Es gibt Filme, bei denen die Frage, ob sie im Kino oder direkt beim Streamingdienst landen, fast genauso spannend ist wie der Film selbst. Gerade bei Produktionen ohne Superhelden oder andere offensichtliche Publikumsmagneten ist der Weg auf die große Leinwand längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Für viele Filmschaffende ist ein Kinostart deshalb zu einer grundsätzlichen Frage geworden: Geht es noch darum, einen Film möglichst vielen Menschen im Kino zu zeigen oder darum, mit einem möglichst lukrativen Deal schnell die Produktionskosten und Gewinne abzusichern?
Olivia Wilde hat sich bei ihrem neuen Film offenbar sehr eindeutig für die erste Variante entschieden. „The Invite“, ihre neue Komödie mit einem hochkarätigen Ensemble, war schon beim Sundance Film Festival heiß begehrt und kommt auch jetzt bei Publikum und Kritik gleichermaßen gut an. Mehrere Studios und Streamingdienste wollten sich die Rechte sichern. Am Ende bekam A24 den Zuschlag, obwohl Netflix offenbar bereit war, deutlich mehr Geld auf den Tisch zu legen.
Olivia Wilde spricht von einer "Bestechung"
Ohne Netflix ausdrücklich beim Namen zu nennen, erklärte Wilde bei einem Pressegespräch beim Filmfestival Locarno, dass Streamingdienste mit höheren finanziellen Angeboten einen starken Anreiz schaffen würden, Filme gar nicht erst ins Kino zu bringen. Sie bezeichnete diese Praxis als „Bestechung“.
„Sie zahlen dir mehr. Sie bestechen dich, damit du deinen Film nicht ins Kino bringst“, erklärte Wilde. Dabei gehe es allerdings nicht unbedingt um die Filmemacher selbst. Vor allem die Finanziers könnten von einem solchen Deal profitieren, weil sie durch den Verkauf an einen Streamingdienst mehr Geld erhalten können. Für die Filmemacher selbst könne dadurch hingegen die Möglichkeit verloren gehen, ihre Arbeit tatsächlich auf der großen Leinwand zu präsentieren.
Die Regisseurin erklärte außerdem, sie habe Glück gehabt, dass ihr Annapurna die Freiheit gegeben habe, auf einen Kinostart zu bestehen. Dadurch habe sie die Möglichkeit gehabt, das zusätzliche Geld auszuschlagen und sich gemeinsam mit A24 für eine Kinoauswertung zu entscheiden.
Nach der Premiere von „The Invite“ beim Sundance Film Festival im Januar soll ein regelrechter Bieterwettstreit um den Film ausgebrochen sein. Zu den Interessenten gehörten unter anderem A24, Netflix, Searchlight, Focus Features und NEON. A24 setzte sich schließlich durch und soll für den Film rund 12 Millionen Dollar geboten haben.
Netflix soll daraufhin sein Angebot auf 20 Millionen Dollar erhöht haben. Ein Indikator, dass sich die Aussagen der Regisseurin klar auf den Streaming-Anbieter beziehen. Für Wilde war das allerdings offenbar kein Grund, ihre Vorstellungen über die Veröffentlichung des Films über Bord zu werfen. Sie wollte „The Invite“ ausdrücklich im Kino sehen und entschied sich deshalb wohl auch gegen das höhere Angebot von Netflix.
Dass sich für Filmemacher das Kino weiterhin lohnt, beweist aktuell Christopher Nolan mit „Die Odyssee“. Welchen Rekord der Film jetzt gebrochen hat, erfahrt ihr hier:
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