enttäuschen, gaukelt Harold ihr in seinen Briefen vor, es längst zum erfolgreichen Geschäftsmann gebracht zu haben. Doch dann kündigt sie an, ihn in der Großstadt besuchen zu wollen ...
Besonders das spektakuläre Finale der Komödie, die übrigens auf Platz 142 der 300 besten Filme aller Zeiten laut Rotten Tomatoes steht, ist ikonisch und hat eines der berühmtesten Bilder der Kinogeschichte hervorgebracht: Aufgrund einer Verkettung unglücklicher Zufälle muss Harold statt eines professionellen Fassadenkletterers die Außenwand eines Wolkenkratzers erklimmen – und hängt schließlich in schwindelerregender Höhe an den Zeigern einer riesigen Uhr.
Studiocanal
Diese Sequenz wurde in den folgenden 100 Jahren immer wieder zitiert: Hommagen an den legendären Uhren-Stunt finden sich etwa auf dem Plakat zum Sylvester-Stallone-Flop „Oscar – Vom Regen in die Traufe“ (1991) oder Martin Scorseses „Hugo Cabret“ (2011).
Eine der bekanntesten Variationen gibt es im Jackie-Chan-Klassiker „Der Superfighter“ aka „Project A“ (1983) zu sehen: Hier hängt der Action-Star an den Zeigern einer Turmuhr, bevor er in die Tiefe stürzt. Chan bezeichnete die Szene, die ihm mehrere schwere Verletzungen einbrachte, als direkte Liebeserklärung an Harold Lloyd, den er zu seinen großen Vorbildern zählt.
Auch der Showdown von „Zurück in die Zukunft“ (1985) ist von Lloyds berühmtester Szene inspiriert sein. Bereits zu Beginn des Films ist in Doc Browns Werkstatt eine Uhr zu sehen, die Harold Lloyds legendäre Pose aus „Safety Last!“ zeigt. Da dürfte es wohl kaum ein Zufall sein, dass im Finale des 80er-Jahre-Kultfilms auch Doc Brown (Christopher Lloyd) an den Zeigern einer Uhr hängt.
Um einen anderen enorm temporeichen Klassiker, den unter anderem Quentin Tarantino zu seinen absoluten Favoriten zählt, dreht sich der nachfolgende Artikel:
Einer der besten Filme aller Zeiten: Quentin Tarantino liebt ihn – und sein Regisseur wollte sogar einen Rekord aufstellen!