"Ich würde mich schämen": "Die Odyssee" erntet gnadenlose Kritik – ausgerechnet von einer Person, die großen Einfluss auf den Film hatte
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„Die Odyssee“ löst beim Publikum weitestgehend euphorische Reaktionen aus und kommt auch bei der Fachpresse hervorragend an. Doch ausgerechnet eine Person, deren Arbeit in die Homer-Adaption floss, zeigt sich nun unzufrieden.

Ein Metascore von 88/100, überwiegend positive Reaktionen bei Publikum (97 Prozent) und Presse (94 Presse) auf Rotten Tomatoes, 8,5 von 10 möglichen Sternen bei der IMDb sowie 4,5 von 5 möglichen Sternen in der FILMSTARTS-Kritik: Ja, „Die Odyssee“ kommt beim Gros der Menschen unglaublich gut an – und ist auch an den Kinokassen nicht zu bremsen:

Christopher Nolans "Die Odyssee" legt richtig starkes zweites Kino-Wochenende hin – das gelingt so nur wenigen Blockbustern!

In der kaum überschaubaren Flut an Lobeshymnen fallen nur einige wenige auf, die mit dem Fantasy-Historien-Epos nicht viel anfangen können. Doch jetzt bekommt der Film ausgerechnet von einer Person Gegenwind, die sogar großen Anteil daran hatte – und mit ihrer Kritik deswegen auch hohe Wellen schlägt.

"Ein einfacher Actionfilm über einen Actionhelden"

Emily Wilson ist nicht nur Altphilologin sowie Professorin an der University of Pennsylvania, sondern vor allem bekannt als Autorin. Darüber hinaus machte sie 2017 als Übersetzerin von Homers „Odyssee“ auf sich aufmerksam – nicht zuletzt auch, weil Regisseur Christopher Nolan bestätigte, dass ihre Version großen Einfluss auf seine Nacherzählung gehabt habe. Dementsprechend überraschend kommt es nun, dass die Britin nicht nur Gutes über die Verfilmung zu sagen hat. Ganz im Gegenteil sogar.

Im Interview mit dem Guardian zeigt sie sich zwar überaus erfreut darüber, dass der Stoff in Hollywood realisiert wurde und so sicherlich viele neue Leser*innen der Vorlage sowie ihrer Übersetzung gewonnen werden konnten. Zugleich distanziert sie sich jedoch strikt vom neuen Film des „Oppenheimer“-Machers – mit überaus harschen Worten:

„Ich würde mich schämen, auch nur einen Teil dieses Drehbuchs geschrieben zu haben. [...] Ich finde, es ist ein einfacher Actionfilm über einen Actionhelden, der sich selbst bemitleidet, weil er ein Actionheld ist“, so Wilson im Gespräch mit dem Guardian.

Odysseus: Komplexer als im Kino

Wilson verstehe durchaus, dass es im Zuge einer Adaption zu Anpassungen und Änderungen kommen kann und sogar muss. Nolan aber habe in seinem Film „viele Spannungen, die das Original ausmachen, entfernt“. Odysseus sei kein edelmütiger Held, sondern ein „komplizierter Mann“, dessen Intelligenz unweigerlich mit seinen Fehlern verbunden sei.

Einiges auszusetzen hat Wilson außerdem an Nolans Darstellung von Frauen. Die von Anne Hathaway gespielte Penelope komme so viel zu kurz. Die Geschichte sei nämlich nicht einfach nur die eines Helden, der zu seiner wartenden Frau zurückkehrt, sondern auch die „einer Frau, die 20 Jahre lang einen Haushalt, ein Königreich und eine Krise bewältigt.“ Auch die Rolle der Kalypso (Charlize Theron), deren Beziehung zu Odysseus von Macht, Begierde und Zwang geprägt ist, unterscheide sich stark vom Original – und sei in der Vorlage wesentlich sexueller.

Dass nun ausgerechnet Emily Wilson mit „Die Odyssee“ ein großes Problem hat, an deren Übersetzung sich Nolan nach eigener Aussage bediente, kommt durchaus überraschend. Zugleich gilt natürlich auch: Man kann es nicht allen recht machen! FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler beispielsweise sieht in „Spider-Man“-Star und Telemachos-Darsteller Tom Holland eine große Schwäche des Films – und unser Björn Schneider zeigte sich ebenfalls enttäuscht:

Meisterwerk? Von wegen! Darum ist "Die Odyssee" der schwächste Christopher-Nolan-Film für mich

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Daniel Fabian
Daniel Fabian
-Senior-Redakteur
Fasziniert und berührt werden, aber auch ein stückweit über sich selbst erfahren – darin besteht für Daniel die Magie des Kinos.
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