Wer im Jahr 2000 irgendwie an einen Drehbuchentwurf zum zweiten Teil der „Star Wars“-Prequel-Trilogie gelangte, dürfte erst einmal ziemlich große Augen gemacht haben. Denn auf dem Skript stand keineswegs „Attack Of The Clones“, also „Angriff der Klonkrieger“. Stattdessen war dort ein Titel zu lesen, der selbst für die weit entfernte Galaxis reichlich absurd klingt: „Star Wars: Jar Jar's Great Adventure“.
Natürlich plante George Lucas nicht, die Geschichte von Anakin, Obi-Wan und Padmé in den Hintergrund zu rücken, um plötzlich Jar Jar Binks zum Helden seiner Prequel-Trilogie zu machen. Lucas schrieb den Titel im Juni 2000 auf sein Skript als direkte Reaktion auf den rund ein Jahr zuvor veröffentlichten Vorgänger „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“. Die Troll-Aktion war dabei ein kleiner Racheakt.
Darum nutzen Blockbuster Fake-Titel
Dass solche Fake-Titel verwendet werden, ist bei großen Franchise-Produktionen üblich und auch Lucas griff schon für „Star Wars“ darauf zurück. Sie werden gezielt eingesetzt, um Filmprojekte während der Produktion vor Fans, Paparazzi und Spoilern zu schützen oder um Preistreibereien bei Drehort-Mieten zu verhindern. Der berühmteste Fake-Titel der Geschichte stammt mit „Blue Harvest“ für „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ auch von Lucas. Andere berühmte Beispiele sind „Group Hug“ für „The Avengers“ oder „Rory’s First Kiss“ für „The Dark Knight“. Doch wie diese Beispiele zeigen, sollen solche Titel meist komplett in die Irre führen und den Anschein wecken, dass hier ein kleiner, unbedeutender Indie-Film statt des neuen Blockbuster-Events gedreht wird.
Bei Lucasfilm war man sich damals sicher, dass sich die Produktion von „Episode II“ nicht verheimlichen lässt und vor allem der Titel irgendwann seinen Weg an die Presse finden würde. Dass sich Lucas für einen Namen mit Jar Jar entschied, hatte deswegen noch einen zusätzlichen Hintergrund. Dies enthüllte Ahmed Best, der Jar Jar in den Prequels verkörperte, in Paul Duncans umfangreichem Hintergrundbuch „The Star Wars Archives: 1999 2005“. Später wurde die Anekdote auch auf der offiziellen „Star Wars“-Website aufgegriffen.
Ein "Mittelfinger" an alle Jar-Jar-Hater!
Laut Best ärgerte sich Lucas sehr darüber, wie schlecht Jar Jar Binks nach dem Start von „Episode I“ von vielen „Star Wars“-Fans aufgenommen wurde. Auch öffentlich kritisierte der Schöpfer der Kult-Saga schon mehrfach diese Reaktionen und beklagte, dass viele mittlerweile erwachsene Fans nicht verstehen, dass er „Star Wars“ in erster Linie für Kinder mache. Für Lucas sei der Fake-Titel zu „Episode II“ genau deswegen ein persönlicher Mittelfinger an die ganze „Alle hassen Jar Jar“-Stimmung gewesen. Wenn schon ein „Star Wars“-Titel durchsickern sollte, dann doch bitte einer, der manche Fans besonders zuverlässig auf die Palme bringen würde.
Erst am 6. August 2001, also über ein Jahr später, wurde dann bekannt gegeben, dass der Film in Wirklichkeit „Star Wars: Episode II – Attack Of The Clones“, auf Deutsch „Angriff der Klonkrieger“, heißen würde. Auch dieser Titel sorgte übrigens zunächst für reichlich hochgezogene Augenbrauen. Viele Fans waren nämlich der Meinung, dass „Attack Of The Clones“ ziemlich albern klinge, was für viele Diskussionen im Internet sorgte. Genau das war allerdings beabsichtigt, denn Lucas lehnte den Namen bewusst an die Abenteuer-Serials und pulpigen Science-Fiction-Geschichten an, die ihn einst zu „Star Wars“ inspiriert hatten.
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