„Das apokalyptische Meisterwerk des vielleicht wildesten Regisseurs der Welt“, heißt es unter anderem auf der Rückseite der Blu-ray von Alex de la Iglesias' „Perdita Durango“, die der Autor dieses Artikels im Regal stehen hat. Und in diesem Fall sieht dieser darin nicht bloß effekthascherische Phrasendrescherei, mit der mehr versprochen wird als der Film hält. Er würde die Aussage prompt unterschreiben. Und zwar doppelt und dreifach.
Wer sich von dem Schocker selbst ein Bild machen will, hat aktuell im Abo bei Amazon Prime Video* die Möglichkeit dazu. Ihr wollt euch den Kultstreifen zum Immer-wieder-gucken dauerhaft ins Regal stellen? Kein Problem. Am 14. August erscheint das starbesetzte Ab-18-Brett neu auf Blu-ray und 4K-Blu-ray. Und zwar uncut!
"Perdita Durango" bei Media Markt*
Aber Achtung: Hier bekommt ihr es mit ziemlich starkem Tobak zu tun – mit einem Stück spanischem Extrem-Kino, für das Regisseur Álex de la Iglesia („Aktion Mutante“, „Ein ferpektes Verbrechen“) zwar bekannt ist, dessen Grenzen er in diesem Rausch des Irrsinns von 1997 aber besonders exzessiv und nach allen Regeln der Kunst auslotet. Das legen auch die zahlreichen Reviews bei Letterboxd nahe, die voll ins Schwarze treffen, wenn sie den Film etwa als „absolut verdammt geisteskrank“ bezeichnen.
"Perdita Durango": Knallharter Kult-Kracher
Tiefgefrorene Embryonen, Drogen, Sex, Mord und Totschlag: „Perdita Durango“ bricht Tabus, ist so dreckig und abartig, dass man sich anschließend am liebsten direkt unter die Dusche stellen würde und stellt gleich mit seiner ersten Aufnahme klar, dass der zumindest teils auch US-amerikanisch produzierte Mix aus Gangster-Roadmovie und sinistrem Horror-Thriller sich in Sachen Altersfreigabe nicht in ein MPAA-Korsett zwängen lässt. So beginnt der Film mit einem Geparden, der die nackt unter einer Decke liegende Hauptdarstellerin Rosie Perez („Weiße Jungs bringen's nicht“) entblößt. Gut zwei Minuten später wurden nicht nur Po und Brüste enthüllt, ein durchgedrehter Typ (der nicht der letzte bleiben wird) stimmt auch gleich auf den Wahnsinn ein, der in den nächsten beiden Stunden folgen wird – und richtet sich schließlich selbst hin.
Ja, die Geschichte der titelgebenden Prostituierten Perdita Durango (Perez) und dem mordlüsternen Santeria-Priester Romeo Dolorosa (Oscar-Preisträger und Bond-Schurke Javier Bardem), die sich an der amerikanisch-mexikanischen Grenze treffen und schließlich eine animalische Liaison beginnen, legt mit durchgedrücktem Gaspedal los – und geht zwischen Entführung und Vergewaltigung, Drogenrausch und Leichenschändung, tiefgefrorenen Menschenkörpern und finsteren Riten in Sachen Wahnsinn durchgehend in die Vollen.
„Perdita Durango“ erinnert nicht nur an den ikonischen Nicolas-Cage-Klassiker „Wild At Heart“, sondern auch an überbordende Genrefilm-Meilensteine wie „Pulp Fiction“ oder „From Dusk Till Dawn“ (wie u.a. auch auf dem Cover der Blu-ray hingewiesen wird). Es ist ein Film, der in Sachen Freizügigkeit und Gewalt keine Grenzen zu kennen scheint scheint, gleichzeitig aber auch immer wieder heitere sowie verdammt coole Töne anschlägt. Etwa wenn Perdita ihrer neuen Bekanntschaft bei ihrem ersten Treffen direkt verklickert, dass dieser doch sicherlich Zahnarzt sei – das erkenne sie schon an dessen dämlichen Grinsen. Auf der Filmbewertungsplattform Letterboxd wird der Film passenderweise zudem „Supernatural Born Killers“ genannt – in Anlehnung an den von Oliver Stone inszenierten (und von Quentin Tarantino geschriebenen) Kultfilm „Natural Born Killers“, mit dem er ebenso einiges gemeinsam hat.
Das ist Kino nach eurem Geschmack? Dann verdient wohl auch Iglesias' mittlerweile ebenfalls in 4K erhältlicher „Aktion Mutante“ einen Platz auf eurer Watchlist:
Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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