Warum wurde eine der besten Serien wirklich abgesetzt? Jetzt widersprechen sich Netflix und David Fincher

Wenn es um die besten Serien bei Netflix geht, fällt immer wieder „Mindhunter“. Doch nach zwei Staffeln endete David Finchers gefeierte Serienkiller-Jagd. Warum schien längst geklärt. Doch jetzt erzählt Netflix plötzlich eine andere Geschichte.

Netflix

Nur zwei Staffeln brauchte „Mindhunter“, um sich einen festen Platz unter den wohl besten Netflix-Serien überhaupt zu sichern. Zwischen 2017 und 2019 begleiteten wir die FBI-Agenten Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany) sowie Psychologin Wendy Carr (Anna Torv) bei den Anfängen des sogenannten Criminal Profiling. Auch hier bei FILMSTARTS wird das Ergebnis von euch gefeiert. Mit einer herausragenden Durchschnittswertung von 4,2 von 5 Sternen hat „Mindhunter“ sogar einen festen Platz in der User-Top-10 der besten Krimi-Serien aller Zeiten.

Nach der zweiten Staffel war allerdings plötzlich Schluss. Streng genommen wurde „Mindhunter“ von Netflix zwar nie offiziell abgesetzt, doch Anfang 2020 wurde die Serie auf unbestimmte Zeit pausiert. Damals wurden Cast und Crew aus ihren Verträgen entlassen, um sich neuen Projekten widmen zu können.

Die Gründe dafür schienen bekannt. Serien-Mastermind David Fincher hat sie selbst mehrfach erläutert. Jetzt sorgt allerdings ausgerechnet Netflix-Boss Ted Sarandos für Verwirrung.

Netflix wollte "Mindhunter: Staffel 3" – sagt zumindest Netflix

Vor wenigen Wochen war Sarandos bei einem Event der Zeitung „The Indian Express“ zu Gast. Die rund eineinhalb Stunden lange Unterhaltung wurde live auf YouTube übertragen und mittlerweile haben „Mindhunter“-Fans darin eine bemerkenswerte Aussage über ihre Lieblingsserie entdeckt. Denn im Rahmen einer Frage, welche Netflix-Fortsetzung er gerne gesehen hätte, die nie zustande kam, lieferte der Streamingchef eine überraschende Antwort: „Mindhunter“.

„Wir gingen immer davon aus, dass es eine dritte Staffel geben würde“, behauptet Sarandos so. David Fincher sei jedoch mit einem Film beschäftigt gewesen (gemeint ist aller Wahrscheinlichkeit nach sein ebenfalls für Netflix entstandenes Drama „Mank“) und weil „David ein unglaublich akribischer Macher ist, konnte er schlicht nicht zwei Dinge gleichzeitig tun“. Fincher wollte „definitiv keines von beiden vernachlässigen“, daher sei die Serienfortsetzung „immer weiter aufgeschoben“ worden. Sarandos trauert dem laut eigener Aussage nach: „Ich hätte zu gerne eine dritte Staffel von ‚Mindhunter‘ gesehen.“

David Fincher behauptet dagegen: Für Netflix war "Mindhunter" schlicht zu teuer

Die neuen Aussagen von Sarandos klingen plötzlich so, als sei nicht Netflix für das Ende von „Mindhunter“ verantwortlich gewesen, sondern vor allem Finchers voller Terminkalender. Allerdings passt diese Darstellung nicht so ganz zu dem, was der Regisseur selbst in der Vergangenheit erzählt hat. Denn Fincher betonte stets, dass der Streamingdienst die Reißleine gezogen habe.

Bereits 2020 verwies er zwar darauf, dass ihn die extrem aufwändige zweite Staffel erschöpft habe und er eine Pause brauche. Am Ende entscheide aber Netflix unter einer Prämisse über den Fortgang: Die Kosten müssten zu den Zuschauerzahlen passen. Als 2023 sich abzeichnete, dass keine Fortsetzung mehr kommen wird, machte Fincher gegenüber der französischen Zeitung Le Journal du Dimanche ziemlich eindeutig klar, warum Fans nicht weiter auf die dritte Staffel hoffen sollten: „Mindhunter“ sei eine sehr teure Serie gewesen und habe aus Sicht von Netflix nicht genügend Zuschauer erreicht, um die nötigen Investitionen für mehr Episoden zu rechtfertigen.

Wer sagt nun die Wahrheit und gibt es noch Hoffnung?

Womöglich liegt die Wahrheit in der Mitte. Denkbar ist nämlich, dass Netflix „Mindhunter“ für eine dritte Staffel verlängert hätte, aber zunächst Finchers Wunsch nach einer Pause und seine Arbeit an „Mank“ dafür sorgten, dass Staffel 3 verschoben wurde. Als eine Rückkehr später wieder zum Thema wurde, könnte Netflix angesichts der hohen Kosten und überschaubaren Zuschauerzahlen dann entschieden haben, dass sich eine Fortsetzung jetzt doch nicht mehr lohnt. Gerade weil man Cast und Crew zwischenzeitlich aus den Verträgen entließ, hätten schließlich auch Neuverhandlungen angestanden, die eventuell die Kosten sogar weiter erhöht hätten.

Ganz tot ist „Mindhunter“ womöglich trotzdem noch nicht. Vielleicht hat Sarandos die neuen Aussagen getätigt, um zu zeigen, dass Netflix jetzt doch wieder bereit für eine Fortsetzung ist. Hauptdarsteller Holt McCallany machte schließlich bereits 2025 Hoffnung. Damals berichtete er von Überlegungen, die Geschichte nicht mit einer dritten Staffel, sondern mit drei Filmen von jeweils zwei Stunden Länge abzuschließen. Im Hintergrund werde sogar bereits an Drehbüchern gearbeitet, die Netflix überzeugen sollen, diese Film-Trilogie zu finanzieren. Vielleicht gibt es in Kürze also noch gute Nachrichten für Fans des Krimi-Hits.

Erst einmal kommt aber ein ganz anderer David-Fincher-Film zu Netflix: das Sequel zu einem Quentin-Tarantino-Hit. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:

Nach viel Hin und Her: Die Netflix-Fortsetzung von Quentin Tarantinos "Once Upon A Time In Hollywood" hat endlich einen Titel

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.
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