Wenn Christopher Nolan („Memento“) einen neuen Film ankündigt, weiß man in der Regel zwar grob, worum es geht – alles Weitere unterliegt jedoch der größtmöglichen Geheimhaltung. Oft lässt sich ein erstes Bild von einem neuen Werk erst zeichnen, wenn der erste Trailer erscheint. Doch selbst dann ist längst nicht sicher, in welche Richtung Nolan seine Geschichte tatsächlich lenken wird. Wirkliche Klarheit herrscht nicht selten erst in dem Moment, in dem man den Kinosaal wieder verlässt. „Die Odyssee“ hat das nun einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Nolan gehört zu jenen Regisseuren, die auch auf Pressetouren nur äußerst ungern mehr verraten als unbedingt nötig. Schließlich soll das Seherlebnis möglichst unberührt bleiben und der Film seine Geheimnisse erst auf der großen Leinwand preisgeben. Damit tatsächlich keinerlei Informationen vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangen, schreckt der für „Oppenheimer“ oscarprämierte Filmemacher bisweilen sogar nicht vor Maßnahmen zurück, die ziemlich irrwitzige Formen annehmen können. Eine solche Geschichte hat Matt Damon („Good Will Hunting“) in einem Interview zum Besten gegeben.
Das Drehbuch geht auf eine eigene Odyssee
Matt Damon war anlässlich des Starts von „Die Odyssee“ zu Gast in der Rich Eisen Show und sprach dort nicht nur über die Zukunft des „Jason Bourne“-Franchises und die „Ocean's“-Reihe, sondern natürlich auch über seine Zusammenarbeit mit Christopher Nolan. Schließlich war Damon nicht nur in „Die Odyssee“ und „Oppenheimer“ mit von der Partie, sondern übernahm bereits in Nolans Sci-Fi-Blockbuster „Interstellar“ eine überraschende Rolle. Dass Damon überhaupt in den Besitz des Drehbuchs gelangte, war mit einem beträchtlichen organisatorischen Aufwand verbunden, wie der Schauspieler nun erzählte.
Er befand sich gerade in Deutschland, um gemeinsam mit George Clooney „The Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ zu drehen, als er kontaktiert wurde. Christopher Nolan habe ihn für eine Rolle in „Interstellar“ vorgesehen, und Damon wollte selbstverständlich wissen, worauf er sich einließ. Also fragte er, ob er das Drehbuch lesen könne. Nolan ließ sich offenbar nicht zweimal bitten – allerdings kam das Skript auf denkbar ungewöhnliche Weise zu seinem künftigen Darsteller.
„Sie schickten jemanden, einen Produktionsassistenten, mit dem Skript im Gepäck nach Deutschland, weil sie es nicht per Post verschicken wollten“, erklärte der „Departed“-Star. Das Drehbuch wurde also kurzerhand persönlich überbracht, statt den wesentlich bequemeren Weg über den Postversand zu nehmen. Ganz damit erledigt war die Angelegenheit allerdings noch nicht.
Denn der Produktionsassistent durfte das Skript nicht einfach bei Damon lassen. Er musste es nach im Anschluss wieder mitnehmen. Für Damon kam der ungewöhnliche Kurierdienst zudem zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Der Schauspieler war gerade dabei, ins Bett zu gehen, schließlich sollte er am nächsten Morgen bereits um fünf Uhr wieder für „Monuments Men“ vor der Kamera stehen.
Der Produktionsassistent hatte damit jedoch offenbar keine allzu großen Probleme. Er blieb kurzerhand noch etwas länger am Set im ländlichen Deutschland und verbrachte dort, wie Damon augenzwinkernd schilderte, eine ziemlich gute Zeit. Warum für Matt Damon nach „Die Odyssee“ wohl eine Kino-Ära endet, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
Matt Damon ist sich sicher: Mit Christopher Nolans "Die Odyssee" geht für ihn eine Kino-Ära zu Ende