Der seit Jahrzehnten schwelende Kalte Krieg lieferte Hollywood in den 1980ern reichlich Stoff für politische Thriller und Actionfilme – wohl kaum ein Werk trieb die damalige Angst vor der Sowjetunion jedoch derart auf die Spitze wie „Die rote Flut“ (1984)! Der von John Milius inszenierte Kriegs-Reißer wurde damals wegen seines unverhohlenen Patriotismus sowie seiner an Propaganda grenzenden antikommunistischen Haltung kontrovers diskutiert – entwickelte sich aber zugleich zum Leinwanderfolg und später zum Kultfilm.
„Die rote Flut“ spielt ein fiktives Schreckensszenario durch: Sowjetische Truppen und ihre Verbündeten fallen überraschend in die USA ein und besetzen Teile des Landes. Ein paar Jugendliche können sich in die Berge retten, wo sie unter dem Namen „Wolverines“ einen Guerillakampf gegen die Invasoren beginnen.
Angeführt wurde die Gruppe von den Brüdern Jed und Matt Eckert, gespielt von den damaligen Newcomern Patrick Swayze („Ghost“) und Charlie Sheen („Wall Street“)! Und auch der Rest des Ensembles bestand zum Teil aus später durchaus namhaften Jungstars, darunter C. Thomas Howell („Hitcher, der Highwaykiller“), Lea Thompson („Zurück in die Zukunft“) und Jennifer Grey. Letztere sollte nur drei Jahre später in „Dirty Dancing“ erneut neben Swayze vor der Kamera stehen und gemeinsam mit ihm Kinogeschichte schreiben.
Vor allem in den USA traf der Film einen Nerv: Einem Budget von 17 Millionen US-Dollar stand ein Einspielergebnis von 39 Millionen Dollar gegenüber. Damit war „Die rote Flut“ in den Vereinigten Staaten erfolgreicher als der im selben Jahr erschienene Sci-Fi-Klassiker „Terminator“. Bei der Kritik stieß er auf deutlich weniger Gegenliebe: Viele verschmähten die fünfte Regiearbeit von „Apocalypse Now“-Drehbuchautor und „Conan der Barbar“-Schöpfer Milius als reaktionäre Gewaltfantasie, die sich perfekt in die Reagan-Ära und die ohnehin aufgeheizte Stimmung der letzten Phase des Kalten Krieges einfügte.
Früher Hassobjekt, heute Kult
Über die Jahrzehnte hat sich die Wahrnehmung von „Die rote Flut“ allerdings zum Teil gewandelt. Während Verrisse vor 42 Jahren der Tenor waren, zählt die US-amerikanische Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes heute immerhin 48 Prozent an überwiegend positiven Rezensionen – beim Publikum kommt „Die rote Flut“ sogar auf 65 Prozent Zustimmung. Damit ist er ein gutes Beispiel dafür, wie Kunst mit wachsendem historischen und ideologischen Abstand ein Eigenleben entwickeln kann.
Viele schätzen „Die rote Flut“ heute gerade als unverfälschtes Produkt seiner Zeit, das ein hemmungslos überzeichnetes Paranoia-Szenario mit Elementen einer brutalen Coming-of-Age-Erzählung verbindet. Auch der Autor dieser Zeilen kann dem Werk manches abgewinnen und sieht einen Teil seines Reizes auch darin, dass er zu gleichen Teilen Camp und eine mit verbissenem Ernst durchgespielte Untergangsvision ist.
2012 gab es übrigens sogar ein Remake: In „Red Dawn“ wurden aus den sowjetischen Angreifern nordkoreanische Invasoren. An den Kinokassen avancierte die unter anderem mit Chris Hemsworth und Josh Peck besetzte Neuauflage jedoch zum Flop, und im Gegensatz zum Original blieb eine Rehabilitation bisher aus.
Um einen anderen, zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Kriegsfilm dreht sich der nachfolgende Artikel:
"Der Film ist einzigartig": Harrison Ford ist stolz auf diesen hochspannenden Kriegs-Thriller, der im Kino zu Unrecht untergingEin ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer brasilianischen Schwesternseite AdoroCinema erschienen.
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