Christopher Nolans „ Die Odyssee“ zählt zu den meistdiskutierten Filmen des Jahres. Während das Epos an den Kinokassen erfolgreich ist und viele Kritiker begeistert, hat es zugleich eine Debatte ausgelöst, die weit über die üblichen Meinungsverschiedenheiten hinausgeht. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Film selbst, sondern auch die Frage, wie frei sich eine moderne Adaption eines der berühmtesten Werke der Weltliteratur von ihrer Vorlage lösen darf.
Ausgelöst wurde die Kontroverse durch die renommierte Altphilologin und Übersetzerin Emily Wilson, deren englische Übersetzung der „Odyssee“ Christopher Nolan selbst als wichtige Inspirationsquelle genannt hatte. In einer viel beachteten Kritik zerlegte Wilson die Adaption regelrecht und bezeichnete unter anderem das Drehbuch als „miserabel“. Ihrer Ansicht nach fehle dem Werk die psychologische, emotionale und politische Tiefe des Originals.
Schriftstellerin verteidigt Nolan und kritisiert Wilson
Nun hat sich die vielfach ausgezeichnete US-Autorin Joyce Carol Oates öffentlich auf Nolans Seite gestellt. In den sozialen Medien reagierte sie auf Wilsons Kritik mit ungewöhnlich scharfen Worten.
Oates warf der Übersetzerin vor, nicht sachlich zu argumentieren. Sie schrieb, Wilson spreche „in der groben Sprache von MAGA-Leuten“, wenn sie Menschen angreife, die andere Ansichten vertreten. Damit bezieht sie sich auf US-Präsident Donald Trump und seine Anhänger, die den Slogan „Make America Great Again” oder kurz „MAGA” in ihren Kampagnen nutzen. Außerdem betonte Oates, dass Wilson erheblich davon profitiert habe, dass Nolan ihre Übersetzung als Inspirationsquelle öffentlich hervorgehoben habe.
Die Auseinandersetzung zeigt, wie emotional die Diskussion um „Die Odyssee“ inzwischen geführt wird. Längst geht es nicht mehr nur um Fragen der Inszenierung oder Werktreue, sondern auch darum, wie Literaturkritik formuliert werden sollte, und wie weit persönliche Angriffe in einer öffentlichen Debatte gehen dürfen.
Wilson hält trotz der Gegenreaktionen an ihrer Einschätzung fest. Zugleich betonte sie zuletzt, dass sie sich freue, wenn Nolans Film mehr Menschen dazu bringe, Homers Epos zu lesen und sich mit der antiken Literatur auseinanderzusetzen.
Für Nolan und sein Werk dürfte die Kontroverse am Ende sogar zusätzliche Aufmerksamkeit bedeuten. Denn unabhängig davon, ob Zuschauer die Kritik teilen oder nicht, hat sich „Die Odyssee“ längst zu einem Film entwickelt, über den weit über das Kino hinaus diskutiert wird. Ganz nebenbei hat das Werk so bereits mehr als 600 Millionen US-Dollar eingespielt.
Laut Christopher Nolan gibt es ebenfalls zwei filmische Inspirationsquellen, die maßgeblich seine Adaption der berühmten Geschichte geprägt haben. Welche das sind, erfahrt ihr hier:
Wer "Die Odyssee" richtig verstehen will, muss diese beiden Meisterwerke laut Christopher Nolan unbedingt kennen