Heute ohne Werbung im TV: Extrem packendes Kino aus Deutschland mit großer Starbesetzung

Der Trailer zu „Je suis Karl“ verspricht Spannung, Dramatik und große Emotionen. All das liefert der zur Primetime im Free-TV gezeigte Thriller von 2021 dann auch. Warum das Ganze letztlich dennoch nicht vollständig überzeugen kann, lest ihr hier:

Je suis Karl“ ist ein Thriller-Drama, das sich mit der auf den ersten Blick für manche jungen Leute vielleicht durchaus attraktiv gebenden Neuen Rechten beschäftigt. In den Hauptrollen erwarten euch dabei zwei der aktuell populärsten deutschsprachigen Stars: Luna „Das schönste Mädchen der Welt“ Wedler und Jannis Niewöhner aus unter anderem „Narziss und Goldmund“.

„Je suis Karl“ läuft am heutigen 10. August 2026 um 20.15 Uhr auf One. Eine klassische Wiederholung ist nicht angekündigt. Dafür zeigt arte den Film allerdings in der Nacht vom 20. auf den 21. August um 2.15 Uhr auch noch einmal und wird ihn ab dem 20. zudem für eine Weile als Gratis-Stream in seiner Mediathek verfügbar machen. Schon jetzt können alle Abonnent*innen „Je suis Karl“ terminuabhängig auf Netflix streamen. Wer bereit ist, ein paar Euro zu investieren, kann alternativ auf Blu-ray und DVD oder Video-on-Demand ausweichen:

"Je suis Karl": Das ist die Story

Berlin wird von einem Terroranschlag erschüttert, bei dem Maxi (Luna Wedler) ihre Mutter und die beiden kleinen Brüder verliert. Während die junge Frau in Trauer zu versinken droht, ist ihr Vater Alex (Milan Peschel aus „Der Hauptmann“) keine Hilfe. Denn der macht sich selbst schwerste Vorwürfe. Schließlich war er es, der die Bombe von einem falschen Paketboten angenommen und ins Haus gebracht hatte.

Da lernt Maxi scheinbar zufällig den ebenso charmanten wie charismatischen Studenten Karl (Jannis Niewöhner) kennen, der sie auf ein paneuropäisches Studententreffen in Prag einlädt. Spontan sagt Maxi zu – hofft sie doch so, dem Trauma um ihre Familie zumindest für ein paar Tage entfliehen zu können.

Je suis Karl
Je suis Karl
Starttermin 16. September 2021 | 2 Std. 06 Min.
Von Christian Schwochow
Mit Luna Wedler, Jannis Niewöhner, Milan Peschel
User-Wertung
3,0
Filmstarts
2,5
Im Stream

In der tschechischen Hauptstadt angekommen, trifft Maxi auf reihenweise andere junge Menschen, die von einem „besseren“ Europa träumen. In ihrer Wut auf die Ereignisse in der Heimat und aufgrund ihrer aufkeimenden Gefühle für Karl lässt sie sich von ihnen mitreißen. Dabei realisiert sie zunächst überhaupt nicht, in welche Gesellschaft sie da hineingeraten ist. Erst mit der Zeit beginnt ihr zu dämmern, welche Pläne ihr Schwarm in Wirklichkeit verfolgt …

Hehre Ziele, mittelmäßige Ergebnisse

Wie unser Rezensent und Redakteur Björn Becher in der durchschnittliche 2,5 von 5 möglichen Sternen vergebenden FILMSTARTS-Kritik zu „Je suis Karl“ noch ausführlicher beschreibt, geben Regisseur Christian Schwochow („Deutschstunde“) und sein Drehbuchautor Thomas Wendrich („Lieber Thomas“) ihrem Publikum schnell einen Wissensvorsprung mit auf den Weg. Direkt nachdem Maxi und Karl sich erstmals begegnen, gibt es nämlich einen Rückblick, der die einleitenden Ereignisse noch einmal aus der Perspektive von Karl zeigt – womit früh klar wird, wie gefährlich er ist.

Zudem ist es offensichtlich, dass es sich bei der von Karl geführten Jugendbewegung „ReGeneration“ um eine fiktionalisierte Version der Identitären Bewegung handelt. Schnell wird uns gewahr, was Maxi selbst noch eine ganze Weile nicht versteht: Sie befindet sich mittendrin in der Neuen Rechten. Deren Outfits mögen vielleicht cooler sein, letztlich verkauft sie aber die gleiche braune Scheiße, die schon immer von (Neo-)Nazis, Rassisten und Faschisten kam.

Dadurch, dass wir uns fragen, wann die Protagonistin endlich aufwacht, bevor es für sie kein Zurück mehr geben kann, entsteht durchaus Spannung. „Je suis Karl“ vereinfacht das Ganze allerdings zu stark und verharmlost so unfreiwillig die Gefahr, die von Bewegungen wie der in ihm gezeigten ausgeht. Dass die Filmemacher warnen wollen, ist jederzeit erkennbar und durchaus löblich. Im letzten Drittel nimmt die Glaubwürdigkeit ihrer Story durch plumpe Überdramatisierung aber auf massive Weise immer weiter ab.

Der mit Abstand beste Aspekt von „Je suis Karl“ ist Luna Wedlers mimische Leistung. Ihre Figur ist der klare Mittelpunkt des Thrillers und dient zur Identifikation für das Publikum. Dank des Spiels der Schweizerin als emotional am Boden zerstörte, verzweifelt nach Halt suchende junge Frau wird deren Handeln und Denken zumindest noch halbwegs nachvollziehbar. Wirklich gelungen wird der Film aber weder dadurch noch dank der schicken Hochglanzoptik.

Das „Je suis Karl“-Hauptdarsteller*innen-Duo Luna Wedler und Jannis Niewöhner war 2025 erneut gemeinsam in einem Kinofilm zu erleben. Seit ein paar Wochen ist dieser im Programm von Netflix enthalten:

Bevor Teil 2 kommt: Diese Bestseller-Verfilmung mit grandioser Starperformance gibt's jetzt neu auf Netflix

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Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Das deutschsprachige Gegenwartskino ist oft deutlich besser als sein Ruf. Oliver Kube fallen aktuell u. a. "Everytime", "Rose", "Der Heimatlose" und "Vaterland" als Belege dafür ein.
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