Das Finale von "Spider-Man: Brand New Day" bricht mit einer großen MCU-Tradition – und ist genau deshalb so perfekt!

Es gibt nur wenige MCU-Filme, die nicht mit einer großen Materialschlacht enden. „Spider-Man: Brand New Day“ geht hier aber einen anderen Weg – und ist in den Augen von FILMSTARTS-Redakteur und Marvel-Fan Markus Trutt gerade deswegen so erfrischend.

Ich halte die Fahne für das Marvel Cinematic Universe auch fast 20 Jahre nach seinem Beginn noch immer (halbwegs) hoch. Mit „Avengers: Endgame“ gab es zwar eigentlich schon 2019 den krönenden Abschluss für diese beispiellose Saga. Doch auch nach mittlerweile 38 Filmen und zahlreichen Serien habe ich Spaß mit „meinen“-Comic-Helden und bin neugierig darauf, wie sich das immer verzweigtere Universum auf dem Weg zum nächsten „Avengers“-Doppel entwickelt.

Aber auch ich bin nach all der Zeit natürlich nicht komplett vor Marvel-Müdigkeit gefeit. Die häufig gleiche Formel, ein vereinheitlichter Look und seelenlose CGI-Materialschlachten im Showdown schmälern mittlerweile häufiger das Vergnügen, als mir lieb ist. Umso erfreulicher ist es aber, dass sich unter eher ernüchternde MCU-Kost auch nach wie vor echte Highlights mischen – wie etwa „Guardians Of The Galaxy Vol. 3“ oder jetzt ganz aktuell „Spider-Man: Brand New Day“!

Tom Hollands viertem Spidey-Solo-Abenteuer gelingt ein fantastischer Spagat zwischen erwachsenem Tiefgang und purem Blockbuster-Fun, wie ich auch in meiner FILMSTARTS-Kritik geschrieben habe. Das liegt sowohl an der emotionalen Fallhöhe in der Geschichte der sorgsam weiterentwickelten Hauptfiguren als auch am Regie-Wechsel von Jon Watts zu „Shang-Chi“-Macher Destin Daniel Cretton, der in Sachen Action für abwechslungsreichen frischen Wind sorgt. Es ist aber nicht zuletzt das Finale, das „Spider-Man: Brand New Day“ so wohlig aus dem Superhelden-Einheitsbrei herausstechen lässt. Achtung, ab hier folgen Spoiler zum Ende des Films!

Intime Auflösung statt Bombast-Spektakel

Wie bei Marvel üblich, deutet sich auch bei „Spider-Man: Brand New Day“ zunächst ein großes Spektakel für die alles entscheidende Konfrontation zwischen Protagonist und Antagonist an, als Jean Grey (Sadie Sink) nach den Experimenten an ihr einen großen Teil von New York mittels Gedankenkraft einfach erstarren lässt. Und ja, auch hier bekommen wir erst mal noch eine Action-Sequenz serviert – die aber trotz umherfliegender Ninjas der Hand erfreulich handgemacht und geerdet daherkommt und vor allem auch direkt mit Peters Selbstfindung verknüpft ist.

Sobald das dann aus dem Weg ist, feuert man bei der eigentlichen Auflösung des Haupt-Konflikts des Films nicht etwa ein x-beliebiges Effektgewitter ab, sondern geht bewusst einen ganz anderen Weg. Peter sucht nicht den offenen Kampf mit der mächtigen Jean, sondern lässt sie stattdessen in seine Gedanken eindringen. Dort findet sie sich in einer Erinnerung von Peter wieder, in der Tante May (Marisa Tomei) ihrem mit seinem Superhelden-Dasein hadernden Neffen erklärt, dass sie ihn so liebt, wie er ist. Nur nimmt hier plötzlich Jean Peters Platz und damit die Stelle derjenigen Person ein, an die May ihre rührenden Worte richtet. Und die verfehlen ihre Wirkung auch bei ihr nicht.

"Thunderbolts*" hat es vorgemacht

Hier zahlt es sich letztlich voll aus, dass Jean Greys eigener schmerzvoller Trip zur Selbstbestimmung bereits als Spiegel für Peters Traumabewältigung aufgebaut wurde und May mit ihrem Plädoyer für Zusammenhalt und Solidarität somit beide genau am richtigen Punkt abholt, um zur inneren Heilung zu finden. Ein runder und verdienter Ausgang, mit dem „Spider-Man: Brand New Day“ ein Stück weit in die Fußstapfen des famosen „Thunderbolts*“-Showdowns tritt. Schließlich ging es auch dort am Ende in die Gedankenwelt einer Figur, wo eine innere Konfliktlösung mit ganz ähnlicher Botschaft an die Stelle des üblichen Superhelden-Krawalls trat.

Klar, Krachende Action gehört zu einem Comic-Blockbuster mindestens ein Stück weit auch dazu. Doch wünsche ich mir für die MCU-Zukunft, mehr Mut zum Verzicht darauf, im Finale Städte in die Luft zu heben/zu jagen oder CGI-Monster aufeinander zu hetzen. Stattdessen sollten originelle Wege für einen Abschluss gefunden werden, der sich stärker aus den Figuren heraus entwickelt und damit letzten Endes auch eine viel größere emotionale Wucht hat. Genau das hat „Spider-Man: Brand New Day“ jetzt eindrucksvoll demonstriert.

Wie es nach dem Ende von „Brand New Day“ für Peter, Jean und Co. weitergehen könnte, spekulieren wir derweil ausführlich im folgenden Artikel:

Bereitet "Spider-Man: Brand New Day" "Avengers: Doomsday" vor? Die Post-Credit-Szene und das Ende erklärt

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Markus Trutt
Markus Trutt
-Redakteur
Das Mammut-Projekt MCU hat Markus bis heute in seinem Bann, sodass er alles, was Film und Serie dazu hergeben, genüsslich aufsaugt.
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