In erster Linie kennt man Quentin Tarantino als Regisseur mit einem ganz eigenen Stil: schwarzer Humor, oftmals übermäßig viel Kunstblut und lange, pointierte Dialoge. Spielfilme wie „Kill Bill“ (2003) oder „Inglourious Basterds“ (2009) sind heute unbestreitbare Klassiker.
Dass Tarantino als Regisseur großes Talent hat, bewies er bereits 1992 mit „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“, und spätestens nach seiner ersten Oscar-Nominierung als Bester Regisseur für „Pulp Fiction“ war auch der letzte Zweifler überzeugt. Doch sein ursprünglicher Plan eigentlich ein anderer: Schauspieler zu werden!
Seine Schauspiel-Auftritte beschränkten sich allerdings überwiegend auf seine eigenen Filme: Unter anderem in „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ oder „Pulp Fiction“ sah man ihn in kleinen Rollen oder kurzen Cameos. In „From Dusk Till Dawn“ (von Tarantino geschrieben und inszeniert von Robert Rodriguez) übernahm er sogar so etwas wie eine Hauptrolle. Dass ihm eine große Schauspiel-Karriere bevorsteht, dürfte allerdings kaum jemand geglaubt haben. Und so musste eine simple Lüge her, um den fehlenden Filmrollen in seiner Filmografie entgegenzuwirken.
Tarantino war angeblich Teil des Casts
Da der „Jackie Brown“-Macher ohnehin ein großer Fan des französischen Regie-Revolutionärs Jean-Luc Godard war, behauptete er, Teil des Casts der Shakespeare-Verfilmung „König Lear“ (1987) gewesen zu sein, in der auch bekannte Gesichter wie Burgess Meredith, Julie Delpy, Molly Ringwald und Woody Allen mitgespielt hatten – aber nicht Quentin Tarantino!
Auch nach dem Kinostart von „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ hielt sich seine Lüge. Als er jedoch darauf angesprochen wurde, gestand er: „Das ist gelogen. Ich habe ihn in meinen Lebenslauf als Schauspieler aufgenommen und behauptet, darin mitgespielt zu haben, weil niemand den Film jemals sehen würde“ (via Far Out Magazine).
Eine Fehde zwischen Godard und Tarantino
Vielleicht wollte Quentin Tarantino zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht mehr mit dem französischen Regisseur in Verbindung gebracht werden, schließlich kam es zwischenzeitlich zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Filmemachern.
Anfangs bewunderte Quentin Tarantino den „Die Verachtung“-Regisseur, der das Medium Film vorangebracht hatte. Als Hommage benannte Tarantino sogar seine Produktionsfirma „A Band Apart“ nach Godards Film „Die Außenseiterbande“ (1964) (französisch: „Bande à Part"). Doch anstatt sich zu freuen, entgegnete Jean-Luc Godard nur: „Er [Quentin Tarantino] hat den Titel eines meiner schlechtesten Filme für seine Produktionsfirma gewählt. Das überrascht mich überhaupt nicht“ (via Far Out Magazine).
Autsch! Da hatte es der zweifache Oscar-Gewinner geschafft, mit seinem Idol auf einer Stufe zu stehen und dann wurde er verbal angegriffen. Nicht verwunderlich, dass auch Tarantino Jean-Luc Godard eins auswischen wollte und „König Lear“ schlechtredete.
"König Lear" war alles andere als ein Erfolg
Dabei sprach Tarantino sogar die Wahrheit: „König Lear“ ist kaum bekannt und spielte in den USA gerade einmal 60.000 Dollar ein. Als bekanntester Vertreter der Nouvelle Vague hat Godard mit Filmen wie zum Beispiel „Außer Atem“ (1960) oder „Elf Uhr nachts“ (1965) deutlich einprägsamere und erfolgreichere Werke geschaffen. Dass er nicht in der Shakespeare-Verfilmung mitgewirkt hatte, dürfte also kaum ein Verlust für Tarantino sein.
Und vielleicht hat der Urheber von „Kill Bill“ sogar bald die Möglichkeit, seine Karriere als Schauspieler nachzuholen. In welcher größeren Filmrolle er demnächst zu sehen sein wird, lest ihr hier:
Doppeltes Schauspiel-Comeback nach 30 Jahren: Quentin Tarantino übernimmt noch eine größere Filmrolle – neben einem Pop-Superstar!