"Wenn es der Geschichte nicht dient, muss es raus": Darum durfte "Die Odyssee" die 3-Stunden-Marke auf keinen Fall überschreiten
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Für „Die Odyssee“ drehte Christopher Nolan genug Material für einen Film mit einer Laufzeit von weit über drei Stunden. Weshalb er diese Marke dennoch nicht überschreiten durfte, verriet der Oscarpreisträger nun in einem Interview.

Keine Frage: 173 Minuten sind eine stattliche Laufzeit. Doch genau diesen Umfang braucht „Die Odyssee“ ach, um der epischen Geschichte auf der großen Leinwand gerecht zu werden. Tatsächlich drehte Regisseur Christopher Nolan („Prestige“) sogar so viel Material, dass aus dem Fantasy-Epos ursprünglich ein Film von deutlich mehr als drei Stunden hätte werden können. Dennoch war der oscarprämierte Filmemacher gezwungen, die Drei-Stunden-Marke nicht zu überschreiten.

Den Grund dafür erklärte Nolan im Interview mit Letterboxd: Verantwortlich ist ausgerechnet das IMAX-Format selbst. Der langjährige IMAX-Experte David Keighley machte den „The Dark Knight“-Regisseur einst auf die technischen Grenzen aufmerksam, die durch das Drei-Stunden-Limit der Filmkopien vorgegeben werden. „Über die Jahre hinweg hatte ich ihn immer wieder dazu gedrängt, die Filmteller zu vergrößern oder ein Clipsystem zu entwickeln, das das Filmende hält, wenn die Rolle etwas größer als der Teller wird“, erinnerte sich Nolan.

Die Odyssee
Die Odyssee
Starttermin 16. Juli 2026 | 2 Std. 53 Min.
Von Christopher Nolan
Mit Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway
User-Wertung
3,9
Filmstarts
4,5
Vorführungen (771)

Keine Chance, das Limit zu umgehen

Letztlich musste Christopher Nolan jedoch einsehen, dass sich diese Grenze ohne einen vollständigen Umbau des Projektionssystems nicht überwinden ließ. Damit war für ihn klar, dass „Die Odyssee“ die Marke von 180 Minuten nicht überschreiten durfte, um seinen lang gehegten Traum zu verwirklichen: den ersten vollständig im IMAX-Format gedrehten Spielfilm auch in analoger Form ins Kino zu bringen.

Zur Erklärung: Unter den technischen Einschränkungen klassischer IMAX-70-mm-Projektionen lag die Obergrenze lange bei rund 165 Minuten. Mit „Oppenheimer“ wurde die Kapazitätsgrenze des Systems nochmals aufgestockt. Hierzu kamen 3D-gedruckte Erweiterungen der Filmteller zum Einsatz, wodurch deren Durchmesser bis an die konstruktiven Grenzen des Projektionssystems vergrößert werden konnte. Der Haltearm passierte das Projektorgehäuse dabei mit nur wenigen Millimetern Abstand. Auf diese Weise konnte eine Laufzeit von 180 Minuten erreicht werden. Das war dann aber wirklich das absolute mechanische und strukturelle Limit, ohne das Filmmaterial zu beschädigen.

Um die Dimensionen davon zu verdeutlichen: Ein Film wie „Die Odyssee“ umfasst einen final gespleißten Filmstreifen von über 17 Kilometern Länge. Dieser wiegt rund 240 Kilogramm und erreicht auf dem Filmteller einen Durchmesser von nahezu 1,7 Metern.

Christopher Nolan beschränkt sich selbst

Hinzu kam die weitere Mammutaufgabe, aus der schieren Masse des gedrehten Materials die endgültige Fassung zusammenzustellen. Nolan belichtete rund zwei Millionen Fuß (also umgerechnet über 600 Kilometer) IMAX-Film, das entspricht etwa 90 Stunden Rohmaterial. Selbst wenn ein erheblicher Teil davon auf wiederholte Takes oder aus anderen Gründen unbrauchbare Aufnahmen entfällt, blieb immer noch eine gewaltige Materialfülle, aus der sich eine deutlich längere Version hätte zusammensetzen lassen. Doch Cutterin Jennifer Lame erinnerte Nolan immer wieder an das Wesentliche: „Wenn es der Geschichte nicht dient, muss es raus.“

Mit seiner Entscheidung, „Die Odyssee“ vollständig in diesem extrem speziellen Format zu drehen, hat Christopher Nolan sich letztlich selbst Grenzen gesetzt. Weltweit können nur 41 Kinos den Film exakt so präsentieren, wie Nolan ihn konzipiert hat. 25 dieser IMAX-70mm-Kinos befinden sich in den USA, neun in Kanada, drei in Großbritannien sowie jeweils eines in Australien, Belgien, Tschechien und Frankreich.

Ob wir eines Tages dennoch einen Director's Cut von „Die Odyssee“ zu sehen bekommen, bleibt abzuwarten. Allerdings ist Christopher Nolan bislang nicht dafür bekannt, nachträglich längere Fassungen seiner Filme zu veröffentlichen. Fest steht hingegen, dass der Regisseur auch weiterhin aktiv wird. Warum Fans darauf allerdings noch etwas Geduld mitbringen müssen, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Nach kräftezehrendem "Die Odyssee"-Dreh: So lange müssen wir wohl mindestens auf den neuen Film von Christopher Nolan warten

Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.
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